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Bei uns könnt ihr die unbewaffneten und die leicht bewaffneten Kampfmethoden Okinawas als aufeinander aufbauende Einheiten trainieren. Zusammen vereinigen sich Karate und Kobudo zu jenem faszinierenden und ganzheitlichen Weg der traditionellen okinawanischen Kampfkunst. Der Karateteil wurde im Rahmen der Massenverbeitung favorisiert und verändert, das Kobudo wurde abgekapselt. So ist heute kaum mehr bekannt, dass Karate und Kobudo als zwei zusammenspielende Teile trainiert werden können, getrennt und doch tief ineinandergreifend verbunden. Häufig wird „Kara“ fälschlicher Weise mit „leer“ im Sinne von nichts in der Hand zu haben übersetzt. Weshalb es sich hierbei um ein Missverständnis handelt, erfahrt ihr „hier“.


Das Training der Kobudowaffen hilft, ein fundiertes Verständnis und einen flexiblen, kräftigen Körper für die Karatetechniken zu entwickeln. Dieser symbiotischen Effekt betrifft alle Muskeln und Gelenke des Körpers und erweitert das eigene Potential enorm.
Die „alte“ und höchst flexible (im Gegensatz zur fest geballten) Faust, mit der die Waffen gehalten werden, ist auch die Faust, welche wir für verschiedenste Karatetechniken verwenden.

Zwischen den Techniken und Haltungen verbirgt sich die ausgeklügelte Bewegungsdynamik traditioneller Kampfkunst. Anfänger ahmen Haltungen und Techniken zunächst äuserlich nach. Mit entsprechender Anleitung beginnt die Dynamik jedoch im Fortgeschrittenenstadium innerhalb des Körpers statt zu finden und spiegelt sich nach aussen wieder. So gibt sie auch den Kata ihr faszinierendes Erscheinungsbild und den Techniken geballte Effektivität.

Karate und vor allem der Bo (Langstock) teilen sich die gleichen motorischen Prinzipien. Die dem Karate eigentümliche Art des Zurückziehens eines Arms während des Vorgehens des anderen Arms (das Hiki-Te) ist z.B. das wesentlichste Prinzip beim Schlagen mit dem Bo im Yamanni Ryu Kobudo.

Diese alte und hoch entwickelte Form der Bewegungskunst ist wichtiger Bestandteil einer Kultur, deren Bevölkerung zu den Langlebigsten überhaupt zählt. Es ist ein umfassender, mental und körperlich wirksamer Weg der Gesunderhaltung sowie der Fitness, Flexibilität, Freude an kämpferischer Bewegung und natürlich der Wehrhaftigkeit. Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Kampfkunst ist kein Wettkampf. Letzterer ist eher für jüngere Menschen geeignet. Die Okinawaner haben Elemente der Kampfkunst sogar in ihre traditionellen Volkstänze eingeflochten. Eine äusserst raffinierte Idee, die ich in diesem Kapitel über die Geschichte des Karate beschreibe. 

Auf dieser Webseite teile ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus intensiver theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit der traditionellen Kampfkunst Okinawas. Im Unterricht geben meine Co-Instruktoren und ich diese Erfahrungen im Rahmen des Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo weiter. Mehr zu uns und den Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschland, findet ihr diesem Link folgend.

Seit ca 30 Jahren begeistere ich mich für den Weg des Kampfsports und der Kampfkünste. Zu meinem Karate und Kobudotraining gesellte sich vor einigen Jahren auch der Umgang mit dem Samuraischwert (Iaido), dessen Wurzeln auf der Hauptinsel Japan liegen. Angefangen habe ich im Alter von 7 Jahren 1981 mit dem Florettfechten. 1988 gelangte ich fasziniert von der vielseitigeren Art der Körperbewegungen und des kraftvollen Ausdrucks der Techniken zum Shotokan Karate. Ich erlangte den 2. Dan im Shotokan Karate. Nach ca 15 Jahren der intensiven Praxis interessierten mich die Hintergründe und Wurzeln des Karate immer mehr. Aus diesem und weiteren Gründen begab ich mich auf eine langjährige Suche während der ich viele Stile paralell trainierte. Zu viele Fragen um Technik und Prinzip des neuen wie des alten Karate blieben für meine Begriffe unbeantwortet. Zu viel schien verändert worden zu sein, ohne das sich dafür zufriedenstellende Begründungen finden ließen.

