Willkommen im hamburger Dojo für okinawanisches Shorin Ryu Karate und Yamanni Chinen Ryu Kobudo!


Karate in Hamburg lernen? Warum nicht gleich Karate und das dazugehörige Kobudo zusammen?
Bei uns habt ihr die seltene Gelegenheit, die unbewaffnete und die leicht bewaffnete Kampfmethode Okinawas als zwei traditionell zusammen gehörende Teile eines Ganzen zu lernen. Als Einheit trainiert, bilden Karate und Kobujutsu einen faszinierenden und ganzheitlichen Weg der Kampfkunst, welcher dem ursprünglich synergetischen Konstrukt der beiden Künste entspricht.
Ziel der Kampfkunst ist es, sich und andere Menschen im Notfall schützen zu können. Bis ins hohe Alter kann man fähig bleiben, mit Freude an der kämpferischen Bewegung zu trainieren um körperlich wie mental so flexibel, gesund und achtsam wie möglich zu bleiben. Karate wirkt also auch schützend gegen die nicht körperlichen Angriffe oder Belastungen des modernen Lebens. Diese hoch entwickelte Form der Bewegungskunst ist integraler Bestandteil einer Kultur, deren Bevölkerung zu den Langlebigsten überhaupt zählt.

Die Okinawaner haben Elemente der Kampfkunst sogar in ihre traditionellen Volkstänze eingeflochten. Eine äusserst raffinierte Idee, die ich im Kapitel über die Geschichte des Karate beschreibe. 

Die antrainierten Prinzipien gehen auf positive Weise auch in das alltägliche Körpergefühl über. Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Kampfkunst ist kein Wettkampf und gibt ein grundlegend anderes äusseres Bild ab, als vielen Menschen bekannt ist. Wettkampf ist eher für jüngere Menschen geeignet. Karate bietet jedoch viel mehr und das bis ins hohe Alter.

Auf Okinawa bildeten sich vor 1900 im Grunde nur zwei Richtungen des Karate aus und wurden bis ins feinste Detail entwickelt. Das Shorei Ryu (Goju Ryu) und das Shorin Ryu. Shorei Ryu setzt vielfältig geformte Gewichte ein, um den Körper optimal auf die Technikvielfalt dieser Richtung vorzubereiten. Diese Gewichte sind teilweise so geformt, dass sie sogar Größe und Gewicht eines menschlichen Körpers simulieren. Das Shorin Ryu benutzt das Training der Kobudowaffen zum einen für deren Kampfgebrauch, zum anderen aus dem gleichen Grunde, dem beim Shorei Ryu die Gewichte dienen. Dieser in Vergessenheit geratene Aspekt ist von größter Bedeutung für das Verständnis der Karatetechniken und ihrer -bewegungsstrategie. Er wird uns auf dieser Seite noch ausgiebig beschäftigen, da er unseren Weg kennzeichnet. Aus dem Shorin Ryu entsprang auch das modernere Sport- bzw. wettkampforientierte Karate, aufgrund dessen großflächiger Verbreitung, nahezu jeder Karateka seinen Weg beginnt.

Alte Schreibweise „Kara Te“

Der Karateteil wurde im 20. jhdt im Rahmen der Massenverbreitung und Einführung eines Sportkarate favorisiert und unterlag vielfältigen Veränderungen. Das Kobudo wurde leider abgekapselt. So ist heute kaum mehr bekannt, dass Karate und Kobudo als zwei zusammenspielende Teile eines Ganzen entstanden. Beide sind tief ineinandergreifend verbunden. Häufig wird „Kara“ mit „leer“ im Sinne von nichts in der Hand zu haben übersetzt. Diese Übersetzung verfehlt das Wesen dieses Zeichens und des Karates insgesamt. Mehr dazu und zu den Prinzipien und Strategien des „alten“ Karate und manchem weiteren Missverständnis erfahrt ihr „hier“.

