Okinawa 2019

Im September 2019 sind zwei der Lehrer des Oshiro Dojo Hamburg nach Okinawa geflogen, um an einem einwöchigen, intensiven Instruktorenlehrgang mit Oshiro Shihan (9. Dan) teil zu nehmen. Shihan Oshiro lud alle weltweit tätigen Instruktoren zu diesem Seminar ein. Es wurde an 5 aufeinanderfolgenden Tagen 5 Stunden täglich trainiert. Ein anstrengendes Pensum, jedoch sorgen okinawanisches Klima, eine sehr gute Trainingsatmosphäre zusammen mit den vielfältigen Bewegungen der Kampfkunst für eine hohe Belastbarkeit von Körper und Geist. So berichtete mir einst ein Okinawabesucher, dass in der Heimat vorhandene Gelenksschmerzen auf Okinawa nach wenigen Tagen verschwinden würden. Wie auch immer, Okinawa fühlt sich wie ein Stück Heimat an, bewegen wir uns doch bereits seit fast 30 Jahren nach Bewegungsprinzipien und einer Bewegungsphilosophie,  welche hier ihre Wurzeln haben. Man findet sich schnell im gesamten Hauptstadtbereich zurecht, ganz ohne Auto.

 


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Monument für Funakoshi Gichin am Okinogu Schrein…Beschreibung in Bearbeitung

Hinterer Eingang Okinogu Schrein

Am vorderen Eingang zum Schrein

Funakoshi war sehr gut befreundet mit dem Abt (Asahina Sogen) des buddhistischen Engaku-Ji Tempels, welcher sich im Ortsteil Kamamura im Wiederaufbau befindet. Der Tempel wurde 1945 zerstört und seither nicht wieder vollständig errichtet. Asahina widmete Funakoshi eine Kalligraphie in ähnlicher Größenordnung wie auf diesem Stein zu sehen ist. Dabei handelt es sich um einen von Funakoshi Gichins bekanntesten Leitsätzen: „Kara Te ni sente nashi“ – Es gibt kein Zuvorkommen im Karate. Mehr dazu im Kapitel – Funakoshis Nijukun

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Okinawa

 

Die „Shisa“ genannten Tempelwächter sind in Okinawa an fast jedem Haus zu finden. Das Vertrauen in diese Figuren ist daher immer noch tief verankert. Der weibliche Wächter hat den Mund geschlossen und hält so alles Gute in sich (und metaphorisch im Haus), der männliche Wächter hält mit aufgerissenem Maul alles Böse fern.

 

Ein verbildlichtes Prinzip, welches uns Wesentliches lehren kann. Zur Kampfkunst sehe ich eine direkte Verbindung, da sie die gleichen Ziele verfolgt und von ebenso schön „schrecklich“ effizientem Kern ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein aus der modernen Schreibweise von „Kara“ te bekanntes Zeichen, hier für einen Parkplatz mit noch freien Plätzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


Fuzhou Garten im Ortsteil Kume.
Die 36 chinesischen Familien siedelten sich im 14. Jahrhundert hier an und brachten chinesische Kampfkunst nach Okinawa. Es entstand ein chinesischer Ortsteil zum intensiven, kulturellen Austausch. Vermutlich brachten die Chinesen auch das Bubishi mit, ein Buch über chinescihe Kampf- und Heilkunst. Siehe Geschichte des Karate. In dieses Monument sind die Familienwappen der 36 chinesischen Familien eingemeißelt. Aufgrund des straffen Tagesprogramms, gelangte ich erst gegen Mitternacht in den Garten.

Die Figuren gleichen Abbildungen im Bubishi. Es scheint ein Gedenkstein zu sein, welcher einem oder zweien mit den rechten Zeichen spezifizierten und hoch angesehenen chinesischen Kampfkunstmeistern gewidmet ist. Links in klein gehalten ist die Signatur des Steinmetzes. Die chinesischen großen Charaktere bedeuten meiner Recherche nach, dass dieser Stein hoch gestellten (Schicht) Menschen von absolut exzellenter Fertigkeit gewidmet ist. Eine Ehrung, welche man sich nicht höher auf dem eigenen Grabstein wünschen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Das Training beginnt
Das Training im Budokan hat begonnen. Der erste Tag drehte sich um die Bewegungsgrundlagen. Die Art und Weise der Bewegungsmotorik, welche sich in die Kata fortpflanzt, beinhaltet bereits einen Vorläufer bzw. eine erste Form des Bunkai. Diese Art des Bunkai scheint zu Zeiten der Verbreitung des Karate nach ausserhalb auf Okinawa geblieben zu sein. Sie umfasst den Schutz der eigenen Vitalpunktlinie (Seichusen) während und nach jeder Bewegung. Diese Linie besteht aus den empfindlichsten Schwachpunkten unseres Körpers und Treffer zeigen hier jederzeit Wirkung.
Die bekannte konventionelle Art des Bunkai isolierter Sequenzen der Kata wie Rohai, Chinto und Kushanku wurde natürlich ebenfalls trainiert. Shihan Oshiro ist sehr gut drauf und wir genießen die intensiven Trainingstage.