Iaido beim HTBU

Notgedrungen verschlang ich unzählige Bücher und Medien. Jedoch gaben sie in der Mehrzahl bestenfalls Hinweise mit Deutungsspielraum, ohne anleitungstechnische Relevanz. Alte Versionen bestimmter Kata wurden zwar gezeigt, aber es schimmerte durch, das der Ausführende vermutlich nur die äußere Hülle der Kata zeigt, ohne in den tieferen Dynamiken trainiert zu sein. 
Nach ca 5 Jahren der Orientierung hin zu den verschiedenen Stilen, welche in Deutschland angeboten wurden, gelangte ich zu einem okinawanischen Lehrer (Shihan Toshihiro Oshiro, 9. Dan) und dessen langährigen Meisterschüler (Sensei R. Romero, 5. Dan), welcher in Deutschland unterrichtet. Es stellte sich heraus, dass dies nach ca 25 Jahren des Praktizierens modernerer Stile eine Abkehr von diesen bedeutete und einem Neuanfang gleich kam. So direkt und klar zu spüren, nach langwieriger Suche angekommen zu sein, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es machte den betriebenen „Aufwand“ dann auch mehr als wieder gut. An mehr Informationen über unsere Lehrer und uns gelangt ihr hier.
In Deutschland unterrichten mehrere Dojos nach Shihan Oshiros fundierter Lehre. Ich freue mich darüber, selbst auch im Norden Deutschlands bereits mehrere Karatelehrer verschiedener Richtungen von der Bedeutung und der Ganzheitlichkeit dieses Weges überzeugt zu haben. Diese trainieren bei mir und/ oder haben bereits eigene Dojos und Trainingsgruppen eröffnet. Im Shorin Ryu Karate bin ich mit dem 2. und im Yamanni-Ryu Kobudo mit dem 1. Dan graduiert.

Der Ansatz, die Wurzeln. Der Begriff „traditionell“ oder „alt“ ist ziemlich abgewetzt und natürlich können auch vergleichsweise junge Richtungen, welche vor 40-60 Jahren entstanden, mit Fug und Recht diese Begriffe benutzen.
Daher eine kurze Erklärung, aufgrund welcher Basis auch ich mir die Benutzung dieser Worte erlaube.
Unser Ansatz der Kampfkunst führt uns als nicht wettkampforientierte und nicht wettkampfbeeinflusste Richtung an ein sich ergänzendes Karate und Kobudo als Bewegungs- und Selbstverteidigungskunst. Dieser Weg geht auf Tode Sakugawa und Sokon Matsumura zurück, welche um 1800 dem Karate der Shorin-Linie die Struktur verliehen. Im Gegensatz zu anderen Karaterichtungen, gelangen wir in sehr direkter Tradition hin bis zu dieser Lehre. Shihan Oshiro lernte Sakugawas Kobudo-Stil in Tradition einer Familienweitergabe zu einer Zeit als selbst gut informierte Buchautoren das Wort „ausgestorben“ für diesen Stil gebrauchten. Er wurde lediglich nicht öffentlich unterrichtet. Technik und Prinzip wanderten also nicht durch viele zwangsweise verändernde Hände und wurden nie einem Gruppenunterricht entsprechend systemstisiert oder vereinfacht. Shihan Oshiro ermöglichte später wirklich Interessierten den Zugang zu dieser Lehre. Da Sakugawa auch dem Karate der Shorin-Ryu Linie die Gestalt gab und Karate sowie Kobudo ursprünglich eine Einheit bilden, konnte Shihan Oshiro einzigartige Rückschlüsse auf die alte Motorik des Karate ziehen. Er baute dabei auf der Lehre seiner okinawanischen Karatemeister (u.a. Nagamine Shoshin) auf. Darüber findet ihr hier detailiertere Informationen. Um diesen heute kaum mehr unterrichteten Weg lernen zu können, reisen wir selbst bis nach Okinawa (Bericht 2017).  Wir erhalten den Trainingskontakt mit unserem Lehrer ständig aufrecht, indem Shihan Oshiro (9. Dan) oft nach Deutschland eingeladen und für privates Training in Okinawa besucht wird. Es finden in Deutschland sowohl öffentliche Lehrgänge als auch privates Training statt. Mittlerweile gibt es bereits drei Gruppen im Norden Deutschlands (Hamburg, Stade, Lüneburg), deren Lehrer/ -innen ihren Weg einst bei uns in Hamburg begannen. Weitere Dojos sind über ganz Deutschland (rbkd-germany.de) verteilt. Über diesen gemeinsamen Verbund ist es möglich, einen Meister wie Shihan Oshiro mehrmals im Jahr einzuladen und es gelang uns, die notwendige Bindung und das Vertrauen aufzubauen, welche für die Weitergabe notwendig ist. Interviews mit Shihan Oshiro sind hier zu finden.

