Willkommen im hamburger Dojo für okinawanisches Shorin Ryu Karate und Yamanni Chinen Ryu Kobudo!

 

Karate in Hamburg lernen. Bei uns habt ihr die seltene Gelegenheit, die unbewaffneten und die bewaffneten Kampfmethoden Okinawas als zusammen gehörende Elemente einer Kampfkunst zu lernen. Als Einheit trainiert, bilden Karate und Kobudo einen traditionellen und ganzheitlichen Weg der Kampf- und Bewegungskunst, welcher der ursprünglichen, synergetischen Verbindung dieser beiden Künste entspricht.
Dabei orientieren wir uns an der Kampfkunst, wie sie auf Okinawa ausgefeilt wurde und nicht auf modenere oder durch den Wettkampf beeinflusste Abwandlungen, welche erst im 20. jhdt auf der Hauptinsel Japan entstanden. Obwohl die Theorie und die Erforschung des heute noch erhaltenen schriftlichen Materials wichtig sind, liegt unser Schwerpunkt auf dem Praktizieren und Weitergeben der alten Kampfkunst. Ihre Geschichte mag alt sein, aber die ausgefeilte Bewegungsstrategie, die so anders ist, als wir es vom modernen Karate kennen, läßt uns das Feuer der Ursprünglichkeit spüren. Letzteres wird weiter gegeben, nicht die Asche der Vergangenheit. Dabei richten wir uns vorwiegend an diejenigen, die hinter der Kampfkunst mehr sehen, als nur eine normale Freizeitbeschäftigung, die dazu taugt, ab und zu mal ein bisschen zu schwitzen. Denn beim Training beschäftigen wir uns intensiv mit uns selbst.  Feinste motorische Fähigkeiten, Alltagsgefühl und Selbstwahrnemung werden sich bei ausreichend Zeit für die Ausübung und Spaß am Trainingserfolg entwickeln und grundlegend verändern.

Ziel der Kampfkunst ist es, sich und andere Menschen schützen zu können und gesund heim zu kehren. Um 1900 unterstrichen okinawanische Meister diesen wichtigen Aspekt, als sie eine für die Öffentlichkeit geschaffene Katareihe „Pinan“ (chinesisich für „bleibe sicher“) nannten. Später wurde diese Reihe für das auf der Hauptinsel Japans trainierte Karate in „Heian – friedvoller Geist“ umbenannt. Weitere Details sind hier:  „Väter des modernen Karate“.

Karate kann die Aufmerksamkeit für potentielle Gefahrensituationen schärfen, helfen sie zu meiden oder sich sicher zu positionieren. Prinzipien der Kampfkunst sollen in jeder Situation abrufbar sein. Über das Technische hinausgehend, sollte man in der Lage sein, das Gefahrenpotential verschiedenster Alltagssituationen erfühlen zu können. Dies erfordert wache Augen, einen geschärften und dennoch entspannten Geist. Anhand der vielfältigen Ausgangssituationen der Partnerübungen, lernt man die Möglichkeiten des Gegenübers kennen, welche sich aus seiner derzeitigen Distanz und Haltung ergeben.
So kann man sich rechtzeitig vorbereiten und Überraschungsmomente vermeiden, um möglichst ohne Verzögerung entsprechend zu reagieren, wann und wo es sein muss.
Den eigenen Körper zu beherrschen, seine Belastungsgrenzen und Möglichkeiten zu kennen, ist stets von Vorteil. Bis ins hohe Alter kann man mit Freude an der kämpferischen Bewegung trainieren und körperlich wie mental flexibel, gesund und achtsam bleiben. Karate wirkt also auch gegen die nicht körperlichen Angriffe, Gefahren und Belastungen des modernen Lebens schützend, gegen ihre negativen Wirkungen vorbeugend. Es entwickelt einen entspannten und ruhigen Geisteszustand, trotzdem man sich potentieller Gefahren bewusster wird. Man weiß, man hat sich so gut wie möglich vorbereitet. Siehe auch Kapitel „Zanshin und Mushin“. Diese hoch entwickelte Form der Bewegungskunst ist integraler Bestandteil einer Kultur, deren Bevölkerung zu der Langlebigsten überhaupt zählt. Die Okinawaner haben Elemente der Kampfkunst sogar in ihre traditionellen Volkstänze eingeflochten. Eine äusserst raffinierte Idee, die ich im Kapitel über die Geschichte des Karate beschreibe. 

