Okinawas Karate und Kobudo in Hamburg

Habt ihr Interesse, Karate und Kobudo in Hamburg zu erlernen oder interessiert ihr euch für Hintergrundinformationen? Willkommen!
Hier teile ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus intensiver theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit der traditionellen Kampfkunst Okinawas (ehemals Ryu Kyu – „Uchinadi“) abseits des Wettkampfsports. Im Unterricht gebe ich diese Erfahrungen im Rahmen des Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo weiter und werde dabei von weiteren Weggefährten unterstützt. Mehr zu uns und den Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschlan, findet ihr diesem Link folgend.

Ein bekannter Meister (Miyagi Chojun, 1888-1953, Gründer des Goju-Ryu Karate) schrieb Anfang des 20. Jh.: „Was ist Karate? Man trägt keine Waffe im Karate. Während friedlicher Zeiten trainiert es Körper und Geist. Gute Gesundheit und ein langes Leben sind die Folge. Aber auch in einer Auseinandersetzung wird man ohne zu zögern entsprechend antworten können.“
Seit ca 30 Jahren begeistere ich mich für den Weg der Kampfkünste, welche einst auf Okinawa entstanden. Die alte Form dieser Bewegungskunst ist ein umfassender, mental und körperlich wirksamer Weg der Gesunderhaltung sowie der Fitness, Flexibilität, Freude an kämpferischer Bewegung und natürlich der Wehrhaftigkeit. Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Verbindungen zum Zen können diesen Weg auf geistiger Ebene sowie als hilfreiche Lebensphilosophie ergänzen. Jeder hat im Leben sein(e) „Päckchen“ zu tragen. Glücklich und seinen Mitmenschen zum Vorteil ist der, der dies mit einer heiteren Gelassenheit tun kann. Persönlich interessiert mich der Zen/ Buddhismus ebenfalls bereits seit Jahrzehnten. Zur Kampfkunst gibt es Verbindungen.

Iaido beim HTBU

Zu meinem eigenen Karate und Kobudotraining gesellte sich vor einigen Jahren auch der Umgang mit dem Samuraischwert – Iaido, dessen Wurzeln auf der Hauptinsel Japan liegen. Angefangen habe ich 1981 mit dem Florettfechten. 1988 begann ich fasziniert von der vielseitigen Art der Körperbewegungen zu den moderneren Stilen des Karate. Nach ca 15 Jahren der intensiven Praxis interessierten mich die Hintergründe und Wurzeln des Karate immer mehr und ich begab mich aus diesem und weiteren Gründen auf eine langjährige Suche. Schließlich gelangte ich zu einem okinawanischen Lehrer (Shihan Toshihiro Oshiro, 9. Dan) und dessen langährigen Meisterschüler (Sensei R. Romero, 5. Dan), welcher in Deutschland unterrichtet. Zu viele Fragen um Technik und Prinzip des neuen wie des alten Karate blieben für meine Begriffe zuvor unbeantwortet. Zu viel schien verändert worden zu sein, ohne das sich dafür zufriedenstellende Begründungen finden ließen. Shihan Oshiro widmete sich bereits lange Zeit der Erforschung und Verbreitung der ursprünglichen Strategien und Methoden der okinawanischen Kampfkunst. Zu diesem Zwecke gründete er einen Verband. Nachdem ich bereits zuvor viele verschiedene Stile und Interpretationen und Lehrweisen erlebt hatte, war mir dieses Mal sofort klar, dass ich gefunden hatte, wonach ich suchte.
In Deutschland unterrichten mehrere Dojos entsprechend Shihan Oshiros fundierter Lehre. Ich freue mich darüber, selbst auch im Norden Deutschlands bereits mehrere Karatelehrer verschiedener Richtungen von der Bedeutung und Komplettheit dieses Weges überzeugt zu haben und diese nun bei mir trainieren und/ oder bereits eigene Dojos eröffneten.

Auf den Unterseiten der Webseite findet ihr detailiertere Informationen zu den auf der Hauptseite angesprochenen Themen. Auf der Hauptsseite reiße ich wesentliche Themen lediglich kurz an.

