Kampfkunst – Lebenskunst

„Response must be without conscious thought.“ – Kanryo Higaonna


(Die Antwort muss ohne bewusstes Denken geschehen)

 

Das Gerücht der leeren Hand.
„Kara“-Te
bedeutet übersetzt „leere“ -Hand. Das benutzte Zeichen für „Leer“ bezieht sich jedoch nur oberflächlich betrachtet darauf, nichts in den Händen zu haben. In seinem Kern deutet das Zeichen für Kara auf einen anzustrebenden Geisteszustand hin. Es wurde um 1935 eingeführt. Funakoshi Gichin war maßgeblich an dieser Änderung beteiligt und rechtfertigt diese in seinen Büchern. Auch den eigentlichen Hintergrund dieses Zeichens beschreibt er. Ein Gremium bestehend aus okinawanischer Lehrern, die das Karate auf der japanischen Hauptinsel verbreiten wollten, stimmte zu, die Benutzung des Zeichens einzuführen. Zuvor wurde auf Okinawa für das Karate ein „Kara“ mit der Bedeutung „China“ benutzt. Da Japan um 1935 allem Chinesischen ablehnend gegenüber eingestellt war, konnten die okinawanischen Botschafter (u.a. Funakoshi Gichin) auf der Hauptinsel Japans unmöglich das alte Zeichen weiter benutzen.

Funakoshi hat sich intensiv mit den Zusammenhängen von Kampfkunst und buddhistischer Philosophie auseinander gesetzt. Wie Funakoshi schreibt, meinte er den anzustrebenden, geistigen Zustand – nämlich den Kopf frei zu machen von störenden Gedanken. Die eigentliche Bedeutung des gewählten Zeichens für „leer“ ist also philosophisch geprägt. Funakoshi schreibt in seinem Meistertext: »Form ist Leere, Leere ist die Form selbst. Das Kara des Kara-Te-Do hat eben diese Bedeutung«. Sich von störenden Gedanken bei Bedarf frei oder „leer“ machen zu können, ist eine wichtige Eigenschaft im Leben sowie im Kampf.

 

Mushin

Das japanische Wort “Mushin” bedeutet „kein-Gedanke” oder „nicht Herz”. Es deutet eine Geisteshaltung an, die bezogen auf den Umgang mit einer Kata oder einer Anwendung erst nach ausgiebiger Übung eintritt. Es ist die Fähigkeit, die Bewegungen der Kata auszuführen und deren Prinzipien wirken zu lassen, ohne dass sich Gedanken dazwischen schalten. Gedanken lenken vom Moment des Geschehens ab und schränken so die blitzschnelle Handlungsfähigkeit ein. Das wiederholte Training ist derart tief in Fleisch und Blut übergegangen, so dass man die Aktionen oder Kata wie in einer Art bewegter Meditation ausführen kann. Die eigenen Bewegungen erfolgen präzise, schnell und als direkte Antwort auf die gegnerischen Aktionen – es ist als würde man kurz vorher fühlen, was gleich passiert und als wäre man vorbereitet. Man ist voll im Moment und an dieser Stelle sind wir bei der Philosophie (nicht der Religion) des Zen angelangt. Der Moment. Das Leben findet in der Gegenwart statt. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht existent. Natürlich beeinflusst uns die Vergangenheit und natürlich müssen wir an die Zukunft denken.

Zeigt er uns die Wahrheit oder trägt er die Last der Welt? Oder beides?

Ein Sprichwort sagt: „Terminkalender sind die Peitschen der Sklaven von heute“ Ich beobachte oft Menschen, die endlich im Zug, Bus oder Flugzeug Gelegenheit hätten für eine Auszeit und sich einmal entspannt zurücklehnen könnten. Stattdessen arbeiten sie wie getrieben weiter auf Tablets oder Notebooks an Geschäftsbriefen, Tabellen und Diagrammen. Andere lesen eine Zeitung nach der anderen durch. Es scheint, als wären wir bereits abhängig geworden davon, stetig mit Informationen oder Reizen versorgt oder bombardiert zu werden und würden es ohne sie gar nicht mehr aushalten. Bloß nicht zur Ruhe, zum Stillstand kommen. Denn selbst dann rasen uns Gedanken durch den Kopf, was noch zu tun oder was alles geschehen ist.

