Oshiro Karate Dojo Hamburg

Ein Ende einiger Covid Restriktionen ist absehbar. Wir beginnen sobald wie möglich mit Trainingseinheiten im Stadtpark und natürlich in unseren Hallen.

»Ichariba Choodee« (okin. “Treffen wir uns, so sind wir eine Familie”)
Open Dojo im Stadtpark:

In regelmäßigen Abständen werden wir Trainings im Stadtpark für alle interessierten Karateka anbieten. Wir werden ausgewählte Kata der Shorin Linie ausführlich und inklusive der Hintergründe und Anwendungen behandeln. Wir kündigen im voraus an, um welche Kata es sich jeweils drehen wird. So kommen wir zusammen, frei vom Stilrichtungsgedanken und leben ein Stück okinawanische Kultur in Hamburg. Schreibt mir bitte bei Interesse an weiteren Informationen eine Email.

Mit uns…

habt ihr die Gelegenheit, die Freude an der asiatischen Kampfkunst zu teilen und von ihren vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist zu profitieren. Wir trainieren Karate und dessen engen Verbündeten Kobudo. Karate und Kobudo zusammen ergeben den symbiotischen Weg dieser einst auf Okinawa entwickelten Kampfkunst. Kobudo ergänzt das Karate und Karate ergänzt das Kobudo, beide zusammen ergeben ein größeres Ganzes. Notwendiger Weise liegt die gleiche Motorik zugrunde. Manche für das Karate notwendigen, feinen muskulären Lernphasen, lassen sich mit einem Werkzeug wie dem Bo in der Hand, besser oder vielleicht überhaupt erst vollziehen. Gleichzeitig bietet das Schwingen der Waffen ein perfekt auf das Karate abgestimmtes Gewichts- und Koordinationstraining.

Unser Weg der Kampfkunst entspringt der bemerkenswert “gesunden” Kultur Okinawas. Die okinawanische Bevölkerung ist für ihre Vitalität und Langlebigkeit bekannt. Von jenem Gefühl ist auch ihre Kampfkunst beseelt, eben auch als vitalisierende und gesunderhaltende Bewegungsphilosophie. Hier liegt ein großer Unterschied zu rein auf Effektivität reduzierten Kampfsystemen. So effektiv die Techniken und Tricks für eine Kampfsituation sind, so wunderschön ist diese Bewegungskunst auch abseits des eigentlichen Kampfes. Mit ihrer Kampfkunst hinterließen uns die alten Meister ein unglaublich wertvolles Werk. Elemente der Kampfkunst lassen sich sogar in den traditionellen okinawanischen Volkstänzen finden und Elemente der Tänze finden sich in den Kata des Karate. Sogar Kinder und Frauen trainierten über das Erlernen der Tänze ganz automatisch Teile der Kampfkunst. Eine äusserst raffinierte Idee, die ich im Kapitel über die Geschichte des Karate beschreibe. Insgesamt bietet sich ein faszinierender Alltagsausgleich, welcher durch die Vielseitigkeit und Abwechslung des Trainings, viel Spaß an kämpferischer Bewegung bietet. Wie tief man in die Kunst einsteigt, ist vom persönlich verfügbaren Zeitrahmen abhängig.

Hält man Körper und Geist fit und geschmeidig, kann man sich bis ins hohe Alter an der kämpferischen Bewegung erfreuen. Angesichts der Belastungen und einseitigen Haltungen des modernen Alltags, sind die resultierenden positiven Wirkungen von großem Wert für unsere Gesundheit. Kampfkunsttraining ist bekannt dafür, einen ausgeglichenen, mentalen Zustand zu entwickeln. Im Alltag sind wir vielen Einflüssen ausgesetzt, die uns nachhaltig belasten können. Die Aggressionsforschung sagt, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen, solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern. Die Vielseitigkeit der Bewegungsmuster der Kampfkunst stellt einen wesentlichen Unterschied zu vielen eher einseitig belastenden oder monoton geprägten Sportarten dar. Zusammen mit Kräftigungs-, Dehn- und Koordinationsübungen entwickeln die für die Kampfkunst notwendige Konditionierung des Körpers. Wo man auch gerade ist, sogar alleine kann man einzelne Übungen, Sequenzen oder ganze Kata ausführen und einen spürbaren Reset vom Alltag vollziehen. Das funktioniert sowohl in einem Park, jedoch auch im Rahmen einer „Pinkelpause„ während der Arbeit. Hat man viel Platz, nutzt man ihn. Ist der Platz begrenzt, kann man andere Übungen ausführen. Karate schützt also auch gegen die nicht gewalttätigen Angriffe, Gefahren und Belastungen des modernen Lebens.