Karate ist überaus vielseitig. Karate soll die Aufmerksamket für potentielle Gefahrensituationen schärfen und in jeder Situation anwendbar sein. In der Bewegung soll es größt möglichen Selbstschutz bieten. Ausserdem bedarf es natürlich effektiver Techniken. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Stoß-, Schlag- und Tritttechniken für und gegen alle Distanzen, sondern auch Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke und alle Körperteile ein. Wenn sich alle Gelenke einig sind und einheitliche Kraftvektoren benutzen, dann werden auch klein ausgeführte Bewegungen sehr effektiv. Dieses Training bedeutet ein intensives Feintuning aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit von Gelenken sowie der Koordinationsfähigkeit und Muskulatur.

Gleichzeitige Techniken an verschiedenen Körperstellen

Karateprinzipien richtig eingesetzt, wirken automatisch gegen Hebel oder Greifversuche des Gegners. Stimmt die Ausrichtung des Körpers, dann wird man automatisch schwer zu hebeln oder zu werfen sein. Da diese Prinzipien nicht auf reiner Muskelkraft basieren, sind sie auch für Frauen sehr gut geeignet, um effektive Bewegungen und Techniken ausführen zu können. Genutzt wird beispielsweise die stets wirkende Schwerkraft. Zudem ist die Kampfkunst ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So dürfen wir nicht nur barfuß in Turnhallen trainieren, sondern sollten auch beschuht im Freien trainieren. Mehr zu den Prinzipien, an denen sich unser Training, unsere Kata und unser Kihon und Kumite orientieren, findet ihr hier: Prinzipien des alten Karate.

Kobudo/ Kobujutsu ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate und bedeutet übersetzt   »alter Weg der Waffen«. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm). Im Idealfall beginnt man das Karate- und das Kobudotraining zum selben Zeitpunkt, da sich beides miteinander ergänzt. Wenn eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffenarten genügen, um zusammen mit dem Karatetraining einen symbiotischen Effekt zu erzielen. Körperbeweglichkeit, Flexibilität und Muskelkraft werden optimal fördert. Im Kapitel über das Kobudo gibt es mehr Informationen.
Das Training der Kobudowaffen hilft, ein fundiertes Verständnis und einen flexiblen und kräftigen Körper auch für die Karatetechniken zu entwickeln. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen einsetzen zu können. Das Training der Waffen ist also ein perfekt angepasstes Gerätetraining für das Karate. 
Die „alte“ und flexible (im Gegensatz zur modernen, fest geballten) Faust, mit der die Waffen gehalten werden, ist beispielsweise auch die Faust, welche wir für verschiedenste Karatetechniken verwenden. Wir machen die Faust nicht klein, sondern die Idee ist eine von innen nach aussen aufblähende Kraft in der Faust. Fast als würde man Platz für eine Waffe in der Faustmitte lassen. Der gefühlte Effekt beim Getroffenen ist ein anderer als der beim Getroffen werden mit einer zusammen geballten Faust, da Knöchel und Handgelenk eindringender eingesetzt werden können. Diese Faust lässt sich selbt auf kürzeste Distanzen oder bereits berührend überraschend eindringend einsetzen.

Karate und Kobudo
trainieren und teilen sich die gleichen motorischen Prinzipien. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Technikeigenschaften des Kobudo vor. Die dem Karate eigentümliche Art des Zurückziehens eines Arms während des Vorgehens des anderen Arms (das Hiki-Te) ist das wesentlichste Prinzip bei der fortgeschrittenen Version des Schlagens mit dem Bo. Erst wenn man am Bo zieht anstatt ihn zu drücken, beschleunigt er mit peitschenartiger Wucht. Der im Karate verbreitete Satz „Denke nicht an den vorstoßenden Arm, sondern an den zurückziehenden Arm“ rührt daher. Viele Bo Techniken können auch als unbewaffnete Karatetechnik als Stoß, Schlag, Block, Hebel, Antihebel oder Wurf eingesetzt werden, wobei der Bo durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt wird. Das Bewegungsmuster bleibt gleich. So stärkt man sich beim Ausführen von 100 Botechniken gleichzeitig auch 100 mal für Stöße, Würfe oder Hebel im Karate. Die Idee in der Ruhe vor jeder Bo Bewegung ist, den Bo durch die plötzliche Beschleunigung der folgenden Technik zu zerbrechen. Ähnlich rapide lassen sich die Techniken dann auch einsetzen, wenn man statt eines Bo einen Arm oder den Körper des Gegners gegriffen hat. Eine raffinierte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider nur in wenigen Karatestilen fortgeführt wurde.