Okinawa ist die Hauptinsel einer lang gestreckten Inselkette im Pazifik und der Ursprungsort für das Karate und Kobudo (Geschichte).

Dienstags-Training in Hamburg ab 19:45 Uhr

Hier entwickelten sich neben einem Familienstil im Grunde lediglich zwei Richtungen des Karate, von denen ausgehend sich im 20. Jhdt. sehr viele weitere Stile bildeten. So kann heute jeder die Ausrichtung finden, die ihm am meisten liegt. An manche Richtungen gelangt man einfach und direkt, für andere muss man intensiver suchen.


Unser Training findet in Hamburg Barmbek im Rahmen des breitgefächerten Sportangebots des HTBU e.V. statt. Somit ist es jedem und jeder möglich, von den vielfältigen Vorteilen dieser vielseitigen kämpferischen und dennoch eleganten Bewegungsart zu profitieren. Anfänger/ -innen sowie bereits Praktizierende anderer Richtungen sind jederzeit willkommen. Dienstags trainieren alle zusammen, Sonntags beginnen wir mit dem Unterstufentraining auf welches das Oberstufentraining folgt.

 

Sich auf glattem Hallenboden bewegen zu können, ist nicht genug

Kobudo bedeutet ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate und bedeutet übersetzt   »alter Weg der Waffen«. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm, unkonisch). Im Idealfall beginnt man das Karate- und das Kobudotraining zum selben Zeitpunkt, da sich beides miteinander ergänzt. Wenn eine Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffenarten genügen, um zusammen mit dem Karatetraining einen symbiotischen Effekt zu erzielen, der Körperbeweglichkeit, Flexibilität und Muskelkraft optimal fördert. Auf persönlichen Wunsch kann man später auch die nebensächlicheren Kobudowaffen trainieren. Hierzu gehören z.B. die hölzernen Tonfa (Tuifa). Das Bo Training stellt neben der eigenen Kampfkunst auch eine Art Anwendungstraining für das Karate dar. Die im Karate zurückgezogene Faust (das Hiki-Te) ist eines der wesentlichsten Prinzipien des Botrainings. Erst wenn man am Bo zieht anstatt ihn zu drücken, beschleunigt er mit peitschenartiger Wucht. Viele Bo Techniken können unbewaffnet als Hebel oder Würfe eingesetzt werden, wobei der Bo durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt wird. Das Bewegunsmuster bleibt gleich.

Mittlerweile ist es leider nicht mehr üblich, Karate und Kobudo als die sich ergänzende Einheit zu trainieren, als die sie einst geschaffen wurden. Genau hierauf sind beide Kampfkünste jedoch ursprünglich ausgerichtet worden, wie man mit Leichtigkeit selbst an den modernen Kata des Karate noch erkennen kann. Hier sind weitere Informationen zur Entwicklung des Karate und Kobudo verlinkt.

Karate oder Kobudo? Es ist möglich, sich bei uns nur für Karate- oder nur für Kobudotraining zu entscheiden. Empfehlenswert ist es jedoch die Kombination beider Richtungen zu wählen. Dies entspricht der ursprünglichen Ausrichtung dieser Kampfkünste. Der Schwerpunkt im Yamanni-Ryu Kobudo liegt auf der Hauptwaffe Bo, dicht gefolgt von den Sai. Weiteres Waffentraining ist für ein tieferes Karateverständnis und zur Nutzung des symbiotischen Effektes des Karate und Kobudo nicht notwendig.