Karate umfasst nicht nur Block-, Stoß-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Ausweich-, Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit der Gelenke, der Koordinationsfähigkeit und der Muskulatur insgesamt.
Karateprinzipien richtig in Haltung und Bewegung integriert, machen stabil und leichtfüßig zugleich. Da die Prinzipien der Krafterzeugung nicht auf reiner Muskelkraft basieren, sind sie auch für Frauen sehr gut geeignet. Genutzt wird beispielsweise die stets wirkende Schwerkraft. Im Gegensatz zur geläufigen Idee, ist hierbei nicht das Beherrschen von Balance und Stabilität wesentlich, sondern das Beherrschen der Unbalance. Diese Beherrschung hilft uns, stets die Natur (Schwerkraft) für unsere Zwecke und gegen den Gegner zu nutzen. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht einen ebenen Hallenboden oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So trainieren wir nicht nur barfuß in Turnhallen, sondern auch beschuht im Freien.

Kobudo, die Waffen des Karate.

Das Kobudo ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate und bedeutet übersetzt   “alter Weg der Waffen”. Das Kobudo wurde leider auf dem Weg der Kampfkunst nach Japan in den Schatten gestellt bzw. gänzlich entfernt. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm). Wenn eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffenarten in der Tiefe zu studieren genügt bereits, um zusammen mit dem Karatetraining den gewünschten symbiotischen Effekt zu erzielen.
Auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) finden sich Techniken des Kobudo. Die dem Karate eigentümliche Art des Zurückziehens eines Arms während des Vorschnellens des anderen Arms (das Hiki Te) ist das wesentlichste Prinzip des Schlagens mit dem Bo. Erst wenn man am Bo zieht (Hiki Te) anstatt ihn zu drücken, beschleunigt er mit peitschenartiger Wucht. Der im Karate verbreitete Satz “Denke nicht an den vorstoßenden Arm, sondern an den sich zurückziehenden Arm” rührt daher. Hiki Te ist eine universell einsetzbare Bewegung. Hat man eine Waffe (wie Sai) im Gürtel stecken, greift die Hiki Te Hand automatisch die Waffe und setzt sie mit der nächsten Technik ein. Waffenlos betrachtet steckt hinter der Hiki Te Position der Grundsatz, dass man direkt und ohne den Arm zu heben zuschlagen können sollte.

Häufig wird “Kara” mit “leer” im Sinne von nichts in der Hand zu haben übersetzt. Daraus wird gefolgert, Karate und Waffen hätten nichts miteinander zu tun. Richtig übersetzt, bedeutet Karate „leerer Geist“. Die Übersetzung im Sinne von nichts in den Händen zu haben, ist eine sehr oberflächliche Interpretation des japanischen Schriftzeichens.
Nun sagen manche, es wäre sinnlos mit einem langen Stock zu trainieren, da man ihn im Alltag selten dabei hat. Diese Aussage spiegelt eine mangelnde Einsicht in die Struktur der Kampfkunst Okinawas wieder. Das Training der Waffen aktiviert bestimmte auch für das Karate benötigte und ansonsten schwer zu erreichende Muskelgruppen und macht die Gelenke stark und geschmeidig. Es stellt ein perfekt angepasstes (Geräte-) Krafttraining für das Karate dar. Viele Bo Techniken können 1:1 übernommen, im Karate als Stoß, Schlag, Block, Hebel, Befreiung oder Wurf eingesetzt werden. Hierbei wird der Bo durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt. Das Bewegungsmuster bleibt gleich. Trainiert man 20 Boschläge, so stärkt man sich gleichzeitig für 20 Fauststöße, Hebel- oder Wurftechniken. Die Idee in der Ruhe vor jeder Bo Bewegung ist, den Bo durch die plötzliche Beschleunigung der folgenden Technik zu zerbrechen. Ähnlich rapide lassen sich die Techniken dann auch einsetzen, wenn man statt eines Bo einen Arm oder den Körper des Gegners gegriffen hat. Ohne die Waffe als Hilfsmittel, könnte man ansonsten die Anwendungsmöglichkeiten des Karate nie mit vollem Einsatz trainieren. Man kann sagen, die Waffe erhält den Trainingspartner gesund und man kann die Anwendungen der Techniken mit voller Wucht trainieren. Die Anwendung an einem Partner muss dagegen stets dosiert werden um Verletzungen zu vermeiden. Das bewaffnete Ergänzungstraining zum Karate nennt sich “Kiguundo”. Eine raffinierte Symbiose, die aber leider nur in wenigen Karatestilen fortgeführt wurde. Mehr zum Thema Kobudo.
Im Falle des Karate der Shorin Linie, finden sich zusätzlich Analogien zur japanischen Schwertkunst. Auch wenn ich selber bereits lange Iaido trainiere, nehmen Karate und Kobudo als lebensbegleitendes Hobby bereits genügend Raum im Leben ein.