Zwischen den Techniken und Haltungen verbirgt sich die ausgeklügelte Bewegungsdynamik traditioneller Kampfkunst. Anfänger ahmen Haltungen und Techniken zunächst äußerlich nach. Mit entsprechendem Training beginnt die Dynamik jedoch im Fortgeschrittenenstadium innerhalb des Körpers statt zu finden und spiegelt sich nach aussen wieder. So gibt sie auch den Kata ihr faszinierendes Erscheinungsbild und den Techniken geballte Effektivität. Kata beinhalten ein unglaubliches Maß an theoretischer Praxis, welche nicht über Bücher oder Videos vermittelt werden kann.

Bewusst entscheiden. Auf dieser Webseite findet ihr eine Fülle von Informationen über uns, jedoch auch über die verschiedenen Formen des Karate, die sich im 20. Jh. entwickelten. Sich eine Orientierung zu verschaffen ist wichtig. Ansonsten findet man sich aufgrund des großen Angebots an wettkampfbeeinflussten Stilen idR. in einem solchen wieder, obwohl man gar nicht am Wettkampf interessiert ist. Es trainieren heute viele unwissentlich ein wettkampforientiertes Karate, nehmen aber nie an Wettkämpfen teil. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Unklarheit bei den Trainierenden, auch die Trainer und Lehrer sind sich dessen manchmal nicht bewusst. Lernen wir wettkampfbeeinflusst nur 2-3 Körperregionen (Kopf, Bauchmuskulatur) anzugreifen, dann nutzen wir 95% der Möglichkeiten, die uns die Kata anbieten überhaupt nicht aus. Zudem ist die Bauchmuskulatur keine Schwachstelle. 


Karate – Kampfsport oder Kampfkunst.
Die Technik- und Dynamikauslegungen und die Schwerpunkte des traditionellen und des wettkampfgeprägten Karate haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Daher macht es einen großen Unterschied, welche Richtung man trainiert. Die Unterschiede sind derart signifikant, daß die gemeinsamen Wurzeln teils kaum mehr zu erkennen sind. Kampfsport und Kampfkunst sind zwei verschiedene paar Schuhe, haben sie doch gegenteilige Ausgangspunkte. Im Wettkampf gibt es Regeln, glatten Hallenboden, Gewichts- und Altersklassen. Man muss äußerlich sichtbare Kraft, heroisch anmutende Haltungen, sowie faire Techniken zu beschränkten Trefferzonen zeigen. Kampfrichter müssen das Geschehen bewerten können oder im Falle von Show-Vorführungen soll sich das Auge des Zuschauers erfreuen. Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen, die bei der ursprünglichen Entwicklung des Karate im Mittelpunkt stand. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen, jede noch so kleine Bewegung oder auch „nicht-Bewegung“ ist wichtig. Nahezu alle Techniken zielen zu empfindlichen Körperregionen und wären im Wettkampf verboten. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen. Sie soll innerlich stattfinden (man sagt, sich innerhalb des Karateanzugs bewegen), der Technik dennoch überraschend Effektivität verleihen. In der Bewegung muß man die eigenen Schwachstellen schützen, wenig Blöße bieten, egal ob man sich defensiv oder offensiv bewegt. Mit einer ernsten Bedrohung konfrontiert, sollte reine defensive Bewegung vermieden werden (abgesehen von der Möglichkeit des Weglaufens), da sie nur Nachteile und Gefahren in sich birgt.