Bewusst entscheiden. Auf dieser Webseite findet ihr eine Fülle von Informationen über uns, jedoch auch über die verschiedenen Formen des Karate, die sich im 20. Jh. entwickelten. Sich eine Orientierung zu verschaffen ist wichtig, da man sich ansonsten schnell in einer wettkampforientierten Richtung wiederfindet, obwohl man gar nicht am Wettkampf interessiert ist. So trainieren heute viele Praktizierende (größtenteils unwissender Weise) ein wettkampforientiertes Karate, nehmen aber nie an Wettkämpfen teil. Die Technik- und Dynamikauslegungen und die Schwerpunkte des traditionellen und des wettkampfgeprägtem Karate haben sich jedoch sehr unterschiedlich entwickelt. Daher macht es einen großen Unterschied, welche Auslegung man trainiert. Die Unterschiede sind derart signifikant, daß die gemeinsamen Wurzeln teils kaum mehr zu erkennen sind. Kampfsport und Kampfkunst sind zwei ganz verschiedene paar Schuhe, haben sie doch Teils gegenteilige Ausgangspunkte.

Der Ansatz, die Wurzeln. Der Begriff „traditionell“ oder „alt“ ist ziemlich abgewetzt und natürlich können auch vergleisweise junge Richtungen, welche vor 40-60 Jahren entstanden, mit Fug und Recht diese Begriffe benutzen.
Daher eine kurze Erklärung, aufgrund welcher Basis auch ich mir die Benutzung dieser Worte erlaube.
Unser Ansatz der Kampfkunst führt uns als nicht wettkampforientierte und nicht wettkampfbeeinflusste Richtung an ein sich ergänzendes Karate und Kobudo als Bewegungs- und Selbstverteidigungskunst. Dieser Weg geht auf Tode Sakugawa und Sokon Matsumura zurück, welche um 1800 dem Karate der Shorin-Linie die Struktur verliehen. Im Gegensatz zu anderen Karaterichtungen, gelangen wir in sehr direkter Linie/ Tradition hin zu Sakugawas Lehre. Shihan Oshiro lernte dessen Kobudo-Stil in Form einer Familienweitergabe zu einer Zeit als selbst gut informierte Buchautoren das Wort „ausgestorben“ für diesen Stil gebrauchten. Technik und Prinzip wanderten also nicht durch viele zwangsweise verändernde Hände und wurden nie einem Gruppenunterricht entsprechend systemstisiert oder vereinfacht. Shihan Oshiro ermöglichte später wirklich Interessierten den Zugang zu dieser Lehre. Da Sakugawa auch dem Karate der Shorin-Ryu Linie die Gestalt gab und Karate sowie Kobudo ursprünglich eine Einheit bilden, konnte Shihan Oshiro einzigartige Rückschlüsse auf die alte Motorik des Karate ziehen. Er baute dabei auf der Lehre seiner okinawanischen Karatemeister (u.a. Nagamine Shoshin) auf. Darüber findet ihr hier detailiertere Informationen. Um diesen heute kaum mehr unterrichteten Weg lernen zu können, reisen wir selbst bis nach Okinawa (Bericht 2017).  Wir erhalten den Trainingskontakt mit unserem Lehrer ständig aufrecht, indem Shihan Oshiro (9. Dan) oft nach Deutschland eingeladen und für privates Training in Okinawa besucht wird. Es finden in Deutschland sowohl öffentliche Lehrgänge als auch privates Training statt. Mittlerweile gibt es bereits drei Gruppen im Norden Deutschlands (Hamburg, Stade, Lüneburg), deren Lehrer/ -innen ihren Weg einst bei uns in Hamburg begannen. Weitere Dojos sind über ganz Deutschland (rbkd-germany.de) verteilt. Über diesen gemeinsamen Verbund ist es möglich, einen Meister wie Shihan Oshiro mehrmals im Jahr einzuladen und es gelang uns, die notwendige Bindung und das Vertrauen aufzubauen, welche für die Weitergabe notwendig ist.