Faszination des „alten“ Karate.

Gruppentraining verändert das Karate

Die Kampfkunst Karate wird heute in allerlei verschiedenen Stilrichtungen in der ganzen Welt gelehrt und gelernt. Viele Stilrichtungen basieren auf vielfältigen Veränderungen und Stilisierungen, die im 20. Jhdt geschahen. Hintergründe der Veränderungen sind im wesentlichen der Übergang vom privaten Unterricht hin zu öffentlichen Vereinen oder dem Schulsport (1905) auf Okinawa und der einige Jahrzehnte später einsetzende Wettkampfgedanke sowie die Integration in den Militärdienst auf der Hauptinsel Japan.  Die weltweite Verbreitung wurde von Japan aus zunächst für das wettkampforientierte Karate voran getrieben. Kaum einem Karateka war bekannt, das ein ursprünglicheres Karate existiert und ein recht stark verändertes und kategorisiertes Karate vermittelt wurde. So standen bewusst oder unbewusst Wettkampfideen oftmals im Fokus des Trainings. Gleichzeitig wurden aber auch Botschaften wie “Im Karate geht es nicht um Sieg oder Niederlage…” übermittelt. Eine etwas konträre, globale Situation war geschaffen.

So kommen vielen Menschen Bilder laut schreiender und vor Anspannung bebender Athleten in den Kopf, wenn sie an Karate denken. Dazu beigetragen hat die Dominanz des siegorientierten Wettkampfes und der Eigenart großer Karateverbände, sich zwar die Publikmachung sämtlicher Karatestile auf die Fahnen zu schreiben, Titelseiten ihrer Magazine jedoch mit Wettkampfathleten in Siegerpose zu zieren. Das euphorische Feiern des siegreichen Wettkämpfers steht im Gegensatz zum oftmals an anderer Stelle hoch gehaltenen Grundsatz, wonach es im Karate nicht um Sieg oder Niederlage gehe, sondern um die Vervollkommnung des eigenen Charakters. Diese Gedanken sollen jedoch nicht die Bedeutung des Karate als Wettkampfsport für junge Menschen schmälern. Sie bedeuten keineswegs die Verdammung des Wettkampfes, er bringt vielen, vor allem jungen Menschen Freude. Bei dieser Form des Karate handelt es sich jedoch um einen eigenständigen Abkömmling des alten Karate, nicht um eine Weiterentwicklung. Das alte Karate ist eine Kampfkunst, weit entfernt von Show oder Wettkampf. Kampfsport als Wettkampfform und die alte Kampfkunst haben geradezu gegenteilige Ansätze. Im Wettkampf gibt es Regeln, ebenen Hallenboden, Gewichts- und Altersklassen, der 2. Platz ist des Feierns wert.
Es gilt Schnelligkeit gegen Schnelligkeit oder Kraft gegen Kraft zu testen entsprechend fairer Kampfklassen und Techniken. Dies sind Prinzipien des Wettkampfes, nicht der Überlebenskunst für jedes Alter und Geschlecht in gefährlichen Situationen. Bei einer im Wettkampf vorgeführten Kata zählen äußerlich sichtbare Kraft und heroisch anmutende Haltungen. Kampfrichter sollen das Geschehen sehen und bewerten können. Im Falle von Show-Vorführungen, soll sich das Auge des Zuschauers erfreuen. Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen, die bei der ursprünglichen Entwicklung des Karate im Mittelpunkt stand. Hier gibt es keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen. Jede noch so kleine Bewegung oder auch „nicht-Bewegung“ kann entscheidend sein. Nahezu alle Techniken zielen zu empfindlichen Körperregionen und wären im Wettkampf verboten. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen. Die Kraftentwicklung soll innerlich stattfinden, der Technik dennoch überraschende Effektivität verleihen. Lernten wir wettkampfbeeinflusst nur 2-3 Körperregionen (Kopf, Bauchmuskulatur) anzugreifen, dann nutzten wir 95% der Möglichkeiten, die uns die Kata anbieten überhaupt nicht. Wir müssen davon ausgehen, dass uns ein Angreifer an Gewichtsklasse und äusserer Kraft überlegen ist. Die Lage erscheint daher für uns zunächst aussichtslos. Ansonsten würden wir nicht in das Opferbild des Angreifers passen.
Aufgrund dieser zunächst unfairen Ausgangslage, sind wir darauf angewiesen, ausgetüftelte Tricks und feinste Körpermotorik einzusetzen. Diese sind im alten Karate und dessen Kata enthalten. So ist es das Wesen des alten Karate und seiner Kata uns zu schützen und aus der Gefahr zu bringen, sobald wir beginnen zu agieren. Daher wollen die Kata z.B. keine Haltung der Kampfbereitschaft (aka Boxerhaltung), welche dem anderen zwangsweise verraten würde, dass wir zur Gegenwehr bereit sind. Etliche immer wieder stattfindende Diskussionen über das Für und Wider der Karatetechnik sind eigentlich ab der Stelle überflüssig, wo man davon ausgeht, dass die Kontrahenten wissen, dass ein Kampf stattfinden wird. Die eigentliche Taktik des Karate ist es, in einer Notlage keine Kampfbereitschaft und keinen Kampfeswillen zu signalisieren. Dennoch ist man bereit, um mit allen Mitteln (auch verborgenen einfachen Waffen) und Bewegungstricks an- bzw. einzugreifen. Das alte Karate und dessen Kata kann man nicht aus der Wettkampfperspektive oder eines militärisch anmutenden Unterrichts verstehen oder anwenden. Natürlich muss der Körper selbst eine Abhärtung erfahren, will er robust und widerstandsfähig werden. Diese Härte sollte jedoch nicht zwangsläufig nach aussen sichtbar werden. Mindestens genauso wichtig ist die weiche und durchlässige Seite, welche geschmeidigste Bewegungen bis ins hohe Alter erlaubt. Obwohl die Ansätze des Wettkampfes und des alten Karate geradezu konträr sind, trainieren zahlreiche Karateka nach Maßstäben des Wettkampfes, ohne am Wettkampfgeschehen interessiert zu sein. Jedoch sollte man sich bewusst sein, wofür und in welcher Ausrichtung man trainieren möchte.

Kata – Bücher für Körper und Geist.