Kampfkunst und Gesundheit. Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und fordern. Angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbaren Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Sport-Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und neu auszurichten. So können wir unsere innere und äussere Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Die Kampfkunst ist ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten.  Übungen aus Yoga und Qi Gong sfinden auch Einzug in das Training. Nach einem hektischen Tag kann man so wieder runter kommen und beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit ausgleichen. Kampfkunsttraining ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln. Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern. Das Training geht auf positive Weise in das alltägliche Körpergefühl über. Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle.

Karate war keine Show. Vielen Menschen kommen Bilder laut schreiender und vor Anspannung bebender Athleten in den Kopf, wenn sie an Karate denken. Hierbei handelt es sich jedoch um einen modernen Abkömmling des alten Karate. Das alte Karate ist eine Kampfkunst, weit entfernt von Show oder Wettkampf. Letztere suchen das Auge von Zuschauern zu beeindrucken oder müssen fair und von Kampfrichtern bewertbar sein.
Die hochentwickelte, okinawanische Kampfkunst dagegen, gibt ein grundlegend anderes äusseres Bild des Karate ab, als den Meisten, selbst als vielen Karatepraktizierenden bekannt ist. Schließlich geht es nicht um ein Kräftemessen, nicht darum, wer kräftiger oder schneller ist. Wir können davon ausgehen, dass uns ein Angreifer an Gewichtsklasse und äusserer Kraft überlegen ist. Die Lage erscheint daher für uns zunächst aussichtslos. Ansonsten würden wir nicht in das Opferbild des Angreifers passen. Aufgrund dieser zunächst unfairen Ausgangslage, sind wir darauf angewiesen, ausgetüftelte Tricks und Körpermotorik einzusetzen. Diese sind im alten Karate enthalten, jedoch fern aller Wettkampfregularien – ganz genau so wie die Situation, mit der wir uns konfrontiert sehen.
Im 20. jhdt entwickelten sich viele Sprösslinge aus dem ursprünglichen Karate und verbreiteten sich abgewandelt erfolgreich um die ganze Welt, siehe Väter des modernen Karate. Diese Sprösslinge unterlagen früh einer weiteren Umwandlung in ein wettkampftaugliches, modernes Sportkarate. Letzteres ist das am weitesten verbreitete, aber auch grundlegend veränderte Karate. Aus dem Shorin Ryu entsprang auch das Shotokan Karate. Es ist mittlerweile in diverse eigene Interpretationen aufgeteilt. Diese Aufteilung geschah durch die japanischen Meister, die aus der Mitte des 20. Jhdt stammen und im Alter eigene Ansätze in das „Basis“ Shotokan einbrachten (z.B. Shirai, Ochi, Kase, Kanazawa, Kawasoe usw.). Aufgrund der großflächigen Verbreitung der Shotokan Linien, beginnen die meisten Karateka ihren Weg hier.

 

Dojogründer Oliver

Bewusst entscheiden. Viele Karateka sind sich überhaupt nicht bewusst, dass sie  ein wettkampforientiertes Karate trainieren. Sie trainieren, ohne Technik, Kata und Prinzipien allzu sehr zu hinterfragen und ohne an Wettkämpfen teil zu nehmen. Ist das moderne, wettkampforientierte Karate durchaus eine beeindruckende und eigenständige Kunst, so dient sie realistisch betrachtet jedoch eher jüngeren Menschen. Auf dieser Webseite findet ihr eine Fülle von Informationen über uns, jedoch auch über die verschiedenen Formen des Karate, die sich im 20. Jh. entwickelten. Sich eine Orientierung zu verschaffen ist wichtig. Ansonsten findet man sich aufgrund des großen Angebots an wettkampfbeeinflussten Stilen idR. in einem solchen wieder, obwohl man gar nicht am Wettkampf interessiert ist. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Unklarheit bei den Trainierenden, auch die Trainer und Lehrer sind sich dessen manchmal nicht bewusst. Lernen wir wettkampfbeeinflusst nur 2-3 Körperregionen (Kopf, Bauchmuskulatur) anzugreifen, dann nutzen wir 95% der Möglichkeiten, die uns die Kata anbieten überhaupt nicht aus. Zudem ist die Bauchmuskulatur keine Schwachstelle. Oftmals wird die alte Kunst als „Vorläufer“ des modernen Karate bezeichnet. Solche Bezeichnungen bezeugen nur eines der vielen Missverständnisse, die sich im modernen Karate verbreitet haben. Denn das alte Karate existiert immer noch und wurde nicht abgelöst. Auch die alte Verbindung zum Kobudo besteht nach wie vor.