Der Verband. Der R.B.K.D wurde 1985 von Sensei Chogi Kishaba in Okinawa und Shihan Toshihiro Oshiro in den USA gegründet. Das Ziel dieser Organisation ist die Erforschung und Entwicklung des Okinawa-Karate und der Kobujutsu-Techniken, sowie die Propagierung der authentischen Tradition der Kampfkünste Okinawas, speziell der des Yamanni-Ryu.
Kishaba Chogi Sensei ist ein direkter Schüler von Chinen Masami (Begründer des Yamanni-Ryu). Masami Chinen lebte in Shuri und praktizierte Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Ryu Bojutsu.
Das R.B.K.D.-Lehrprogramm konzentriert sich auf die Waffen Okinawas mit dem Schwerpunkt auf Bo und Sai. Der grundlegende Stil des R.B.K.D. ist das Yamanni-Chinen Ryu Bojutsu. Die Absicht des R.B.K.D. ist, durch Übung der einzigartigen Beinarbeit und Körperdynamik des Yamanni-Ryu jedem Schüler das Verständnis für die okinawanischen Kampfkünste zu erleichtern.
Der R.B.K.D. ist offen für Neueinsteiger und Praktizierende aller Stile, die Interesse an den traditionellen Kampfkünsten Okinawas haben.
Die Fotogalerie gibt einen Eindruck über unsere Aktivitäten.

Leere Hand. Karate (Kara-Te) wird gern mit „Leere Hand“ übersetzt, wobei fälschlicherweise die Bedeutung „nichts in der Hand zu haben“ angenommen wird. Diese Interpretation führt in die Irre. In seinem Buch „Mein Weg“ schreibt Funakoshi Gichin, dass diese Zeichen den anzustrebenden, geistigen Zustand meinen, nämlich den Kopf frei zu machen von störenden Gedanken. Funakoshi war an der Übernahme des Zeichens „kara“ für „leer“ maßgeblich beteiligt. Zuvor wurde hauptsächlich das Zeichen für „China“ benutzt, welches auch „kara“ gesprochen werden kann. Neben vielen anderen Möglichkeiten, die Katatraining uns bietet, kann man sie entsprechend ausgeführt, als ein Mittel für eine „bewegte“ Meditation hernehmen. So lernt man, auch in der Bewegung Ruhe (vor den eigenen Gedanken) zu finden.

Geschichte, Karate wird öffentlich. Karate und Kobudo sind Kampfkünste, deren Entwicklung auf der japanischen Insel Okinawa stattfand. Die Kampfkünste wurden bis ins 20. Jh. hinein nicht öffentlich unterrichtet. Öffentlich wurde das Karate erstmals um 1900 unterrichtet. Aufgrund seines positiven Einflusses auf die Gesundheit und Fitness, fand dieser Unterricht bald Einzug in den Sportunterricht der okinawanischen Schulen.

Den Schulkindern wurde eine entschärfte Version des Karate gelehrt. Dieses umfasste Kata der Pinan Reihe („Heian“ im modernen Karate). Um die Pinan Kata Serie zu erschaffen, bediente man sich Techniksequenzen der fortgeschrittenen Kata. Initiator dafür war Itosu Anko. Japanischen Militärärzten stach bald die überdurchschnittlich gute körperliche Konstitution Karatepraktizierender Okinawas ins Auge. So kam das Karate auch auf der Hauptinsel Japan ins Gespräch. Langsam wurde es auch für Erwachsene einfacher, Lehrer zu finden, die das Karate weitergaben. Ab ca. 1922 verbreitete sich das Karate durch Funakoshi Gichin und kurz darauf auch durch Mabuni Kenwa  auf der Hauptinsel Japans und von dort über die ganze Welt.

Die Karategruppen wurden ab ca 1922 stetig größer, die wachsende Lehrerzahl brachte immer vielfältigere Eigeninterpretationen oder Vereinfachungen der ursprünglichen Kunst und damit eine Verwässerung hervor.