Rastlosigkeit, geistige Reizüberflutung oder anhaltende Ängste können zu mentaler Unruhe und einem schädlichen Dauerstress führen. Denn das Leben/ die Zukunft lässt sich nur begrenzt voraus berechnen und absichern. Manche Firmen und Branchen machen sich jedoch unsere Furcht vor Ungewissheit oder zu geringer Absicherung zu nutze. Es ist eine große Lebenshilfe, das Vermögen auszubilden, sich in der Gegenwart nicht allzusehr von negativen Gedanken an die Vergangenheit oder Befürchtungen um die Zukunft beeinflussen zu lassen. Eine positive Lebenseinstellung ist anzustreben, die uns unseren immer auch mit Hürden bestückten Weg des Lebens mit einer heiteren Gelassenheit gehen lässt. An diese Philosophie erinnern mich die chinesischen Buddhafiguren, welche etwas über ihrem Kopf halten. Sie haben nur das Nötigste bei sich, sind von dicklicher Figur, man könnte sie fast als hässlich bezeichnen, würde man auf Äusserlichkeiten beschränkt sein und sie tragen das Gewicht (die Last) der Welt über ihrem Kopf. Jedoch lächeln sie mit eben dieser heiteren Gelassenheit, die vielen Menschen fehlt, jedoch der Gesellschaft gut tun würde. Erscheint einem jeden das eigene Päckchen und das eigene Glück als das schwerste und wichtigste, dann verankern sich Stress, Wettkampf, Hast, Neid, Druck, Egoismus und viele weitere negative Felder in der Gesellschaft aus. Viele machen da einfach mit, sie kennen es ja von Klein auf nicht anders.

Manche Eltern erziehen ihre Kinder gezielt, andere unbewusst darauf hin, in der Gesellschaft nach oben kommen zu wollen und dabei keine Rücksicht auf andere zu nehmen. In der Kampfkunst geht es um eine persönliche Entwicklung. Wir lassen uns von Äusserlichkeiten beeindrucken und verleiten. Wichtiger jedoch, wie der Sportwagen aussieht ist, was für eine Person der Fahrer ist. Leider definieren sich zu viele über Materielles, über ihr Auto, ihr Haus oder ihren Schmuck anstatt sich selbst weiter zu entwickeln. Z.B. zu einem Menschen, der ohne diese Äusserlichkeiten zu brauchen, stark und zufrieden ist und eine Auge hat für seine Mitmenschen. Werbung und Medien vermitteln zweifelhafte Schönheitsideale und falsche Vorstellungen dessen, was man braucht und was nicht. Ein Graus wäre es für die Industrie, würden die Menschen anfangen, mit weniger zufrieden zu sein, anstatt zu glauben, dass dies Auto oder das Haus noch fehle zum glücklich sein und unbedingt angeschafft werden müsse. Es ist ein Irrglaube, äusserlicher Besitz könnte zu innerer Zufriedenheit führen. Was besitzen wir am Ende schon? Ein endloser Kreis, der sich durch manches Leben zieht. Ein Sprichwort lautet: „Niemand bekommt das schöne Haus mit der glücklichen Familie auf dem Berg am See – nichtmal der, der darin wohnt.“

Okinawa – Japanisch/ Chinesischer Garten.

Mit entspanntem Geist durch die Kata. Schafft man es, sich von seinem Ego und dessen angesammelten Gedankenbombardements zu lösen, kann man auch eine Kata ausführen, ohne dabei nachzudenken. Die Bewegungen können direkt und spontan erfolgen, ohne über den Ablauf oder die Ausführung nachdenken zu müssen. Man bleibt dann auch nicht an den zuletzt ausgeführten Techniken geistig „hängen“ und beurteilt sie im Geiste bzw. ärgert sich über eine vielleicht nicht so gut ausgeführte Technik. Das Training hat dann nicht den Sinn, den nächsten Gürtelgrad zu erreichen oder einen Pokal zu gewinnen. Auch geht es nicht mehr darum, sich den Ablauf einer Kata nach der anderen anzueignen, als sammle man sie wie Trophäen. Dieses Verhalten begegnet einem häufig, es entspricht dem Verlangen nach immer neuen Informationen und Reizen. Beschäftigt man sich jedoch ausgiebig und mit ruhigem Geiste mit einer oder wenigen Kata zur Zeit, dann wird man zu der Kata und geht in ihr auf. Es kommen keine Gedanken auf wie „das war jetzt nicht gut oder das war jetzt gut”, „was kommt jetzt noch mal!?”, „ich kann nicht mehr”, „die nächste Technik ist schwierig”.