Auf dieser Webseite und im Unterricht teile ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus intensiver theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit der traditionellen Kampfkunst Okinawas. Im Unterricht geben meine Co-Instruktoren und ich diese Erfahrungen im Rahmen des Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo weiter. Mehr zu uns und den Trainingsmöglichkeiten in Norddeutschland, findet ihr diesem Link folgend.

Seit ca 30 Jahren begeistere ich mich für den Weg des Kampfsports und der Kampfkünste. Zu meinem Karate und Kobudotraining gesellte sich vor einigen Jahren auch der Umgang mit dem Samuraischwert (Iaido), dessen Wurzeln auf der Hauptinsel Japan liegen. Angefangen habe ich im Alter von 7 Jahren 1981 mit dem Florettfechten. 1988 gelangte ich fasziniert von der vielseitigeren Art der Körperbewegungen und des kraftvollen Ausdrucks der Techniken zum Shotokan Karate. Ich erlangte den 2. Dan im Shotokan Karate. Nach ca 15 Jahren der intensiven Praxis interessierten mich die Hintergründe und Wurzeln des Karate immer mehr. Aus diesem und weiteren Gründen begab ich mich auf eine langjährige Suche während der ich manche Stile parallel trainierte. Zu viele Fragen um Technik und Prinzip des neuen wie des alten Karate blieben für meine Begriffe unbeantwortet. Zu viel schien verändert worden zu sein, ohne das sich dafür zufriedenstellende Begründungen finden ließen. 

Iaido beim HTBU

Notgedrungen verschlang ich unzählige Bücher und Medien. Jedoch gaben sie in der Mehrzahl bestenfalls Hinweise mit Deutungsspielraum, ohne anleitungstechnische Relevanz. Alte Versionen bestimmter Kata wurden zwar gezeigt, aber es schimmerte durch, das der Ausführende vermutlich nur die äußere Hülle der Kata zeigt, ohne in den tieferen Dynamiken trainiert zu sein. Karateka aus dem Westen besuchten okinawanische Meister und bekamen Kataabläufe gezeigt, welche bis dato ausserhalb Okinawas nahezu unbekannt waren. Diese Abläufe ließen sich als Lehrvideo verpackt und mit einigen Anwendungen ergänzt gut verkaufen. Dennoch blieben sie stets lediglich an der Oberfläche kratzend.
Nach ca 5 Jahren der Orientierung hin zu den verschiedenen Stilen, welche in Deutschland angeboten wurden, gelangte ich zu einem okinawanischen Lehrer (Shihan Toshihiro Oshiro, 9. Dan) und dessen langährigen Meisterschüler (Sensei R. Romero, 5. Dan), welcher sogar in Deutschland unterrichtete. Es stellte sich heraus, dass dies nach ca 25 Jahren des Praktizierens modernerer Stile eine Abkehr von diesen bedeutete und einem Neuanfang gleich kam. So direkt und klar zu spüren, nach langwieriger Suche angekommen zu sein, ist ein dennoch ein unbeschreibliches Gefühl. Es machte den betriebenen Aufwand dann auch mehr als wieder gut. An mehr Informationen über unsere Lehrer und uns gelangt ihr hier.

In Deutschland unterrichten bereits mehrere Dojos nach Shihan Oshiros fundierter Lehre. Ich freue mich darüber, selbst auch im Norden Deutschlands bereits mehrere Karatelehrer verschiedener Richtungen von der Bedeutung und der Ganzheitlichkeit dieses Weges überzeugt zu haben. Diese trainieren bei mir und/ oder haben bereits eigene Dojos und Trainingsgruppen eröffnet. Heutzutage sagen Graduierungen nicht unbedingt etwas aus, der Vollständigkeit wegen nenne ich meine Graduierungen. Im Shorin Ryu Karate bin ich mit dem 2. und im Yamanni-Ryu Kobudo mit dem 1. Dan graduiert. Im Shotokan Karate war ich bis 2008 und bis zum 2. Dan aktiv. Gegen Ende meiner Vorbereitungen zum 3. Dan endete meine Laufbahn in dieser Karaterichtung.