Kata stellen die Therorie des Karate in praktisch ausgeführte Formen gegossen dar. Karate und dessen Kata verknüpfen hoch effektive Strategien, Prinzipien und Techniken der Kampfkunst mit dem lebensfreudigen und energetischen Ausdruck des okinawanischen Tanzes. Körper und Geist werden durch die Vielfältigkeit der Bewegungen und des in praktische “Formen gepackten Wissens” in einer Tiefe angesprochen, wie es kein gewöhnlicher Sport, keine gewöhnliche Gymnastik zu leisten vermag. Kata stellen die auf praktische Weise zu erfahrende Theorie des Karate dar. Diese Methodik des Lernens ist es der östliche Weg dessen, wie wir uns im Westen theoretisches Wissen durch das Studieren von Büchern aneignen. Kata gehen dabei sofort über die Theorie hinaus, da in ihren Bewegungen ein imaginärer Gegner immer präsent ist. An diesem Gedanken muss sich die praktische Ausführung einer Kata messen lassen. Kata stellen somit einen aussergewöhnlichen Weg des Lernens dar – sofern sie nicht diesem ursprünglichen Sinn entfremdet wurden. Über das Medium Kata kann ein Bewusstsein für die eigenen Schwachstellen und deren Schutz in der Bewegung entstehen. Gleichermaßen können wir ein Gespür für das Erreichen der Schwachstellen des Angreifers entwickeln. So bewegt man sich entlang der Katabahnen, dem Enbusen. Das Enbusen spiegelt damit Ablauflinie aber auch den Gegner wieder. Technisch werden alle Körperpartien eingesetzt, um anzugreifen und kontrollieren. Der Fokus auf Armtechniken ist dabei nicht genug, Beine und Füße greifen gleichzeitig die Stellung des anderen an. Derart umfassend gedacht, entwickeln die Techniken der Kata viele Möglichkeiten, egal wie die Distanz zueinander gerade ist.
Die senkrechte Linie entlang der Körpermitte (Augen, Kiefer, Nase, Hals, Herz, Solar Plexus, Genitalbereich) besteht aus unseren empfindlichsten Körperpartien und wird Seichusen genannt. Karate tut mit jeder Haltung und Bewegung alles, um diese Linie im Stillstand aber auch in der Bewegung zu schützen – also dem sie dem Gegner nicht frontal und damit direkt zugänglich zu präsentieren. Werden diese Vitalpunkte direkt getroffen, ist eine empflindliche Trefferwirkung sicher. Viele andere Vitalpunkte, die in einer Trainingssituation gute Wirkung zeigen, sind bei einem unter Drogen oder einfach nur unter Adrenalin stehenden Gegner kaum mehr wirksam.

Block und Angriff sind eins

Karate lehrt uns den Zugang zu unserem und dem Körper des anderen zu beherrschen. Wir wollen, außer zum Zwecke der bewussten Täuschung, keine Lücke zu unseren Schwachstellen entblößen, in die der Angreifer direkt vordringen könnte. Das alte Karate kennt keinen Block-Konter Rhythmus. Kann man dem Angriff nicht anderweitig entgehen, muss dem Angreifer die Initiative sofort abgenommen und der Kampf beendet werden. Manchmal wird ein populäres Prinzip “Ikken Hissatsu” zu sehr darauf bezogen, in der Lage zu sein, mit einem