Bewegte Meditation. Ein Geist, der durch ablenkende Gedanken gestört wird, ist nicht mehr in der Lage, sich vollkommen der gerade stattfindenden Körperbewegung und Situation, also dem Moment hinzugeben. Er kann keine Kraft und Ruhe sammeln. Ein Verlust der direkten Aufmerksamkeit und Effizienz der Techniken ist die Folge. Oftmals sieht man einem Kataausführenden sofort an, wenn sein Geist beginnt nicht mehr im Moment zu sein. Auswirkungen auf seine Haltung und Bewegung finden statt und der Fluss der Kata ändert sich. Blickwendungen verändern sich, entsprechen nicht mehr den imaginären Gegnern und dem Schutz des Kinns vor deren Techniken. Dann kommt man zu einer für Körper und Geist förderlichen Art von Training, wo man komplexe Bewegungsmuster ausführt, den eigenen Geist dennoch immer weiter leert. Diese Kombination bietet in diesem Umfang kaum eine herkömmliche Sportart. Das kann man bewegte Meditation nennen.

Gleiches gilt für den Kampf. Im Kampf wie in anderen Gefahrensituationen ist der Zustand des aufgeräumten Geistes sehr wichtig. Man muss möglichst direkt und bewusst auf das Geschehen (im Moment) reagieren und sich den ständig schnell wechselnden Umständen anpassen können. Im Bezug auf einen Gegner darf sich nicht unbegründet zu Gedanken wie „als nächstes macht er vermutlich dieses oder jenes” verleiten lassen. Die Umwelt wach erfassend kann man möglichst alle vorhandenen Informationen nutzen, die helfen, mit dem Geschehen enstprechend der eigenen Möglichkeiten umzugehen.

 

Zanshin – dem Gegner Aufmerksamkeit schenken

Dieser Begriff stammt aus der japanischen Schwertkunst, wird aber auch im Karate oft benutzt. Die direkte Bedeutung ist „dem Gegner Aufmerksamkeit zu schenken.“ Zanshin ist ein Zustand größtmöglicher wahrnehmender und erkennender Aufmerksamkeit. Man ist umsichtig und sich seiner Umgebung und auch möglicher Gegner oder Gefahren bewusst und bereit, den Erfordernissen entsprechend zu agieren. Auf einen Gegner bezogen möchte man nicht nur dessen Haltung und Handlung sehen, sondern man möchte sich auch im Klaren sein, welche Möglichkeiten sich aus seiner sowie der eigenen Haltung oder Position ergeben. Man möchte in dem Moment bereit sein, in dem sich der Gegner für diese oder jene Handlung entscheidet und direkt angemessen reagieren können. Auch nach der Handlung sollte Zanshin aufrecht erhalten bleiben.

Yadome Jutsu wird die Kunst genannt, durch deren Training ein Schwerkämpfer die Abwehr anfliegender Pfeile übt. Dazu benutzte er sein Schwert und seinen Helm oder zwei Schwerter. Anfliegende Pfeile in ihrer Bedrohlichkeit einzuschätzen und die gefährlich werdenden Pfeile rechtzeitig abzuwehren, erfordert Zanshin in Perfektion.

Ohne Zanshin nicht vorbereitet. Jemand ohne Zanshin wird nicht spüren, wann ein Angriff unmittelbar bevorsteht oder beginnt. Die Informationen, wann und wie der Gegner wohl angreift, werden dann nicht frühest möglich verarbeitet werden. Wenn der gegnerische Angriff dann startet, wird man ohne Zanshin extra Zeit brauchen, um zu erkennen, was geschieht und zu entscheiden, wie man am besten entgegnet. Dieses Extra an Zeit ist bei einem Kampfbrginn ein echter Nachteil. Man ist darauf angewiesen, dass der Gegner bei seinem Angriff einen Fehler macht. Im schlimmsten Fall wird man vom gegnerischen Angriff völlig überrascht und überrumpelt. Dementsprechend sollte man diesen wachen Zustand trainieren, indem man ihn auch im Umgang mit Kata oder bei Partnerübungen vor, während und nach den Ausführungen einnimmt und aufrecht erhält. Am einfachsten läßt sich das durch ablenkende Gedanken unbeeinträchtigte Beobachten der Umgebung während einer körperlichen Ruhephase trainieren (Meditation).