Kampfsport und Kampfkunst sind zwei verschiedene paar Schuhe, haben sie doch gegenteilige Ausgangspunkte. Im Wettkampf gibt es Regeln, glatten Hallenboden, Gewichts- und Altersklassen. Man muss äußerlich sichtbare Kraft, heroisch anmutende Haltungen, sowie faire Techniken zu beschränkten Trefferzonen zeigen. Kampfrichter müssen das Geschehen bewerten können oder im Falle von Show-Vorführungen soll sich das Auge des Zuschauers erfreuen. Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen, die bei der ursprünglichen Entwicklung des Karate im Mittelpunkt stand. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen, jede noch so kleine Bewegung oder auch „nicht-Bewegung“ ist wichtig. Nahezu alle Techniken zielen zu empfindlichen Körperregionen und wären im Wettkampf verboten. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen. Sie soll innerlich stattfinden (man sagt, sich innerhalb des Karateanzugs bewegen), der Technik dennoch überraschende Effektivität verleihen. In der Bewegung muß man die eigenen Schwachstellen schützen, wenig Blöße bieten, egal ob man sich defensiv oder offensiv bewegt. Mit einer ernsten Bedrohung konfrontiert, sollte reine defensive Bewegung vermieden werden (abgesehen von der Möglichkeit des Weglaufens), da sie nur Nachteile und Gefahren in sich birgt.

Eigentlich nur 2 Stile. Auf Okinawa bildeten sich vor 1900 im Grunde nur zwei Richtungen des Karate aus. Diese beiden Richtungen wurden bis ins feinste Detail entwickelt und bewust nicht zu einer Richtung vermischt. Sie werden als Shorei Ryu (Goju Ryu) und Shorin Ryu bezeichnet. Ich halte den Ansatz Funakoshis für logisch, wonach die eine Richtung eher für kräftig bis massiv gebaute Menschen und die andere Richtung eher für schlanke und beweglichere Menschen geeignet ist. So kann sich jeder unter Nutzung seines naturgegebenen Potentials ausbilden. Das Shorei Ryu setzt vielfältig geformte Gewichte ein, um den Körper optimal auf die Technikvielfalt vorzubereiten und zu stärken. Diese Gewichte sind teilweise so geformt, dass sie sogar Größe und Gewicht eines menschlichen Körpers simulieren. Ein fester und verwurzelter Stand wird trainiert.
Das Shorin Ryu dagegen benutzt das Training der Kobudowaffen zum einen für deren Kampfgebrauch, zum anderen für die Stärkung des Körpers und der Anwendung der Karatetechniken. Diese wichtige Symbiose des bewaffneten mit dem unbewaffneten Training wird „kiguundu“ genannt. Die Stände sollen dabei dynamisch stabil, jedoch nie verwurzelt sein. Ausgehend davon, das der Gegner mit Schnittwaffen angreifen kann, wird größter Wert auf abgedrehte Haltungen (Hamni) und flinke Beinarbeit gelegt.
Für die Shorin Stile und folgerichtig auch für die Stile, welche dem Shorin Ryu in der Moderne entsprangen, ist dieser in Vergessenheit geratene Aspekt von größter Bedeutung. Er liefert die Grundlagen für das Verständnis und die Ausführung der Karatetechniken und ihrer physikalischen Wirkungsweise. Unser Weg ist hierdurch gekennzeichnet, siehe auch Kobudo und Prinzipien des Karate. Das von uns unterrichtete Yamanni-Ryu gilt als der älteste Kobudostil und unser Lehrer Shihan Oshiro ist einer der wenigen Meister, der diesen lange Zeit nicht öffentlich unterrichteten Stil lehrt. Traditionell wird das Yamanni Ryu Kobudo mit dem Shorin Ryu Karate verknüpft trainiert.

Alte Schreibweise „Kara Te“

Das Kobudo wurde leider auf dem Weg der Kampfkunst nach Japan eher in den Schatten gestellt oder gänzlich abgekapselt. So ist heute kaum mehr bekannt, dass Karate und Kobudo einst als zwei zusammenspielende Teile eines Ganzen entwickelt wurden. Beides ist tief ineinandergreifend verbunden. Häufig wird „Kara“ mit „leer“ im Sinne von nichts in der Hand zu haben übersetzt. Diese Übersetzung verfehlt das Wesen dieses Zeichens jedoch. Mehr dazu und zu den Prinzipien und Strategien des „alten“ Karate und manchem weiteren Missverständnis erfahrt ihr „hier“.

