Karate und Schwert

Toshihiro Oshiro Shihan sagte einst „studiere das Schwert (Klingenwaffen), um das Karate und Kobujutsu besser zu verstehen“. Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Schwertkunst und Karate wurde von Motobu Naoki veröffentlicht. Dabei geht es auch um eine Schwertrichtung, die auf die Ryu Kyu Inseln gelangte:
Jigen-Ryu

 

 

Analogie Gedan Barai Karate VS Schwert

Vergleich der Motorik – Karate Gedan Barai und Hiki Te mit Schwertparade. Beim Gedan Barai im Karate sieht man manchmal extreme Ausholbewegungen mit der Hand bis hoch zur Schulter. Auch im Karate sollten wir vor dem Gedan Barai nicht weit bzw. hoch ausholen, wenn das Ziel vorne unten ist. Die Ausholbewegung wäre entgegen der Richtung, welche eigentlich benötigt wird. Für Anfänger sind weit ausholende Bewegungen allerdings zunächst besser nachzuvollziehen. Später sollten die Techniken unauffälliger und direkter, die Energie dafür im Körper erzeugt werden. Im Grunde holt dann nur noch der Unterarm aus. Der Ellbogen sollte seine Richtung auf dem Weg zum Zielpunkt nicht umkehren müssen. Sollte man eine Waffe (z.B. Kobudo: Sai) im Gürtel haben, würde diese mit der (kleinen) Ausholbewegung gezogen und direkt eingesetzt werden.

 


Analogie Renzuki Karate VS Schwert

Doppelfauststoß „Renzuki“. Der Renzuki weist eine bemerkenswerte Analogie zu einer etwas unbekannteren Art des Schwertziehens auf. Man verbirgt dabei die Greifbewegung zum Schwertgriff (Tsuka) UND den Beginn der Klingenbewegung nach vorne. Dabei wird die rechte Hand nicht, wie oft üblich, seitlich zum Schwertgriff geführt, um danach nach vorne zu ziehen. Die seitliche Greifbewegung würde die Zieh-/ Schnittbewegung für ein geübtes Auge (von vorne gesehen) viel auffälliger machen und mehr Zeit kosten.  Zudem ergäbe sich ein 1-2 Rhythmus, wenn wir in eine Richtung greifen (seitlich zum Schwertgriff), für die Technik dann aber in eine andere Richtung müssen (nach vorne). Genauso würde Techniken des Karate durch Ausholbewegung und dann folgender Bewegungsumkehr für die eigentliche Technik dieser Rhythmus anhaften. Rhythmus ist im Kampf zu vermeiden.

Um die Klinge möglichst unauffällig frei und nach vorne zu bekommen, bleibt Die rechte (eigentlich die „Ziehhand) Hand zunächst teilnahmslos hängen. Stattdessen schiebt die linke Hand die Saya (Schwertscheide) und damit natürlich auch die (noch verborgene) Klinge vor, in Richtung Gegner. Durch das Tsuba (Stichblatt) ist die linke Hand etwas verdeckt. Die Klinge nähert sich nun bereits „versteckt“ dem Gegner. Die rechte Hand macht nicht die typische winklige Greifbewegung, sondern nimmt in einer fließenden Bewegung den Schwertgriff auf einer geradlinigen Bahn (analog Zuki) auf und führt den Schnitt zuende. Dabei reißt die linke Hand die Saya zurück (Hikite). Die Klinge ist frei und hat bereits einiges an Weg in Richtung Ziel zurück gelegt.

Im Karate führen wir den Renzuki nicht wie zwei aufeinander folgende Zuki aus. Er soll in der Zeit ausgeführt werden, die normalerweise ein einzelner Zuki braucht. Der zweite Zuki bewegt sich dabei in und startet direkt aus einer Position vor der Körpermitte und nicht von der Hüfte aus. Diese Bewegung ist nicht nur analog des versteckten Ziehens des Schwertes, sondern eignet sich auch für weitere Techniken mit offener Hand.

 


Analogie Shuto (Uke) Karate VS Schwert

Auf den Karate Shuto „Uke“ bezogen, greift die rechte Hand zum Schwert. Dann übernimmt das Schwert selbst Bewegung und Endposition analog der Schwert-Hand im Karate.


Hiki Te
Karate ist bekannt für die Hand oder Faust, welche sich zur Hüfte zurück zieht, während die andere Hand oder Faust vorschnellt. Aus Sicht des Sayahandlings (Schwertscheide) ist diese Bewegung ebenfalls von großer Bedeutung. Sie ist analog der Bewegung, ein Schwert möglichst schnell aus der Saya zu befreien. Eine Hand bewegt die Klinge vor, die andere zieht die Saya zurück, damit die Klinge früher frei und damit einsatzbereit  ist.

 


01.07.2022

Kürzlich war ich zu einen weiteren Lehrgang „Schwert in Schwerte – Parallelen zum Karate und Kobudo“ im Oshiro Dojo Schwerte geladen. Instagram-Link. Schon das Ziehen des Schwertes ähnelt eindeutig dem geradlinigen Tsuki des Karate. Jedoch wird dem Hiki Te (die sich zurückziehende Hand) hierbei eine ganz offensichtliche Bedeutung zu teil. Im Karate dient das Hiki Te als Platzhalter für alle möglichen Anwendungen  – jedoch benötigt man es ebenfalls für den Umgang mit Bo, Sai oder Schwert. Thomas Heinze ist Dojoleiter in Schwerte und hat bereits Bücher zum „alten“ Karate und dessen Meister veröffentlicht. Mehr