Tradition als Ansatz.
Der Begriff „traditionell“ oder „alt“ ist ziemlich abgewetzt und natürlich können auch vergleichsweise junge Richtungen, welche vor 40-60 Jahren entstanden, mit Fug und Recht diese Begriffe benutzen. Was ist alt, was ist traditionell? Funakoshi Gichin sagte: „Alt oder Neu, das ist nur eine Frage der Zeit“ und „Das Alte zu erforschen, heißt das Neue zu verstehen.“ Je mehr Informationen zum „Alten“ ich sammelte, umso mehr Missverständnisse und Lücken des „Modernen“ wurden offensichtlich.

Unser Weg des traditionellen Karate und Kobujutsu geht auf Tode Sakugawa und Sokon Matsumura zurück, welche um 1800 dem Karate der Shorin-Linie die Struktur verliehen. Wir gelangen in sehr direkter Traditionslinie hin bis zu diesen Wurzeln. Shihan Oshiro lernte Sakugawas Kobudo-Stil in Tradition einer Familienweitergabe zu einer Zeit als selbst gut informierte Buchautoren das Wort „ausgestorben“ für diese Linie gebrauchten. Ausgestorben ist es nie, es wurde lediglich nicht öffentlich und nur privat unterrichtet. Technik und Prinzip wanderten nicht durch viele zwangsweise verändernde Hände und wurden nie einem Gruppenunterricht entsprechend systemstisiert oder vereinfacht.

Shihan Oshiro ermöglichte später wirklich Interessierten den Zugang zu dieser Lehre. Da Sakugawa auch dem Karate der Shorin-Ryu Linie die Gestalt gab und Karate sowie Kobudo ursprünglich eine Einheit bilden, konnte Shihan Oshiro einzigartige Rückschlüsse auf die alte Motorik des Karate ziehen. Er baute dabei auf der Lehre seiner okinawanischen Karatemeister (u.a. Nagamine Shoshin) auf. Darüber findet ihr hier detailiertere Informationen. Um diesen heute kaum mehr unterrichteten Weg lernen zu können, reisen wir selbst bis nach Okinawa (Bericht 2017).  Wir erhalten den Trainingskontakt mit unserem Lehrer ständig aufrecht, indem Shihan Oshiro (9. Dan) oft nach Deutschland eingeladen und für privates Training in Okinawa besucht wird. Es finden in Deutschland sowohl öffentliche Lehrgänge als auch privates Training statt. Mittlerweile gibt es bereits drei Gruppen im Norden Deutschlands (Hamburg, Stade, Lüneburg), deren Lehrer/ -innen ihren Weg einst bei uns in Hamburg begannen. Weitere Dojos sind über ganz Deutschland (rbkd-germany.de) verteilt. Über diesen gemeinsamen Verbund ist es möglich, einen Meister wie Shihan Oshiro mehrmals im Jahr einzuladen und es gelang uns, die notwendige Bindung und das Vertrauen aufzubauen, welche für die Weitergabe notwendig ist. Interviews mit Shihan Oshiro sind hier zu finden.


Kampfkunst und Gesundheit
. Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und fordern. Angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbaren Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und gegebenenfalls neu auszurichten. So können wir unsere innere Körperarbeit und Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Übungen aus Yoga und Qi Gong setzen wir ebenfalls ein. Nach einem hektischen Tag kann man so wieder runter kommen und beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit ausgleichen. Kampfkunsttraining ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln.
Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern.


Geschichte – Karate wird öffentlich.
Karate und Kobudo sind Kampfkünste, deren Entwicklung auf der japanischen Insel Okinawa stattfand. Die Kampfkünste wurden bis ins 20. Jh. hinein nicht öffentlich unterrichtet. Öffentlich wurde das Karate erstmals um 1900 unterrichtet. Aufgrund seines positiven Einflusses auf die Gesundheit und Fitness, fand dieser Unterricht bald Einzug in den Sportunterricht der okinawanischen Schulen.