Karate ist überaus vielseitig. In der Bewegung steht größt möglicher Selbstschutz im Mittelpunkt. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Stoß-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Ausweich-, Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke gezielt ein. Wenn sich alle Gelenke einig sind und einheitliche Kraftvektoren benutzen, dann werden auch klein oder kurz ausgeführte Bewegungen sehr effektiv und plötzliche Bewegungen möglich. Dieses Training bedarf eines intensiven Feintunings aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit der Gelenke, der Koordinationsfähigkeit und der Muskulatur.

Gleichzeitige Techniken zu verschiedenen Körperstellen, hier: 3 Kontaktpunkte

Karateprinzipien richtig in die Körperhaltung integriert, wirken bereits automatisch gegen bestimmte Hebel-/ Wurf- oder Greifversuche des Gegners. Stimmt die Ausrichtung des Körpers im Stand wie in der Bewegung, dann wird man automatisch schwer zu manipulieren sein. Da diese Prinzipien nicht auf reiner Muskelkraft basieren, sind sie auch für Frauen sehr gut geeignet. Genutzt wird beispielsweise für nahezu jede Technik die stets wirkende Schwerkraft.
Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So dürfen wir nicht nur barfuß in Turnhallen trainieren, sondern sollten auch beschuht im Freien trainieren. Mehr zu den Prinzipien, an denen sich unser Training, unsere Kata und unser Kihon und Kumite orientieren, findet ihr hier: Prinzipien des alten Karate.

Kobudo/ Kobujutsu ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate und bedeutet übersetzt   »alter Weg der Waffen«. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm). Im Idealfall beginnt man das Karate- und das Kobudotraining zum selben Zeitpunkt, da sich beides miteinander ergänzt. Wenn eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffenarten genügen, um zusammen mit dem Karatetraining einen symbiotischen Effekt zu erzielen. Körperbeweglichkeit, Flexibilität und Muskelkraft werden optimal fördert. Im Kapitel über das Kobudo gibt es mehr Informationen.
Das Training der Kobudowaffen hilft, ein fundiertes Verständnis und einen flexiblen und kräftigen Körper auch für die Karatetechniken zu entwickeln. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen einsetzen zu können. Das Training der Waffen ist also ein perfekt angepasstes Gerätetraining für das Karate. 
Die „alte“ und flexible (im Gegensatz zur modernen, fest geballten) Faust, mit der die Waffen gehalten werden, ist beispielsweise auch die Faust, welche wir für verschiedenste Karatetechniken verwenden. Wir machen die Faust nicht klein, sondern die Idee ist eine von innen nach aussen aufblähende Kraft in der Faust. Fast als würde man Platz für eine Waffe in der Faustmitte lassen. Der gefühlte Effekt beim Getroffenen ist ein anderer als der beim Getroffen werden mit einer zusammen geballten Faust, da Knöchel und Handgelenk eindringender eingesetzt werden können. Diese Faust lässt sich selbt auf kürzeste Distanzen oder bereits berührend überraschend eindringend einsetzen.

Karate und Kobudo
trainieren und teilen sich die gleichen motorischen Prinzipien. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Technikeigenschaften des Kobudo vor. Die dem Karate eigentümliche Art des Zurückziehens eines Arms während des Vorgehens des anderen Arms (das Hiki-Te) ist das wesentlichste Prinzip bei der fortgeschrittenen Version des Schlagens mit dem Bo. Erst wenn man am Bo zieht anstatt ihn zu drücken, beschleunigt er mit peitschenartiger Wucht. Der im Karate verbreitete Satz „Denke nicht an den vorstoßenden Arm, sondern an den sich zurückziehenden Arm“ rührt daher. Viele Bo Techniken können auch als unbewaffnete Karatetechnik als Stoß, Schlag, Block, Hebel, Antihebel oder Wurf eingesetzt werden, wobei der Bo durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt wird. Das Bewegungsmuster bleibt gleich. So stärkt man sich beim Ausführen von 100 Botechniken gleichzeitig auch 100 mal für Stöße, Würfe oder Hebel im Karate. Die Idee in der Ruhe vor jeder Bo Bewegung ist, den Bo durch die plötzliche Beschleunigung der folgenden Technik zu zerbrechen. Ähnlich rapide lassen sich die Techniken dann auch einsetzen, wenn man statt eines Bo einen Arm oder den Körper des Gegners gegriffen hat. Eine raffinierte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider nur in wenigen Karatestilen fortgeführt wurde.