Bewusst entscheiden. Auf dieser Webseite findet ihr eine Fülle von Informationen über uns, jedoch auch über die verschiedenen Formen des Karate, die sich im 20. Jh. entwickelten. Sich eine Orientierung zu verschaffen ist wichtig. Ansonsten findet man sich aufgrund des großen Angebots an wettkampfbeeinflussten Stilen idR. in einem solchen wieder, obwohl man gar nicht am Wettkampf interessiert ist. Es trainieren heute viele unwissentlich ein wettkampforientiertes Karate, nehmen aber nie an Wettkämpfen teil. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Unklarheit bei den Trainierenden, auch die Trainer und Lehrer sind sich dessen manchmal nicht bewusst. Die Technik- und Dynamikauslegungen und die Schwerpunkte des traditionellen und des wettkampfgeprägten Karate haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Daher macht es einen großen Unterschied, welche Richtung man trainiert. Die Unterschiede sind derart signifikant, daß die gemeinsamen Wurzeln teils kaum mehr zu erkennen sind. Kampfsport und Kampfkunst sind zwei verschiedene paar Schuhe, haben sie doch gegenteilige Ausgangspunkte. Im Wettkampf gibt es Regeln, glatten Hallenboden, Gewichts- und Altersklassen. Man muss äußerlich sichtbare Kraft, heroisch anmutende Haltungen, sowie faire Techniken zu beschränkten Trefferzonen zeigen. Kampfrichter müssen das Geschehen bewerten können oder im Falle von Show-Vorführungen soll sich das Auge des Zuschauers erfreuen. Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen, die bei der ursprünglichen Entwicklung des Karate im Mittelpunkt stand. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen, jede noch so kleine Bewegung ist wichtig. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen. Sie soll innerlich stattfinden (man sagt, sich innerhalb des Karateanzugs bewegen), der Technik dennoch überraschend Effektivität verleihen. In der Bewegung muß man die eigenen körperlichen Schwachstellen schützen, wenig Blöße bieten, egal ob man sich defensiv oder offensiv bewegt. Mit einer ernsten Bedrohung konfrontiert, sollte reine defensive Bewegung vermieden werden (abgesehen von der Möglichkeit des Weglaufens), da sie nur Nachteile und Gefahren in sich birgt.

Die Intitiative erlangen ohne Rhythmus. Ein oftmals unberücktsichtigter Leitsatz des alten Karate betont daher die Bedeutungen, auch in jeder defensiven Bewegung eine Offensive entfalten zu können und die des „Sen no Sen“ Prinzips. Dazu muss man auf bestimmte Verhaltensweisen verzichten. Zu diesen gehört der 1/ 2 Rhythmus. Dabei sollte man sich nicht auf ein Block/ Konter Prinzip verlassen, da dem alten Karate ein derartiger Rhythmus nicht zu eigen war. Auf „2“ kann nämlich auch der Gegner mit der nächsten Technik kontern. Er wird kaum seinen Angriff grundlos unterbrechen. Gehen wir als Verteidiger nun auf „1- Block“ rückwärts und der Angreifer vorwärts, so geraten wir doppelt ins Hintertreffen. Den Angriff vorwärts fort zu führen wäre einfacher, als blockend UND rückwärts gehend aufholen zu wollen.  Es gilt schließlich, dem Angreifer die Initiative (jap. Sen) sofort abzunehmen und die Auseinandersetzung schnell zu beenden, wenn sie sich schon nicht im Vorfelde vermeiden ließ. Im modernen Karate werden bestimmte Techniken als reine Abwehr trainiert, um danach erst den Konter zu setzen. Eine solche Art des Trainings geht auf „Entschärfungen“ des Karates zurück, die zu Zeiten der Einführung des Karate an ersten okinawanischen Schulen um 1900 stattfanden.