Funakoshi Gichin

Funakoshi Gichin, auch „Vater des modernen Karate“ genannt, versuchte die beiden Richtungen des okinawansichen Karate zu einer Richtung umzugestalten. Der um 1950 beginnende Wettkampfeinfluss  erschuf schließlich gänzlich neue, ebenfalls spannende Richtungen des Karate. Er veränderte jedoch die alten Schwerpunkte und die Techniken und die Kampfkunst wurde zum Kampfsport, später kam auch eine Art Musik-Gymnastikrichtung hinzu. Die Bedeutung der Katatechniken, ihre motorischen Grundlagen und ihre Anwendungsvielfalt gerieten in Vergessenheit. Derart beeinflusste Kata bestechen durch Kraftausdruck und Geschwindigkeit das Auge des Zuschauers und des Kampfrichters, jedoch weiß der Ausführende oftmals kaum um die Hintergründe dessen, was er gerade tut. Im Gegensatz zum wettkampfnotwendigen, kraftvollen Ausdruck, lebt das alte Karate durch eine ausgefeilte innere Dynamik, welche Krafterzeugung vor dem Auge des Gegners (oder Kampfrichters) verborgen hält. Dies führt zu Überraschungseffekten und unerwartet effektiven Kontakt. List und Überraschungseffekt werden benötigt, da abseits des Wettkampfes keine Regeln oder Gewichtsklassen gelten. Geht es um den Wettkampf, ist dies nicht notwendig, im Gegenteil, der Kampfrichter muss sehen, was passiert. Hier kommen wir jedoch wieder an den Punkt, an dem man sich überlegen muß, ob man aufgrund von eigenen Wettkampfaktivitäten trainiert oder nicht. An mehr Informationen zur Geschichte gelangt ihr hier, mehr zu den Vätern des modernen Karate und dessen weitere Entwicklung gibt es hier.

Problem des Modernen. Die einstige Kunst wurde teilweise so stark verändert, dass wesentliche (Bewegungs-)Prinzipien zusammen mit dem Wissen um die Formen (Kata) und Techniken verschwanden. Zunächst der um 1900 beginnende Unterricht größerer und öffentlicher Gruppen sowie an Schulen. Einige Jahrzehnte später der Wettkampfeinfluß und die Anpassung einer Kampfkunst an sportliche Regeln. Dazu ein Verbot aggressiver Kampfkünste nach dem Krieg. Immer unklarer wurde, was ursprünglich war, was vereinfacht, verändert, abgekürzt oder dem Wettkampf angepasst war. Viele Hintergründe zu Technik und Prinzip des Karate sind seither so gut vergraben, das sie kaum noch aufzuspüren sind, geschweige denn unterrichtet werden.
In der Folge waren viele Ausübende, Schüler wie Lehrer, auf eigene Interpretationen angewiesen, wollten sie abseits der Wettkampfanforderungen praktikable Hintergründe in die Techniken einfließen lassen.
Dennoch schimmern die alten Prinzipien auch in den moderneren Kata und Grundtechniken noch durch.

Training auf unebenen Boden

Die Hoffnung doch noch tiefer in die ausgetüfftelte Struktur des alten Karate als Kampfkunst eintauchen zu können und die Erkenntnis der Problematik des modernen Karate führte auf die Suche, nach einem Lehrer, der begeistern kann, mit seinem Wissen und seinen Erklärungen. Ich verschlang viele Bücher und Videos, jedoch gaben sie in der Mehrzahl bestenfalls Hinweise mit Deutungsspielraum, ohne anleitungstechnische Relevanz. Alte Versionen bestimmter Kata wurden zwar gezeigt, aber es schimmerte durch, das der Ausführende vermutlich nur die äußere Hülle der Kata zeigt, ohne in den tieferen Dynamiken trainiert zu sein. Nach ca 5 Jahren der Orientierung hin zu den verschiedenen Stilen, welche in Deutschland angeboten werden, stieß ich auf Roberto Romero (5. Dan), Schüler von Shihan Toshishiro Oshiro (9.Dan). Es stellte sich heraus, dass dies nach ca 25 Jahren des Praktizierens modernerer Stile eine Abkehr von eben diesen bedeutete und einem Neuanfang gleich kam. Direkt und klar zu spüren, man ist nach einiger Suche angekommen, ist ein unbeschreibliches Gefühl, welches den nötigen „Arbeitsaufwand“ in ein sehr positives Gefühl verwandelt. An mehr Informationen über unsere Lehrer und uns gelangt ihr hier .