Auf dieser Webseite und im Unterricht teile ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus intensiver theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit der traditionellen Kampfkunst Okinawas. Der theoretischen Erforschung aber vor allem der praktischen Weitergabe des alten Karate haben wir uns verschrieben. Im Unterricht geben meine Co-Instruktoren und ich diese Erfahrungen im Rahmen des Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo weiter. Mehr zu uns und den Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschland, findet ihr diesem Link folgend.
Über Deutschland verteilt unterrichten mehrere Dojos nach Shihan Oshiros fundierter Lehre. Ich freue mich darüber, im Norden Deutschlands bereits mehrere Karatelehrer verschiedener Richtungen von diesem Wege überzeugt zu haben. Diese trainieren bei mir und/ oder haben bereits eigene Dojos und Trainingsgruppen eröffnet.

Tradition als Ansatz.
Der Begriff „traditionell“ oder „alt“ ist ziemlich abgewetzt und natürlich können auch vergleichsweise junge Richtungen, welche vor 40-60 Jahren entstanden, mit Fug und Recht diese Begriffe benutzen. Was ist originär, alt oder traditionell? Funakoshi Gichin sagte: „Alt oder Neu, das ist nur eine Frage der Zeit“ und „Das Alte zu erforschen, heißt das Neue zu verstehen.“ Je mehr Informationen zum „Alten“ ich sammelte, umso mehr Missverständnisse und Lücken des „Modernen“ wurden offensichtlich.

Unser Weg geht auf Tode Sakugawa und Sokon Matsumura zurück, welche um 1800 dem Karate der Shorin-Linie die Struktur verliehen. Wir gelangen in sehr direkter Traditionslinie hin bis zu diesen Wurzeln. Shihan Oshiro lernte Sakugawas Kobudo-Stil in Tradition einer geradezu familiären Weitergabe (Chinen-Familie) zu einer Zeit als selbst gut informierte Buchautoren das Wort „ausgestorben“ für diese Linie gebrauchten. Ausgestorben ist sie jedoch niemals, sie wurde lediglich nicht öffentlich unterrichtet. Technik und Prinzip wanderten nicht durch viele zwangsweise verändernde Hände und wurden nie einem Gruppenunterricht entsprechend systemstisiert oder vereinfacht. Ebenso wurde innerhalb dieser familiär klein gehaltenen Weitergabe auch Shorin Ryu Karate unterrichtet. Dies wird durch Teruo Chinen bestätigt.

Shihan Oshiro ermöglicht Interessierten den Zugang zu dieser Lehre. Sakugawa gab auch dem Karate der Shorin Ryu Linie die Gestalt. Da Karate und Kobudo ursprünglich eine Einheit bildeten und Shorin Ryu auch innerhalb der Yamanni/ Chinen Familie weiter gegeben wurde, konnte Shihan Oshiro einzigartige Rückschlüsse auf die originäre Motorik des Karate ziehen. Shihan Oshiro lernte zunächst bei okinawanischen Karatemeistern wie Shoshin Nagamine oder Shima Sensei. Er stellte Überlegungen und Nachforschungen zum Karate an. Später gelangte er über Kishaba Chogi Sensei zum Yamanni Ryu. Darüber findet ihr hier detailiertere Informationen.

Um diesen heute kaum mehr unterrichteten Weg von ihm lernen zu können, reisen wir selbst bis nach Okinawa (Bericht 2017).  Wir erhalten den Trainingskontakt ständig aufrecht, indem Shihan Oshiro (9. Dan) oft nach Deutschland eingeladen und für privates Training in Okinawa besucht wird. Es finden in Deutschland sowohl öffentliche Lehrgänge als auch privates Training statt. Mittlerweile gibt es bereits drei Gruppen im Norden Deutschlands (Hamburg, Stade, Lüneburg), deren Lehrer/ -innen ihren Weg einst bei uns in Hamburg begannen. Weitere Dojos sind über ganz Deutschland (rbkd-germany.de) verteilt. Über diesen gemeinsamen Verbund ist es möglich, einen Meister wie Shihan Oshiro mehrmals im Jahr einzuladen und es gelang, die notwendige Bindung und das Vertrauen aufzubauen, welche für die Weitergabe notwendig sind. Interviews mit Shihan Oshiro sind hier zu finden.