Eine solche Praxis ist im Anfängertraining sicherlich akzeptabel, widerspricht jedoch gleich mehreren Grundsätzen der alten Idee und spiegelt sich selbst in den modernen Kataversionen nicht wieder. Denn auch in den modernen Kata geht man beispielsweise blockend vor. Warum? Weil es gar keine Blocktechniken sind auch wenn sie so aussehen. Kleinere moderne Veränderungen an diesen Techniken führten dazu, dass sie so nichtmehr offensiv zu gebrauchen sind. Es haben sich weitere Mißverständnisse eingenistet über die ich auf diesen Seiten aufklären möchte, da sie das Verständnis für das Karate und Kobudo trüben. Beispielsweise ist das japanische Zeichen für „Kara“ ist buddhistisch geprägt und bedeutet nicht „nichts“ in der Hand zu haben. Auch der Leitsatz „Es gibt keinen ersten Angriff im Karate“ bedeutet nicht, dass man zunächst defensiv blocken müsse, was einem Aggressor entscheidende Vorteile veschaffen würde. Es lohnt sich, den Zitaten und Interpretationen auf den Grund zu gehen und die Bücher der Urheber zu studieren. Auch die Kata lassen sich bereits dann ein wenig klarer lesen und wirken inspirierender als eine reine Abfolge von Techniken es bewerkstelligen könnte.

Kampfkunst und Gesundheit. Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und fordern.
Angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbaren Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und gegebenenfalls neu auszurichten. So können wir unsere innere Körperarbeit und Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Übungen aus Yoga und Qi Gong setzen wir ebenfalls ein. Nach einem hektischen Tag kann man so wieder runter kommen und beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit ausgleichen. Kampfkunsttraining ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln.
Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern.

Kobudo ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate und bedeutet übersetzt   »alter Weg der Waffen«. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm). Im Idealfall beginnt man das Karate- und das Kobudotraining zum selben Zeitpunkt, da sich beides miteinander ergänzt. Wenn eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffenarten genügen, um zusammen mit dem Karatetraining einen symbiotischen Effekt zu erzielen, der Körperbeweglichkeit, Flexibilität und Muskelkraft optimal fördert. Auf Wunsch kann man später auch die nebensächlicheren Kobudowaffen trainieren. Hierzu gehören z.B. die hölzernen Tonfa (Tuifa). 

Karate und Kobudo sind eins. Das Bo und Sai Training stellt neben einer eigenständigen Kampfkunst auch ein Anwendungstraining für das Karate dar. Sehr viele Techniken, Prinzipien sowie die Motorik des Karate entstammen den bewaffneten Kampfkünsten. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen einsetzen zu können. Das Training der Waffen also ein perfekt angepasstes Gerätetraining für das Karate. Die im Karate zurückgezogene Faust (das Hiki-Te) ist z.B. eines der wesentlichsten Prinzipien des Botrainings. Erst wenn man am Bo zieht anstatt ihn zu drücken, beschleunigt er mit peitschenartiger Wucht. Der im Karate verbreitete Satz „Denke nicht an den vorstoßenden Arm, sondern an den zurückziehenden Arm“ rührt daher. Viele Bo Techniken können unbewaffnet als Karatestoß, -schlag, Hebel, Antihebel oder Wurf eingesetzt werden, wobei der Bo durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt wird. Das Bewegungsmuster bleibt gleich. So stärkt man sich beim Ausführen von 100 Botechniken gleichzeitig auch 100 mal für Stöße, Würfe oder Hebel im Karate. Eine raffiniert ausgetüfftelte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider nur in wenigen Karatestilen fortgeführt wurde. Karateprinzipien richtig eingesetzt, wirken automatisch gegen Hebel oder Greifversuche des Gegners. Stimmt die Haltung, dann wird der eigene Körper schwer zu hebeln oder zu werfen sein.

Kobudotechniken in Karate Kata. Karate wird zwar unbewaffnet ausgeführt, ist traditionell jedoch mit dem Kobudo verknüpft. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Techniken des Kobudo vor. Der Bo war die favorisierte Trainingswaffe der Meister, die auch dem Shorin-Ryu Karate einst die Form gegeben haben. Der geschickte Umgang mit dem starren Bo erfordert einen flexiblen Körper, ebenso wie das Shorin-Ryu Karate. Die dem Karate zugrunde liegenden Bewegungen sind sehr universell einsetzbar. Insbesondere sind sie auf das Kobudo abgestimmt und ohne wesentliche Änderungen übertragbar. Diese Kombination spiegelt die okinawische Kampfkunst wieder, deren einer Teil (Karate) mittlerweile in der ganzen Welt bekannt ist. Die Abspaltung des Karate vom Kobudo ergab sich erst in der Moderne ab ca 1920.