Schlag “töten” zu können. Das führt dazu, dass der Fokus auf einen einzelnen Schlag übereuphorisiert wird. Dieser Gedanke geht auf den Schwertkampf zurück, jedoch ist die Idee für das Karate eher im Grundsatz “Mit einer Aktion den Kampf zu beenden” zu finden. Dies kann durchaus eine kurze Aneinanderreihung von Techniken sein, vom Schlag bis hin zum gleichzeitigen Eindringen in die Stellung des Gegners und des zu Boden bringens. Die alten Kata sind entsprechend voll mit eindringenden Aktionen und Prinzipien, welche dieses Eindringen für den sich Wehrenden so ungefährlich wie möglich, für den Aggressor jedoch so gefährlich wie möglich zu gestalten. Da die Kata für das unerfahrene Auge vieles verbergen und aufgrund der Umstände, ist beim Übergang des Karate vom privaten Unterricht hin zu öffentlichen Gruppen und dem Schulsport ein großer Teil ihres Wissens in Vergessenheit geraten. Die Technikvielfalt der Kata ist immens und beinhaltet Techniken und Bewegungsprinzipien für alle möglichen Formen des Entkommens bzw. der Beendigung einer Konfrontation. Jedoch sind die Kata, wenn sich auch komplex anmuten, nach einem minimalistischen Muster gestrickt. Dieses schafft eine große, situationsabhängige Flexibilität in der praktischen Anwendung der Techniken und beschränkt sie nicht auf eine einzige Anwendung. Die meisten Techniken finden in der Bewegung statt und nicht erst am Ende des Schrittes. Die Bewegungsdynamik ist im Körper verborgen, um dem Gegenüber möglichst wenig Informationen anzuzeigen.
Eine weitere, wesentliche Veränderung in Bezug auf die Techniken der Kata fand in der Moderne (Karate im Schulunterricht ab 1905 und später Verbot aggressiver Kampfkünste durch die USA) statt, woraufhin die Techniken der Kata ihre aggressive (sollen sie uns doch schützen) Natur verloren und eine Defensivierung erfuhren. Die Techniken wurden in vereinfachte Kategorisierungen eingeteilt. Viele Techniken bekamen Namen wie “Uke – Block” und wurden ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten beraubt, zu einem “Block” degradiert. Annahmen, das „Karate immer mit einem Block beginnen müsse und reines Blocktraining wesentlich sei“ hielten Einzug in das kollektive Karatebewusstsein. Gerade den reinen “Block” gab es im alten Karate jedoch nicht, da er keine sicheren Vorteile für den weiteren Kampfverlauf bringt. Die Kata als Basis warnt davor deutlich, denn in der Kata gehen wir in der Regel direkt oder in bestimmten Winkeln vor, nicht jedoch zurück. Die Erklärung ist der ursprünglich immer auch enthaltene Angriff. Eine rein defensive, womöglich auch noch im Rückwärtsgang stattfindende Aktion, bringt im Angesicht eines unausweichlichen und brutal beginnenden Aktes physischer Gewalt nur Nachteile mit sich. Ein Block führt dazu, dass der Angreifer seinen Angriff fortsetzen kann und der Blockende aufholen muss, um dem Angreifer die Initiative abringen zu können.