Die Teilnehmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kobudo

Das Hiki-Te beschreibt die in der Karate Grundschule und in den Kata und vielen Partnerübungen zur Hüfte zurückgezogene Faust, während der andere Arm eine Technik ausführt. Das Bewegungsmuster eines Karate Fauststosses entspricht dem eines Bo Schlages im Yamanni-Ryu. Hiki-Te ist das grundlegendste Prinzip im Bo Handling überhaupt. Die symbiotische Einheit von Karate und Kobudo ist eines der markantesten und wesentlichsten Merkmale der okinawanischen Kampfkunst.
Hierzu gehört eine weitere bemerkenstwerte Idee: Die Okinawaner flochten die kämpferischen Bewegungen sogar in ihre Volkstänze ein. Die Kata des Yamanni-Ryu bestehen zum großen Teil aus Bewegungen, die man mit den entsprechenden Waffen, aber ebenso unbewaffnet ausführen kann. Kata sind so aufgebaut, dass Sai oder Bo automatisch auch als »gegnerische Waffen« oder »Gegner« fungieren. Sie kommen auf uns zu und unser Körper muss sich beim Vorgehen entsprechend anpassen, um nicht getroffen zu werden.
Auf das Karate Bunkai bezogen sehen die Techniken den eigenen Bo als Gegner oder dessen Extremität an, den man sich hilfsweise ja als “länglichen Gegenstand” vorstellen kann und den es zu manipulieren gilt. Dabei wird die Tatsache klar, dass die Kraft, die den Bo bewegt, nicht größtenteils aus den Armen kommen sollte. Arbeitet man mit dem eigenen Körper und dessen Gelenken nicht präzise, dann bewegt sich auch der Bo eher störrisch und nicht »schneidend« durch die Luft. Analog kann man einen Gegner nicht einfach aus der eigenen Armkraft heraus werfen oder dessen Gelenke manipulieren. Auch im Karate will man möglichst viel Kraft aus der gesamten Körpermotorik schöpfen und nicht lediglich aus den Armen und Beinen. Das Training mit Bo und Sai hat einen hohen Stellenwert bei vielen alten okinawischen Meistern (z.B. Funakoshi Gichin) genossen.
Ein sehr flexibler Körper entwickelt sich, wenn man den starren Bo zu beherrschen lernt.  Durch das Waffentraining wurde zusammen mit dem kampfkunsttechnischen Aspekt einhergehend eine Art “Gerätetraining” für die Ausbildung und Kräftigung der Muskeln und Gelenke geschaffen. Auch die Greifmuskulatur oder »Fingerkraft« wird gestärkt. Im Yamanni-Ryu verwendete Sai sind nicht so massiv wie in anderen Kobudostilen üblich. Massive Sai, wie sie heute als »Standardausführung« in den Kampfsportgeschäften erhältlich sind, wurden früher vermutlich eher für das sogenannte »Hoju-Undo« (Krafttrainig) verwendet, jedoch nicht für den Kampf oder das Kampftraining. Im Kampf sollten sie leicht zu verbergen (Kakushi Buki – Prinzip der verborgenen Waffe) und blitzschnell einzusetzen sein. Diese Art von Sai ist also leicht und schlank gehalten, was einen sehr dynamischen und flexiblen Umgang erlaubt, ohne dem eigenen Körper durch Überbelastung der Gelenke zu schaden.
Hartes Holz gab es auf Okinawa zur Genüge, Stahl war schwierig zu beschaffen. Die im Yamanni-Ryu verwendeten Bo sind unkonisch (haben also einen gleichbleibenden Durchmesser), denn es heißt »der Bo soll zwischen den Händen leben«. Konische Bo werden dagegen in den meisten Stilen immer gedrittelt gehalten. Welches Ende des Bo länger und welches kürzer wird, entscheidet sich im Yamanni-Ryu fließend, je nach den Erfordernissen der Situation. Die Hände passen die eingesetzte Bolänge der jeweiligen Technik sowie der Distanz zum Gegner andauernd an, was den Gegner verwirren kann. Das lange Ende des Bo wird »in den Kampf« geschickt, so dass man den eigenen Körper weiter hinten halten kann. Hier besteht eine Analogie zur Haltung eines Schwertes. Durch das Handling des Bo kann dieser in Schlag-, Stoß- und Stichtechnik wie ein Schwert, eine Hellebarde oder ein Speer eingesetzt werden. Mit einer aufgesteckten Klinge lassen sich die Schnitttechniken des Kobujutsu veranschaulichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

10.9.
Wir haben während des 11 stündigen Fluges nach Osaka und des 2 stündigen Fluges nach Okinawa kaum geschlafen. Sind gut in Okinawa angekommen und holen erstmal Schlaf nach. Das Budokan steht mit klimatisierten Trainingsräumen bereit. Draußen herrscht tropisches Klima.

Symbol und Kalligraphie zum Instruktorencamp 2019

 

Budokan, oberste Etage: Unser Trainingsraum

Zugang zum Trainingsraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Okinawa – Naha – Flughafen

Im Budokan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

9.9.
Der A350 steht bereit, in 45 Minuten ist Abflug nach Osaka. Von dort geht es dann weiter nach Okinawa. Wir freuen uns nicht nur auf das bessere Wetter dort.

 

 

 

 

 

Nur noch 9556km entfernt!

 

 

 

 

 

 


 

8.9.
Der Trainingsplan steht:

 

 

 

 

 

 

 


7.9.
Der Bereich rund um die großflächige Parkanlage, zu der auch das Budokan gehört. Die Tsubogawa Monorail Haltestelle bietet sich als Austiegsstation an, wenn man zum Budokan gelangen möchte.