Karate wird öffentlich. Karate und Kobudo sind Kampfkünste, deren Entwicklung auf der japanischen Insel Okinawa stattfand. Die Kampfkünste wurden bis ins 20. Jh. hinein nicht öffentlich unterrichtet. Öffentlich wurde das Karate erstmals um 1900 unterrichtet. Aufgrund seines positiven Einflusses auf die Gesundheit und Fitness, fand dieser Unterricht bald Einzug in den Sportunterricht der okinawanischen Schulen.

Den Schulkindern wurde eine entschärfte Version des Karate gelehrt. Dieses umfasste Kata der Pinan Reihe („Heian“ im modernen Karate). Um die Pinan Kata Serie zu erschaffen, bediente man sich Techniksequenzen der fortgeschrittenen Kata. Initiator dafür war Itosu Anko. Japanischen Militärärzten stach bald die überdurchschnittlich gute körperliche Konstitution Karatepraktizierender Okinawas ins Auge. So kam das Karate auch auf der Hauptinsel Japan ins Gespräch. Langsam wurde es auch für Erwachsene einfacher, Lehrer zu finden, die das Karate weitergaben. Ab ca. 1922 verbreitete sich das Karate durch Funakoshi Gichin und kurz darauf auch durch Mabuni Kenwa  auf der Hauptinsel Japans und von dort über die ganze Welt.

Die Karategruppen wurden ab ca 1922 stetig größer, die wachsende Lehrerzahl brachte immer vielfältigere Eigeninterpretationen oder Vereinfachungen der ursprünglichen Kunst und damit eine Verwässerung hervor.

Funakoshi Gichin, auch „Vater des modernen Karate“ genannt, versuchte die beiden Richtungen des okinawansichen Karate zu einer Richtung umzugestalten. Der um 1950 beginnende Wettkampfeinfluss  erschuf schließlich gänzlich neue, ebenfalls spannende Richtungen des Karate. Er veränderte jedoch die alten Schwerpunkte und die Techniken und die Kampfkunst wurde zum Kampfsport, später kam auch eine Art Musik-Gymnastikrichtung hinzu. Die Bedeutung der Katatechniken, ihre motorischen Grundlagen und ihre Anwendungsvielfalt gerieten in Vergessenheit. Derart beeinflusste Kata bestechen durch Kraftausdruck und Geschwindigkeit das Auge des Zuschauers und des Kampfrichters, jedoch weiß der Ausführende oftmals kaum um die Hintergründe dessen, was er gerade tut. Im Gegensatz zum wettkampfnotwendigen, kraftvollen Ausdruck, lebt das alte Karate durch eine ausgefeilte innere Dynamik, welche Krafterzeugung vor dem Auge des Gegners (oder Kampfrichters) verborgen hält. Dies führt zu Überraschungseffekten und unerwartet effektiven Kontakt. List und Überraschungseffekt werden benötigt, da abseits des Wettkampfes keine Regeln oder Gewichtsklassen gelten. Geht es um den Wettkampf, ist dies nicht notwendig, im Gegenteil, der Kampfrichter muss sehen, was passiert. Hier kommen wir jedoch wieder an den Punkt, an dem man sich überlegen muß, ob man aufgrund von eigenen Wettkampfaktivitäten trainiert oder nicht.

Karate veränderte sich. Die einstige Kunst wurde teilweise so stark verändert, dass wesentliche (Bewegungs-)Prinzipien zusammen mit dem Wissen um die Formen (Kata) und Techniken verschwanden. Zunächst der um 1900 beginnende Unterricht größerer und öffentlicher Gruppen sowie an Schulen. Einige Jahrzehnte später der Wettkampfeinfluß und die Anpassung einer Kampfkunst an sportliche Regeln. Dazu ein Verbot aggressiver Kampfkünste nach dem Krieg. Immer unklarer wurde, was ursprünglich war, was vereinfacht, verändert, abgekürzt oder dem Wettkampf angepasst war. Viele Hintergründe zu Technik und Prinzip des Karate sind seither so gut vergraben, das sie kaum noch aufzuspüren sind, geschweige denn unterrichtet werden. In der Folge waren viele Ausübende, Schüler wie Lehrer, auf eigene Interpretationen angewiesen, wollten sie abseits der Wettkampfanforderungen praktikable Hintergründe in die Techniken einfließen lassen. Dennoch schimmern die alten Prinzipien auch in den moderneren Kata und Grundtechniken noch durch.