Beispiel Age Uke: Kein reiner Block. Kata gehen vor, der Ellbogen ebenso.

Darauf zu vertrauen, der Block würde so hart landen, dass ein adrenalingeladener Agressor auf die Fortsetzung seines Angriffs verzichtet, ist absurd und gefährlich. Verteidigungs- und Angriffsaspekt ergeben sich aus der gesamten Bewegung der Technik und nicht aus ihrer Endhaltung. Jede Aktion im (alten) Karate und in seinen Kata trägt einen Angriff in sich, der das Potential hat, dem Gegner die Angriffsinitiative sofort abzunehmen. Über die folgeträchtige und moderne Entscheidung, dass Karate mit einem Block beginnen müsse, schreibe ich hier (2. Regel Funakoshis “karate ni sente nashi”) mehr. Da das Karate in den Unterricht okinawanischer Schulen eingeführt wurde, noch bevor es zur Hauptinsel Japan gelangte, wurden bereits um 1905 deutliche Veränderungen des öffentlichen Karate eingeführt. Wer die ursprüngliche Idee von Seichusen und Enbusen zu beherrschen lernt, versteht den Kern des alten Karate, erkennt den Sinn der Kata und Haltungen und auch die dahinter stehende Lebensphilosophie. Enbusen, Seichusen und Kata.
Ein weiteres für das Karate charakteristische Merkmal ist die von der Hüftposition aus startende Faust. Es bedeutet, dass wir ohne Vorzeichen und bei Bedarf aus einer Haltung mit herabhängenden Armen einen Angriff starten wollen. Abgesehen von dieser wichtigen Bedeutung, gibt es viele weitere Gründe für die Faust auf Hüfthöhe, welche sich u.a. aus dem Kobudo bzw. dem Einsatz von Waffen ergeben.

Für das Training…

spielen Geschlecht und Alter keine Rolle. Jede/r kann in ihrem/ seinem persönlichen Rahmen profitieren. Unsere sympathische Gruppe lädt dazu ein. Die Mitglieder fördern und fordern sich gegenseitig. Ist euer Interesse geweckt, dann schnuppert einfach in eine der nächsten Trainingseinheiten kostenlos und ohne Voranmeldung hinein. Leih Bo stehen euch zur Verfügung. Anfänger oder Interessenten anderer Stilrichtungen sind stets willkommen. Erste Fortschritte sind schnell gemacht. Nach und nach entwickelt sich ein bewussteres Gefühl für Körper, Bewegung und Haltung. Verletzungen kamen bisher nicht vor! Auf Kontaktschläge zum Kopf wird im Gruppentraining verzichtet. Das Maß der Trefferwirkung wird ansonsten der körperlichen Kondition des Gegenübers angepasst, so dass eine allmähliche Abhärtung stattfinden kann. Kontaktmöglichkeit und Trainingzeiten. Wo man auch gerade ist, sogar alleine kann man einzelne Übungen, Sequenzen oder Kata ausführen und einen spürbaren Reset vom Alltag vollziehen. Das funktioniert sowohl in einem Park, jedoch auch im Rahmen einer „Pinkelpause„ während der Arbeit. Hat man viel Platz, nutzt man ihn. Ist der Platz begrenzt, kann man andere Übungen ausführen.