Shihan Toshihiro Oshiro (9. Dan) mit Sai

Die Lehrer der „Oshiro-Dojos“ in Deutschland haben sich, so wie unser Großmeister Shihan Oshiro es selbst schon jahrzehntelang tut, der Erforschung und Verbreitung der alten und ausgefeilten Technik und Motorik des Shorin-Ryu-Karate verschrieben. Neben dem Shorin-Ryu entwickelte sich im Grunde nur eine zweite, ebenfalls sehr effektive Karatelinie auf Okinawa, sie wird Shorei-Ryu genannt. Aus diesen beiden Richtungen entwickelten sich die vielen heute bekannten Karatestile und -arten. Shihan Oshiro hatte das Glück, vom letzten Lehrer des Yamanni-Ryu und als einziger Langzeitschüler in diese eng mit dem Karate verbundene Kampfkunst eingeweiht zu werden.  Interessante Interviews mit Shihan Oshiro sind hier.

Kampfkunst vs. Kampfsport. Das »alte Karate« orientiert(e) sich nicht am Wettkampf, da dieser sich in geradezu konträrer Weise vom ursprünglichen Gedanken der Kampfkunst unterscheidet. Im Wettkampf gibt es Regeln, Gewichts- und Altersklassen, man muss äußerlich sichtbare Kraft und Dynamik sowie faire oder festgelegte Treffer zeigen, damit Kampfrichter das Geschehen bewerten können oder sich das Auge der Zuschauer erfreut.

 

 

 

 

 

Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen, also innerlich stattfinden zu lassen, sie dennoch in die Technik einzubringen. In der Bewegung muß man die eigenen körperlichen Schwachstellen schützen, egal on man sich defensiv oder offensiv bewegt. Eine reine defensive Bewegung darf es nicht geben, da sie keine Vorteile bringt, auch in jeder defensiven Bewegung muß eine Art Offensive stecken. Es gilt schließlich, die Auseinandersetzung schnell und möglichst sicher zu beenden. Im Gegensatz zum modernen Karate, gibt es daher keine Techniken, die als reine Abwehr eingesetzt werden, um danach erst den Konter zu setzen.

Vielseitiger Einsatz der Techniken. Das „alte“ Karate soll in nahezu jeder Situation anwendbar sein, in der Bewegung größt möglichen Selbstschutz bieten und effektive Techniken für nahezu jede Situation antrainieren. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke wie Finger- oder Zehengelenke ein. Wenn sich alle Gelenke einig sind, werden auch klein ausgeführte Bewegungen sehr effektiv. Dieses Training bedeutet ein intensives Feintuning des Einsatzes und der Ausrichtung aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Da es nicht auf reiner Muskelkraft basiert, ist es auch für Frauen sehr gut geeignet, um effektive Bewegungen und Techniken ausführen zu können. Zudem ist die Kampfkunst ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten.

Den Körper verändern. Wesentliches Ziel des Trainings ist es, einen Körper und ein Körpergefühl zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigen. Mehr dazu hier. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So dürfen wir nicht nur barfuß in Turnhallen trainieren, sondern müssen auch mit verschiedenstem Schuhwerk besattelt im Freien trainieren.


Karate und Kobudo sind eins.
Sehr viele Techniken, Prinzipien sowie die Motorik des Karate entstammen den bewaffneten Kampfkünsten. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen als Schlag, Stoß, Hebel oder Wurf wirksam einsetzen zu können. Das Training der Waffen unterstützt also gleichsam einer Art Gerätetraining die Anwendung der Karatetechniken. Eine raffiniert ausgetüfftelte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider so nicht in den weltweit am verbreitetsten Karatearten fortgeführt wurde. Karateprinzipien richtig eingesetzt, wirken automatisch gegen Hebel oder Greifversuche des Gegners, der eigene Körper wird schwer zu hebeln oder zu werfen.