Vielseitiger Einsatz der Techniken. Karate sollte in jeder Situation anwendbar sein und in der Bewegung größt möglichen Selbstschutz bieten. Ausserdem bedarf es effektiver Techniken für jede Situation. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke wie Finger- oder Zehengelenke ein. Wenn sich alle Gelenke einig sind, werden auch klein ausgeführte Bewegungen sehr effektiv. Dieses Training bedeutet ein intensives Feintuning des Einsatzes und der Ausrichtung aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Da es nicht auf reiner Muskelkraft basiert, ist es auch für Frauen sehr gut geeignet, um effektive Bewegungen und Techniken ausführen zu können. Zudem ist die Kampfkunst ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten.

Den Körper verändern. Wesentliches Ziel des Trainings ist es, einen Körper und ein Körpergefühl zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigen. Mehr dazu hier. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So dürfen wir nicht nur barfuß in Turnhallen trainieren, sondern müssen auch mit verschiedenstem Schuhwerk besattelt im Freien trainieren.

Kata – Bücher der Gesten. In alter Zeit verzichtete man aus verschiedenen Gründen auf das Niederschreiben von Techniken und Prinzipien. Man bediente sich eines sehr viel praktikableren Modells, welches Praxis und Theorie in perfekter Art und Weise verbinden kann – die Kata. Es sind nahtlos aneinandergereihte Techniksequenzen, Wendungen und Schrittfolgen. Alles in einer Kata hat nicht nur einen Sinn, sondern gleich mehrere Bedeutungen. Das verlorene Wissen um die Theorie hinter den Kata war einer der großen Verluste, die uns damals nach Jahrzehntes des aktiven Sportkaratebetreibens haben auf die Suche gehen lassen. Sie beinhalten Technik und Strategie des Karate und können mit einer Art Handbuch verglichen werden. In ihnen wurde das alte Wissen gut verpackt, wenig wurde tatsächlich aufgeschrieben. Wissen und Erfahrungen auf praktische Art und Weise in Form von Tänzen oder Choreographien weiter zu geben, ist eine Methode, die wahrscheinlich fast so alt ist, wie die Menschheit selbst. Sie bildet ein bewährtes Mittel, welches teils unterschwellig selbst heute noch in fast allen Kulturen verbeitet ist.

Kata können einen in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag zu unserem Leben insgesamt leisten, kann man sich doch überall mit ihnen beschäftigen, egal ob drinnen oder draussen, alleine oder in einer Gruppe, mit oder ohne Kobudo-Waffen.

Oberflächlich unterrichtet oder trainiert kann man jedoch nur wenig aus den Kata ziehen, da sie in diesem Fall zu einer mehr oder weniger athletischen Sportübung wird. Die angewandten Bewegungsprinzipien einer Kata sollten nicht sehr von den im freien Kampf benötigten Bewegungsmustern abweichen. Sie sollte leicht und natürlich sein, ohne unnötige Anspannung, sich aber dennoch durch technische Effektivität auszeichnen. Arm- und Beinbewegungen sollten eng mit der Arbeit des Oberkörpers, beispielsweise dessen Ausdehnen und Zusammenziehen verbunden sein und möglichst »verborgen« ausgeführt werden. Dieses Grundprinzip steht im Gegensatz zum modernen Wettkampfkarate, wo gerade Arm- und Beinbewegungen für die bewertenden Kampfrichter gut sichtbar ausgeführt werden müssen. Ein großer Teil der Katabewegungen besteht aus Mitteldistanz- und Nahkampftechniken, deren Anwendungsmöglichkeiten aufgrund der Distanzvergrößerung des modernen Freikampfes, dem »Randori« oder »Kumite« nahzu völlig verloren gingen. So entwickelten sich in wettkampfgeprägten Stilen Kampf und Kata weit auseinander zu eigenständigen Dispziplinen des Wettkampfes und verloren ihre Einheit.

Kihon, Kata, Kumite, Bunkai. Neben den Kata gibt es eine Vielzahl von weiteren Trainingsarten. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit von Gelenken sowie der Koordinationsfähigkeit und Muskulatur. Das Training der Kobudowaffen wirkt dabei, wie ein perfekt angepasstes Gerätetraining. Wir lernen unseren Körper besser kennen und Muskelgruppen, Gelenke und Knochen gezielt einzusetzen. Die antrainierten Prinzipien gehen auf positive Weise auch in das alltägliche Körpergefühl über. Mehr Informationen zu den Trainingsgrundlagen befinden sich hier.