Den Schulkindern wurde eine entschärfte Version des Karate gelehrt. Dieses umfasste Kata der Pinan Reihe („Heian“ im modernen Karate). Um die Pinan Kata Serie zu erschaffen, bediente man sich Techniksequenzen der fortgeschrittenen Kata. Initiator dafür war Itosu Anko. Japanischen Militärärzten stach bald die überdurchschnittlich gute körperliche Konstitution Karatepraktizierender Okinawas ins Auge. So kam das Karate auch auf der Hauptinsel Japan ins Gespräch. Langsam wurde es auch für Erwachsene einfacher, Lehrer zu finden, die das Karate weitergaben. Ab ca. 1922 verbreitete sich das Karate durch Funakoshi Gichin und kurz darauf auch durch Mabuni Kenwa  auf der Hauptinsel Japans und von dort über die ganze Welt. Die Karategruppen wurden ab ca 1922 stetig größer, die wachsende Lehrerzahl brachte immer vielfältigere Eigeninterpretationen oder Vereinfachungen der ursprünglichen Kunst und damit eine Verwässerung hervor.
Funakoshi Gichin, auch „Vater des modernen Karate“ genannt, versuchte offenbar die beiden Richtungen des okinawanischen Karate zu einer Richtung umzugestalten. Der um 1950 beginnende Wettkampfeinfluss  erschuf schließlich gänzlich neue, ebenfalls spannende Richtungen des Karate. Er veränderte jedoch die alten Schwerpunkte und die Techniken und die Kampfkunst wurde zum Kampfsport, später kam auch eine Art Musik-Gymnastikrichtung hinzu. Die Bedeutung der Katatechniken, ihre motorischen Grundlagen und ihre Anwendungsvielfalt gerieten in Vergessenheit. Derart beeinflusste Kata bestechen durch Kraftausdruck und Geschwindigkeit das Auge des Zuschauers und des Kampfrichters, jedoch weiß der Ausführende oftmals kaum um die Hintergründe dessen, was er gerade tut. Im Gegensatz zum wettkampfnotwendigen, kraftvollen Ausdruck, lebt das alte Karate durch eine ausgefeilte innere Dynamik, welche Krafterzeugung vor dem Auge des Gegners (oder Kampfrichters) verborgen hält. Dies führt zu Überraschungseffekten und unerwartet effektiven Kontakt. List und Überraschungseffekt werden benötigt, da abseits des Wettkampfes keine Regeln oder Gewichtsklassen gelten. Geht es um den Wettkampf, ist dies nicht notwendig, im Gegenteil, der Kampfrichter muss sehen, was passiert. Hier kommen wir jedoch wieder an den Punkt, an dem man sich überlegen muß, ob man aufgrund von eigenen Wettkampfaktivitäten trainiert oder nicht. Mehr dazu gibt es bei den „Vätern des modernen Karate“.

Karate veränderte sich. Die einstige Kunst wurde teilweise so stark verändert, dass wesentliche (Bewegungs-) Prinzipien zusammen mit dem Wissen um die Formen (Kata) und Techniken verschwanden. Zunächst der um 1900 beginnende Unterricht größerer und öffentlicher Gruppen sowie an Schulen. Einige Jahrzehnte später der Wettkampfeinfluß und die Anpassung einer Kampfkunst an sportliche Regeln. Dazu ein Verbot aggressiver Kampfkünste nach dem Krieg. Immer unklarer wurde, was ursprünglich war, was vereinfacht, verändert, abgekürzt oder dem Wettkampf angepasst war. Viele Hintergründe zu Technik und Prinzip des Karate sind seither so gut vergraben, das sie kaum noch aufzuspüren sind, geschweige denn unterrichtet werden. In der Folge waren viele Ausübende, Schüler wie Lehrer, auf eigene Interpretationen angewiesen, wollten sie abseits der Wettkampfanforderungen praktikable Hintergründe in die Techniken einfließen lassen. Dennoch schimmern die alten Prinzipien auch in den moderneren Kata und Grundtechniken noch durch.