Essenz der Kampfkunst – heil heimkehren

Die erste Katareihe, welche Karateka lernen, nennt sich „Pinan“ bzw. in moderneren Stilen „Heian“ Kata. Funakoshi musste aus oben geschilderten Gründen, viele idR. ursprünglich chinesische Begriffe in die japanische Sprache transferieren. Dabei änderten sich die ursprünglicheren Bedeutungen. So wurde aus „Pinan“ (chinesisch, bleibe sicher) eben „Heian“ (japanisch, friedvoller Geist). Die Philosophie hinter dem Begriff „Pinan“ hat jedoch größte Bedeutung für die Kampfkunst. Langfristige Gesunderhaltung von Körper und Geist lässt uns möglichst lange „heil“ heimkehren.
Kurzfristiger betrachtet, sollte man Zanshin immer bei sich haben. Abseits von aktuellen Situationen körperlicher Auseinandersetzung, hilft es Situationen zu vermeiden, aus denen sich ein Kampf oder allgemein ein Unglück entwickeln könnte. Die meisten Unglücke geschehen, weil Menschen sich fahrlässig in Gefahr begeben, mit allen möglichen Gedanken abgelenkt sind oder nicht mit Fehlern der anderen rechnen. Potentielle Gefahren werden nicht früh erkannt. Der Strassenverkehr ist ein Beispiel. Viele Unfälle könnten vermieden werden, wären die Menschen wacher für den Moment und ihre Mitmenschen unterwegs.

Stelle ich mich so neben einen Ampelmast, dass mich ein von der Fahrbahn abkommendes Auto an den Mast quetschen würde oder stelle ich mich an eine sicherere Stelle? Man kann trainieren, die Umgebung mit einem “wachen” Geisteszustand wahrzunehmen und lernen Gefahren zu spüren und instinktiv zu meiden, ohne das es in eine Paranoia ausartet. Dann ist man wach im Moment und auf natürliche Weise sicherer unterwegs und ist sich im Klaren, was passieren würde, wenn der andere einen Fehler macht, also unaufmerksam ist. All das ist Teil der Kampfkunst, denn es geht immer darum, heil nach Hause zurück zu kehren.

 

Hoshin

Hand in Hand mit Zanshin geht das “Hoshin”. Es gibt Kata wie die Pinan Nidan (Heian Shodan), die sich sehr ausgiebig mit Gegnern beschäftigen, die direkt von hinten in den Rücken angreifen. Hier darf man nicht den eigenen Geist auf den aktuellen Gegner, den man gerade nach angegriffen hat beschäftigen, sondern muß ein Gespür für das, was sich hinter der eigenen Person abspielt entwickeln. Es gilt, sich Methoden anzueignen, wie man sich direkt, ohne die geringste Verzögerung nach 180 hinten umorientieren kann.

Es wird oft gesagt, nicht zu kämpfen und dennoch nicht zu verlieren, sollte das höchste Ziel des Kampfkünstlers sein. Die sicherste Form der Selbstverteidigung ist, nicht (mehr) da zu sein, wenn der Angriff kommt oder einen Konflikt gar nicht erst zustande kommen zu lassen. Zanshin hilft auch, Gefahren frühzeitig zu erkennen, vorgewarnt zu sein und sie möglicherweise gänzlich umgehen zu können. So gibt es Menschen, die eine Gefahr schon vorauszuahnen scheinen, obwohl andere Menschen zur selben Zeit nicht den Hauch einer Gefahr spüren. Erstere Menschen reagieren im kritischen Moment dann sehr viel angemessener als die anderen und werden nicht so leicht überrascht. Sie hatten ihr Umfeld einfach besser und umfangreicher wahrgenommen als andere. Eine Art 6. Sinn kann sich vielleicht als höheres Ganzes ausbilden, wenn man alle 5 natürlichen Sinne umfassend nutzt und einen klaren Kopf bewahrt.

Absichtsloses Handeln. Wenn jemand etwas nach einer Person wirft und diese ohne jeden Gedanken diesen Gegenstand fängt oder reflexartig ausweicht, dann hat diese Person “absichtslos gehandelt”. Die Handlung geschah nicht vom Bewusstsein gesteuert oder durch dieses initiiert. Die Handlung umging den Weg des Bewusstseins und kam daher natürlich und sehr schnell. Erst danach wird man sich meist bewusst, dass man gerade sehr schnell auf etwas Unvorhergesehenes reagiert hat. Weil sie “Zanshin” hatte, hat die Person den auf sich zu fliegenden Gegenstand erkannt, weil sie “Mushin” hatte, konnte sie dem Gegenstand „einfach” fangen oder ausweichen. Die Person hat eigentlich nur das „Selbstverständliche” getan.