Kobudotechniken in Karate Kata. Karate wird zwar unbewaffnet ausgeführt, ist traditionell jedoch mit dem Kobudo verknüpft. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Techniken des Kobudo vor. Der Bo war die favorisierte Trainings»waffe« der Meister, die auch dem Shorin-Ryu Karate einst die Form gegeben haben. Der geschickte Umgang mit dem starren Bo erfordert einen flexiblen Körper, ebenso wie das Shorin-Ryu Karate. Die dem Karate zugrunde liegenden Bewegungen sind sehr universell einsetzbar. Insbesondere sind sie auf das Kobudo abgestimmt und ohne wesentliche Änderungen übertragbar. Diese Kombination spiegelt die okinawische Kampfkunst wieder, deren einer Teil (Karate) mittlerweile in der ganzen Welt bekannt ist. Die Abspaltung des Karate vom Kobudo ergab sich erst in der Moderne ab ca 1920.

Karate und Kobudo als Einheit trainiert, ergänzen sich erst zu diesem faszinierenden Weg der Körper- und Kampfkunst, welcher bis ins hohe Alter gegangen werden kann. Die Waffen ermöglichen ein fundiertes Verständnis der Karatetechniken und entwickeln einen flexiblen und kräftigen Körper. Durch das Training erweitert sich das persönliche Gesundheits- und Verteidigungspotential enorm. Hinter den Techniken und Haltungen verbirgt sich eine ausgeklügelte Bewegungsdynamik. Diese Dynamik findet im Körper statt und spiegelt sich nach aussen wieder, gibt Haltung und Kata das Aussehen.

„Wanshu“ – Nicht nur die alten Kata enthalten Wurftechniken

Kata – Bücher der Gesten. In alter Zeit verzichtete man aus verschiedenen Gründen auf das Niederschreiben von Techniken und Prinzipien. Man bediente sich eines sehr viel praktikableren Modells, welches Praxis und Theorie in perfekter Art und Weise verbinden kann – die Kata. Es sind nahtlos aneinandergereihte Techniksequenzen, Wendungen und Schrittfolgen. Alles in einer Kata hat nicht nur einen Sinn, sondern gleich mehrere Bedeutungen. Das verlorene Wissen um die Theorie hinter den Kata war einer der großen Verluste, die uns damals nach Jahrzehntes des aktiven Sportkaratebetreibens haben auf die Suche gehen lassen. Sie beinhalten Technik und Strategie des Karate und können mit einer Art Handbuch verglichen werden. In ihnen wurde das alte Wissen gut verpackt, wenig wurde tatsächlich aufgeschrieben. Wissen und Erfahrungen auf praktische Art und Weise in Form von Tänzen oder Choreographien weiter zu geben, ist eine Methode, die wahrscheinlich fast so alt ist, wie die Menschheit selbst. Sie bildet ein bewährtes Mittel, welches teils unterschwellig selbst heute noch in fast allen Kulturen verbeitet ist.
Kata können einen in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag zu unserem Leben insgesamt leisten, kann man sich doch überall mit ihnen beschäftigen, egal ob drinnen oder draussen, alleine oder in einer Gruppe, mit oder ohne Kobudo-Waffen.

Oberflächlich unterrichtet oder trainiert kann man jedoch nur wenig aus den Kata ziehen, da sie in diesem Fall zu einer mehr oder weniger athletischen Sportübung wird. Die angewandten Bewegungsprinzipien einer Kata sollten nicht sehr von den im freien Kampf benötigten Bewegungsmustern abweichen. Sie sollte leicht und natürlich sein, ohne unnötige Anspannung, sich aber dennoch durch technische Effektivität auszeichnen. Arm- und Beinbewegungen sollten eng mit der Arbeit des Oberkörpers, beispielsweise dessen Ausdehnen und Zusammenziehen verbunden sein und möglichst »verborgen« ausgeführt werden. Dieses Grundprinzip steht im Gegensatz zum modernen Wettkampfkarate, wo gerade Arm- und Beinbewegungen für die bewertenden Kampfrichter gut sichtbar ausgeführt werden müssen. Ein großer Teil der Katabewegungen besteht aus Mitteldistanz- und Nahkampftechniken, deren Anwendungsmöglichkeiten aufgrund der Distanzvergrößerung des modernen Freikampfes, dem »Randori« oder »Kumite« nahzu völlig verloren gingen. So entwickelten sich in wettkampfgeprägten Stilen Kampf und Kata weit auseinander zu eigenständigen Dispziplinen des Wettkampfes und verloren ihre Einheit. Mehr zum Thema Kata ist hier zu entdecken. Welche Kata wir trainieren, seht ihr hier für das Karate und hier für das Kobudo.