Kata – Bücher der Gesten.
In alter Zeit verzichtete man aus verschiedenen Gründen auf das Niederschreiben von Techniken und Prinzipien. Man bediente sich eines sehr viel praktikableren Modells, welches Praxis und Theorie in perfekter Art und Weise verbinden kann – die Kata. Kata sind nahtlos aneinandergereihte Techniksequenzen, Wendungen und Schrittfolgen. Alles in einer Kata hat nicht nur einen Sinn, sondern gleich mehrere Bedeutungen. Das verlorene Wissen um die Theorie hinter den Kata war einer der großen Verluste, die uns damals nach Jahrzehntes des aktiven Sportkaratebetreibens haben auf die Suche gehen lassen. Sie beinhalten Technik und Strategie des Karate und können mit einer Art Handbuch verglichen werden. In ihnen wurde das alte Wissen gut verpackt, wenig wurde tatsächlich aufgeschrieben. Wissen und Erfahrungen auf praktische Art und Weise in Form von Tänzen oder Choreographien weiter zu geben, ist eine Methode, die wahrscheinlich fast so alt ist, wie die Menschheit selbst. Sie bildet ein bewährtes Mittel, welches teils unterschwellig selbst heute noch in fast allen Kulturen verbeitet ist.
Kata können einen in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag zu unserem Leben insgesamt leisten, kann man sich doch überall mit ihnen beschäftigen, egal ob drinnen oder draussen, alleine oder in einer Gruppe, mit oder ohne Kobudo-Waffen.
Oberflächlich unterrichtet oder trainiert kann man jedoch nur wenig aus den Kata ziehen, da sie in diesem Fall zu einer mehr oder weniger athletischen Sportübung wird. Die angewandten Bewegungsprinzipien einer Kata sollten nicht sehr von den im freien Kampf benötigten Bewegungsmustern abweichen. Sie sollte leicht und natürlich sein, ohne unnötige Anspannung, sich aber dennoch durch technische Effektivität auszeichnen. Arm- und Beinbewegungen sollten eng mit der Arbeit des Oberkörpers, beispielsweise dessen Ausdehnen und Zusammenziehen verbunden sein und möglichst »verborgen« ausgeführt werden. Dieses Grundprinzip steht im Gegensatz zum modernen Wettkampfkarate, wo gerade Arm- und Beinbewegungen für die bewertenden Kampfrichter gut sichtbar ausgeführt werden müssen. Ein großer Teil der Katabewegungen besteht aus Mitteldistanz- und Nahkampftechniken, deren Anwendungsmöglichkeiten aufgrund der Distanzvergrößerung des modernen Freikampfes, dem »Randori« oder »Kumite« nahzu völlig verloren gingen. So entwickelten sich in wettkampfgeprägten Stilen Kampf und Kata weit auseinander zu eigenständigen Dispziplinen des Wettkampfes und verloren ihre Einheit. Aus den Kata als Basis des alten Karate entspringen eine Vielzahl von weiteren Trainingsarten. Im Kihon werden einzelne Techniken oder Sequenzen isoliert und häufig wiederholt. Man lernt, den Körper entsprechend der Anforderungen an eine praktikable Kampfkunst zu bewegen und dabei die Techniken auszuführen. Später kommt der mal mehr mal weniger kooperativ agierende Partner dazu und verschiedenste Partnerübungen, Kumiteformen und Technikanwendungen der Kata (Bunkai) werden trainiert. Wichtiger als die fertige Technik am Ende der Bewegung ist dabei, wie man sich dorthin bewegt hat. Im Kapitel Kata und Säulen des Karatetrainings gibt es mehr zu lesen.