 

Karate wird spontan. Absichtsvoll (bewusst) eingesetzte Kraft offenbart dem Anderen das Ziel oder die Intention der Aktion. Das ist für trainierte Menschen genauso leicht zu lesen wie das Ausholen, was die Absicht eines Schlages verrät. Ist man ohne eigentliches Wollen und kommen die Aktionen spontan, erkennt der Gegner im Idealfall keine Zielsetzung oder Absicht. Spontane Aktionen lassen sich vom Gegner viel schlechter einordnen als solche, für die man sich vorher schon bewusst entschieden hat. Für den Samurai war es eine der grössten Herausforderungen, die “einfache” Bewegung des Ergreifens des Schwertgriffs gefolgt vom Schnitt derart absichtslos erscheinen zu lassen, dass diese erste Bewegung für das “Opfer” nicht bedrohlich erschien und es die Gefahr zu spät erkannte. Es ist bereits schwer, diesen Zustand beim Ausführen einer Kata zu erreichen, also ohne reale Bedrohung.  Noch viel schwieriger wird es aber, diese Fähigkeit dann auch im Kampf zu nutzen. Prinzipien wie das “absichtslose Handeln” und das “Wach sein im Jetzt” liegen auch dem Zen-Buddhismus zugrunde, aus diesem Zusammenhang rühren bekannte Zitate wie “Karate und Zen sind eins” oder “Schwert und Zen sind eins”.

Oft taucht in diesem Zusammenhang die Frage auf “Soll man nun auf “alles” vorbereitet sein?” Im Grunde sollte man auf “Nichts” vorbereitet sein. Dann wird man auf alles direkt, spontan und flexibel reagieren können. Sich in einem nicht planbaren Kampfverlauf der jeweiligen Situation anpassen zu können, ohne dabei Nachdenken zu müssen und nur das Notwendige oder Selbstverständliche zu tun, ist ein Indikator für den Fortschritt in der Kampfkunst. Das Notwendige oder Selbstverständliche beschreibt dabei die Aktionen, die helfen.

“Oka“ ist ein japanischer Begriff, welcher für die Fähigkeit benutzt wird, sich aus einer Art Vogelperspektive in der momentanen Situation wahr zu nehmen. Man verlässt im Geiste die Situation (das Wirrwarr der eigenen Lage) und steht damit gewissermaßen über der Situation. Man könnte dazu auch „Beobachterauge“ sagen. Der Begriff stammt vom Go Spiel und heißt dort „okame-hachimoku“ genannt. Das Gesamtbild der Situation wird deutlicher. Eine ausgezeichnete Taktik für das gesamte Leben, wenn man sie beherrscht.

 

Zitate Gichin Funakoshi:

„Jemand, der die Leere Hand erlernt, muss einem Dinge reflektierenden klaren Spiegel oder einem Laute wiedergebenden leeren Tal gleich, das Innere seines Herzens frei bzw. leer machen, den eigenen Willen sowie schlechte Gedanken ablegen und ernsthaft das erforschen, was er empfängt. Das Schriftzeichen „Leer” der leeren Hand geht einmal hierauf zurück. Sein, das ist Leere. Leere, das ist Sein. Das Schriftzeichen „Leer” der leeren Hand geht ein anderes Mal hierauf zurück.”

“Jede Art von Unglück geschieht, weil der Mensch in der entsprechenden Situation nicht richtig konzentriert ist oder weil ihm die entscheidende Intuition fehlt, durch die er die Lage richtig einschätzen könnte. Durch die Übung des Karate kann man sich eine Haltung angewöhnen, in der man immer richtig konzentriert ist. Dies ist mehr oder weniger eine Sache der Übung, und jeder Mensch, der wirklich will, kann das lernen. Zuviel Denken und Grübeln über das Leben, über Verlorenes und über das, was hätte sein können, ist der schlimmste Feind für die Konzentration. Man sollte sich selbst betrachten und herausfinden, welches die wahren Ursachen für persönliche Fehlschläge jeder Art sind. Die Antwort liegt immer in einem selbst. Wenn man sicher sein will, daß alles mißlingt, braucht man nur immer unachtsam zu sein.”

„Wenn eine körperliche Auseinandersetzung unvermeidbar ist, zeige keine Absicht anzugreifen, lasse den Angreifer unvorsichtig werden. Genau in diesem Moment greife ihn an, die eigene Kraft gebündelt in eine Aktion auf empfindliche Körperstellen. Im Überraschungsmoment fliehe und suche Schutz oder Hilfe. Wie wichtig es ist, bei der einen Aktion gegen den Angreifer seine ganze Kraft einzusetzen und besonders genau zu treffen, kann nicht genug betont werden“

„Die Besonderheit des Karate liegt darin, daß Karate genau dann Karate ist, wenn man es nicht zum Wettkampf machen oder ökonomisieren kann. Das Wesen des Karate offenbart sich gerade dann, wenn man keine Schutzkleidung oder Wettbewerbe dafür schafft.“