 


Kihon, Kata, Kumite, Bunkai.
Neben den Kata gibt es eine Vielzahl von weiteren Trainingsarten. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit von Gelenken sowie der Koordinationsfähigkeit und Muskulatur. Das Training der Kobudowaffen wirkt dabei, wie ein perfekt angepasstes Gerätetraining. Wir lernen unseren Körper besser kennen und Muskelgruppen, Gelenke und Knochen gezielt einzusetzen. Die antrainierten Prinzipien gehen auf positive Weise auch in das alltägliche Körpergefühl über. Mehr Informationen zu den Trainingsgrundlagen befinden sich hier.

 

Training im Park

Einfach mitmachen, Trainigskalender. Wir trainieren nicht nur in Hallen sondern auch im Freien, um diese positive Erfahrung unseren Schülern von Anfang an nahe zu bringen und sie zu motivieren, diese Praxis in ihr Leben zu integrieren. Denn draussen auf unebenen und unterschiedlichen Bodenarten muss man eine gute Fussarbeit entwickeln, um sich ähnlich fliessend und sicher wie auf Turnhallenboden bewegen zu können.

Kostenloses Probetraining ist jederzeit und ohne Anmeldung möglich. Als Sparte der HTBU in Hamburg-Barmbek können wir das Training zu einem günstigen Mitgliedsbeitrag von ca 17€ monatlich anbieten. Es besteht auch die Möglichkeit, »nur« an den Karate- bzw. Kobudoeinheiten teil zu nehmen, falls euch beides zusammen als zu viel auf einmal erscheint. Ansonsten werden Anfänger zunächst neben dem Karate zunächst nur mit dem Bo beschäftigt. Wenn sie mit dem Bo vetraut werden, geht es an die Sai und noch später auf Wunsch auch an die Tonfa (Tuifa). Klickt hier für den Trainingskalender sowie weitere Informationen über uns.

Bei Fragen, sprecht uns an und nutzt das »Kontaktformular«
Mehr zu Verein, Trainingszeiten und uns hier: »Verein«

In unserer Gruppe lernen wir voneinander und miteinander. Jeder übt im Rahmen seiner körperlichen Fähigkeiten und seiner verfügbaren Trainingszeit. Jeder ist aufgerufen, dem anderen weiter zu helfen. Konkurrenzkampf gibt es nicht, wir wachsen miteinander und unterstützen uns beim Vorwärtskommen. Durch das regelmäßige Training entwickelt sich bald ein natürliches Gefühl, wie man Körper und Technik effektiv einsetzt. Das Training integriert sich spürbar in den Alltag. Im Kobudo genügt zunächst das Training mit dem Langstock »Bo«.
Später kommen auf Wunsch auch noch Sai und Tunfa (Tuifa) dazu.


Kampfkunst und Gesundheit
. Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern.

Angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung und dauerhafte Erhaltung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbarem Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und gegebenenfalls neu auszurichten. So können wir unsere innere Körperarbeit und Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Übungen aus den Breichen Yoga und Qi Gong setzen wir ebenfalls ein.

Ganz gleich, ob es nun darum geht, nach einem hektischen Tag wieder runter zu kommen oder um beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit auszugleichen. Das alte und durchdachte Wissen fernöstlicher Kampfkunst kann zur ganzkörperlichen Gesunderhaltung und der Steigerung des eigenen Potentials hervorragend genutzt werden. Es ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln.
Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten oder ablenken können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern.