Prinzipien des Karate

Auf Okinawa wurden sowohl unbewaffet ausgeführte Techniken, als auch der kämpferische Gebrauch einfach anmutender Waffen wie dem Langstock (Bo), den Eisengabeln (Sai), den hölzernen Tunfa (jap. Tonfa) und weiteren Gegenständen entwickelt. Die Hauptwaffe des einfach bewaffneten Trainings war der Bo, an dessen Ende auch eine Klinge oder Eisenspitze befestigt werden kann (Naginata oder Speer).

Optimiert und ausgefeilt wurden die Prinzipien dieser Kampfkunst bereits lange bevor sie um 1900 öffentlich gemacht wurden, auf die Hauptinsel Japans (zunächst um 1920 Tokio) kamen oder gar nach Amerika oder Europa (ab ca 1960) gelangten. In Japan wurde die Kunst verändert und durch immer mehr Instruktoren an immer größer werdende Gruppen weiter gegeben. Noch bevor das Karate nach Europa gelangte, bewirkte der in Japan voran getriebene Wettkampfeinfluss eine weitere Verschiebung der Kampfkunst in Richtung Sport und Veränderung ihrer Grundlagen. Vielen Europäern war nicht bewusst, dass ein signifikant verändertes Karate zu ihnen kam. Vielmehr gingen die meisten davon aus, dass die Kampfkunst noch ausgefeilter als auf Okinawa und auf die höchste Ebene gebracht war. Die Kampfkunst, der einst unfaire Ausgangssituationen zugrunde lagen, war jedoch zum wettkampftauglichen und athletischen Kampfsport modifiziert worden. Notwendige Techniken und Prinzipien der alten Kunst verschwanden. Techniken mussten fair, sichtbar und durch Kampfrichter bewertbar sein.

Funakoshi Gichin

Kata und Kumite wurden zu verschiedenen Wettkampfdisziplinen, denn 95% der Katatechniken sind nicht wettkampftauglich und mussten folglich ausgeklammert werden. Damit nicht genug, wurde auch das ursprünglich mit dem Karate verknüpfe Kobudo bzw. Kobujutsu in ein Schattendasein gedrängt.

Die Kampfkunst war nicht waffenlos. Eine Trennung von Karate- und Botraining war ursprünglich  undenkbar.  Beide gehen Hand in Hand miteinander und bauen aufeinander auf. Auch der oftmals als „Vater des modernen Karate“ bezeichnete, Funakoshi Gichin, trainierte Bo und Sai. Sein Sohn Yoshitaka Funakoshi erkannte ebenfalls die Zusammenhänge, dennoch blieb der Umgang mit den Waffen im Hintergrund.

Durch die enge Verflechtung des Karate mit dem Kobudo, beinhalten auch die modernen Kata des Karate immer noch Techniken aus dem Bereich des Bo. Mehr zu den symbiotischen Effekten des Kobudo/ Kobujutsu  und dem Karate gibt es hier.

 

空手 – Leere Hand oder leerer Kopf?

Karate (oder Kara Te) wird heute von vielen als vom Kobudo unabhängig betrachtet. Zu diesem folgeträchtigen Missverständnis trug eine Änderung des Schriftzeichens für Kara Te bei. Kara Te (空手) wird mit „leere Hand“ übersetzt, wobei hauptsächlich die Bedeutung von „nichts in der Hand zu haben“ angenommen wird. Die gebräuchliche Benutzung des „Kara“ mit der Bedeutung „leer“ entstand erst zu der Zeit, als das Karate von Okinawa nach Japan kam. Zuvor wurde hauptsächlich das Zeichen für China, genauer dessen T’ang Dynastie (617-907) benutzt, welches auch „Kara“ gesprochen werden kann (唐手).
Diese Bezeichnung berücksichtigt den Bezug der okinawanischen Kampfkunst zu China. Okinawa betrieb intensivste Handelsbeziehungen und kulturellen Austausch mit China. Von den beiden Karaterichtungen Shorei- und Shorin-Ryu hat die erstere größeren Bezug zu China, während das Shorin-Ryu stark mit den Prinzipien der Kobudowaffen, der Naginata und dem Schwert verbunden wurde. Kennzeichnend dafür sind schmale Stände, das Abdrehen und vor direktem Zugriff verbergen (Hanmi) der mittleren Schwachpunktlinie (Seichusen – Herz, Solar Plexus, Genitalien).
Um 1930 entschlossen sich okinawanische Meister (u.a. Gichin Funakoshi) dazu, den Gebrauch von „China Hand“ zu Gunsten der Bezeichnung „Leere Hand“ einzustellen. Somit waren die Vorraussetzungen geschaffen, dass diese Kampfkunst auch auf der Hauptinsel Japan anerkannt werden würde. Japan war zu dieser Zeit allem Chinesischen gegenüber negativ eingestellt und die okinawischen Meister (insbesondere Gichin Funakoshi) hätten ohne diesen Schachzug arge Probleme gehabt, ihre Kampfkunst in Japan zu verbreiten. Natürlich soll man sich im Notfall auch unbewaffnet zur Wehr setzen können. In seinem Buch „Mein Weg“ schreibt Funakoshi Gichin, dass dieses Zeichen jedoch im wesentlichen Sinne den anzustrebenden, geistigen Zustand meint.

Es beschreibt einen z.B. in Gefahrensituationen anzustrebenden geistigen Zustand. Der eigene Geist soll frei (leer) sein von ablenkenden Gedanken oder Gefühlen, um im Moment der Gefahr frei und unverzüglich agieren zu können. Auch im modernen Karate sind dazu die Begriffe »Zanshin« und »Mushin« bekannt. Hieraus leiten sich auch Verbindungen der Kampfkunst zum Zen-Buddhismus und ihren Wurzeln im chinesischen Kung Fu her. Neben vielen anderen Möglichkeiten, die das Katatraining uns bietet, kann man die Kata entsprechend ausgeführt, als ein Mittel für eine „bewegte“ Meditation hernehmen. So lernt man, auch in der Bewegung Ruhe (vor den eigenen Gedanken) zu finden und nicht an dem was kommt oder dem was war haften zu bleiben. Diesen Zustand erstmal durch viele WIederholungen erreicht, geht man in der Kata auf und wird zu ihr. Der Geist wirkt danach entspannt und erfrischt.

Technik und Strategie.

Sicheres Bewegen und ein bestimmtes Blockrepertoire, einfache Befreiungstechniken sowie direkte Schlag-, Stoss- und Tritttechniken zur schnellen Beendigung eines Kampfes stehen zunächst im Vordergrund des Trainings. Geht es um die Anwendungsmöglichkeiten der Katatechniken, verbirgt sich dahinter jedoch noch viel mehr. Anfangs führt man die Ausholbewegungen und die Wendungen noch groß und rotierend aus, der Körper lernt zunächst dass Öffnen und Schließen. Er erzeugt die Angriffsenergie über recht große Wege der Extremitäten (Ausholbewegungen).
Später sollten weite Bewegungen und Rotationen völlig wegfallen. Rotationen zerstreuen die Kraftlinien immer nicht nur in gewünschte, sondern auch in ungewünschte Richtungen.

Der Kraftaufbau und das Bewegen des Körpers finden mit fortschreitendem Training mehr und mehr im Körperinneren statt. Diesen durchaus schwierigen Schritt versäumen viele Karateka, jedoch beginnt der Sport hier zur effektiven Kampfkunst zu werden. Sie führen die Techniken auch im fortgeschrittenen Stadium noch weit und groß aus, lediglich immer schneller und kraftvoller. Solange man aber auf große  Ausholbewegungen oder das Nutzen großer Distanzen zur Beschleunigung trainiert ist, können viele Techniken nicht effektiv gegen schnelle und direkte Angriffe eingesetzt werden, egal wie eindrucksvoll die Blocks zu Ende geführt aussehen mögen. Die Entwicklung von aussen nach innen fehlt. Wird hauptsächlich auf Kraft und Geschwindigkeit trainiert, dann wird ein Kampf zum „Kräftemessen“. Dies passt nicht zum Grundsatz des alten Karate, wo es um Tricks und Prinzipien geht, die auch in unfairen Ausgangslagen anwendbar sind und schützen sollen.

Die Gerade und der Kreis. Geradlinig ausgeführte Techniken, welche den direkten Weg auf das Ziel nehmen, sind schwer zu erkennen. Wenn sich der Körper gleichzeitig geschmeidig dazu bewegen und verschiedene Winkel zum Gegner annehmen kann, lösen diese Bewegungen keine Reaktion bzw. keinen Blockreflex aus. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für den Fauststoß, sondern für alle Techniken des Karate. Es gibt Hebel, Griffe, Stösse, Tritte, Rempler, Würfe sowie Techniken gegen all diese Angriffe. Motorische Prinzipien, die in den alten Karate-Kata ebenfalls enthalten sind.

Einen Kreis mit einer Geraden machen, das japanische Schwert als Vorbild. Die Entwicklung effektiver Kampfprinzipien gipfelte für das Karate aus Shuri im grundlegenden Prinzip, einen Kreis durch eine gerade Linie zu erzeugen. Dies meint stets geradlinige Techniken auszuführen, welche dennoch die Unterstützung aller beteiligten Gelenke haben. Geradlinige Techniken nehmen die kürzeste Bahn zum Ziel. Die Kunst dahinter ist es, im Körper genügend Energie zu erzeugen und die Schwerkraft so gezielt einzusetzen, dass diese Techniken ausserordentlich effektiv sind, trotz der kurzen Wege. Dies führt bis hin zu sogenannten One-Inch-Techniken, die in den Körper eindringen, obwohl Hand oder Faust bereits am gegnerischen Körper anliegen und kaum Weg zur Beschleunigung bleibt. Hier besteht also eine Distanz von null beim Start der Technik, dennoch soll Schlagwirkung erzeugt werden und die Technik in den Körper eindringen. Die Idee der Geraden steht im Gegensatz zu Kampfstilen, die kreisförmige Bahnen der Extremitäten durch kreisförmige Bewegungen des Körperkerns oder näher am Körper gelegene Gelenke (wie die Ellbogen) erzeugen (einen Kreis durch einen Kreis machen).

Dieses sehr grundlegende Prinzip ist in den moderneren Varianten des Karate verschwommen, was nicht nur eine Veränderung vieler Techniken bedeutete, sondern sich auch auf die Körpermotorik insgesamt auswirkte. Das „Kreis durch eine Gerade-Prinzip“ beschreibt die Analogie zu einem Schwerthieb, bei dem die Hände am Schwertgriff auf einer geraden Linie vor und runter bewegt werden, die Schwertspitze jedoch die maximale Energie auf einer Kreisbahn aufnimmt. So ergänzen sich die kürzeste Verbindung (die gerade Linie) mit maximaler Energieerzeugung (Kreisbahn). Selbiges Prinzip findet auch im Yamanni-Ryu Kobudo Anwendung, egal ob mit Bo oder Sai.

Keine unnötigen Bewegungen.

Da auf einen Angriff schnell und direkt reagiert werden muß, sind keine äusseren Ausholbewegungen in der fortgeschrittenen Ausführungsart von Abwehrtechniken enthalten. Ein direkter Angriff kann nicht erfolgreich mit einer Technik unschädlich gemacht werden, der eine Ausholbewegung voraus geht. Das Ausholen bewegt unsinniger Weise unsere Arme oft zunächst in die entgegengesetzte Richtung. Warum trainiert man sich im Karate dann Ausholbewegungen an? Für Anfänger ist es leichter, die Bewegungen weitläufig auzuführen und das Öffnen und Schliessen des Körpers durch weite Ausholbewegungen zu trainieren. Mit fortschrittlicher werdenden Fähigkeiten, sollten diese Extrabewegungen immer kleiner werden, bis sie schließlich nahezu gänzlich wegfallen. Dann wird die für die Techniken notwendige Dynamik innerhalb des Körpers erzeugt und die Muskel-/ Gelenkarbeit ist optimal ausgebildet. Durch das Training wird eine innere Dynamik des Muskeleinsatzes entwickelt, welche die Blocktechniken trotz kurzer Wege sehr hart und überraschend unangenehm für den Gegner werden läßt und Angriffscharakter in sich trägt. Generell gilt für die Techniken, dass in die Luft geschlagen keine größere Kraft am eigenen Körper spürbar sein sollte. Diese Kraft wäre gegen den eigenen Körper gerichtet, sonst würde man sie nicht spüren können. Die Kraft, die man an sich spürt, wird beim Kontakt dann nicht an den Gegner übertragen. Es wird also jede statische Anspannung zum Ende der eigenen Technik hin vermieden. Die Technik soll möglichst ungebremst im Ziel landen und auch im Ziel nicht bewusst gebremst werden. Damit ergibt sich eine sehr durchdringende Wirkung der Techniken.
Die Ellbogen sollten sich auch bei einer Ausholbewegung niemals entgegen der für die Technik benötigten Richtung bewegen. Dies spart Zeit und stabilisiert unsere Körperdynamik. Wir sind nicht so leicht manipulierbar, wenn wir unsere Gelenke unter Kontrolle und stabil haben. Dies ist der erste Schritt, weg von ausschweifenden Ausholbewegungen.
Anwendungsorientiert  könnte man sagen, dass die Ausholbewegung bereits eine eigenständige Technik ist und der Block diese Technik abschliesst mit einer weiteren Technik. Dieser Aspekt sollte jedoch nicht den zuvor genannten vergessen lassen, welcher ein wesentliches Prinzip darstellt. Es geht nicht darum, die Ausholbewegungen immer schneller ausführen zu können, sondern sie immer weiter verschwinden zu lassen. Ansonsten hat man immer einen 1-2 Rhythmus für Ausholen und eigentliche Technik, egal wie schnell man wird. Aus 1-2 soll jedoch 1 werden.

Was passiert auf dem Weg?

Viele achten nicht auf den Schutz ihrer Vitalpunkte in der Bewegung. Die Bewegung sollte diesen Schutz jedoch hergeben. Die eigentliche Technik ist nicht die fertige Endhaltung oder die fertige Stellung, sondern passiert auf dem Weg dorthin. Genauso muss einkalkuliert werden, das der Gegner nicht abwartet mit seiner Gegentechnik, sondern in unseren Angriff reinschlägt. Die Technik muss so geführt werden, dass dem anderen keine Chance zur Aktion, nichtmal zu einer Reaktion oder einem Reflex bleibt. Die ausgeklügelte Bewegungsmotorik der alten Kunst verbirgt die Technik in der Bewegung des gesamten Körpers und bringt die Energie aller Gelenke und der großen Rückenmuskeln ein (siehe Gamaku). Dadurch können weite Bewegungen der äusseren Extremitäten wegfallen. Man wird auf diese Weise auch mit kleinen oder kurzen Techniken sehr effektiv. Dies ist Teil des Prinzips der verborgenden Waffen, welches Kakushi Buki genannt wird. Auch im Kobudo hält und führt man die Waffen so, dass sie entweder verborgen sind oder in Länge und Beschaffenheit nicht eingeschätzt werden können. Was für das Kobudo gilt, gilt auch für das Karate. Beim Karate bilden Arme und Beine die Hauptwaffen. Die Technik beginnt also früh und nicht erst am Ende der Bewegung. Schutz der Vitalpunkte muss in der Bewegung gewahrt bleiben, der Oberkörper sollte niemals frontal zum Gegner zeigen (siehe Hanmi).

Entscheidung nicht am Ende der Technik. Die wichtige Frage ist stets: Wie bewege ich mich von A (Ausgangspunkt) nach B (fertiger Stand) und was passiert dazwischen. B ergibt sich ohne Partner traineirt dadurch, dass ich die Technik bis zum Schluss führen muss und es zwischendurch nicht zu einem Kontakt kommen kann. Am realen Gegner würde der Kontakt jedoch bereits vor erreichen von B stattfinden. B ist damit in gewisser Weise im Moment des Erreichens bereits wieder wertlos, da die Entscheidung schon vorher stattgefunden hat. Viele Stile beginnen z.B. den Fauststoß erst am Ende des Vorwärtsschrittes und rasten die Technik unter starker Anspannung vieler Muskeln ein. Dies ist jedoch realistisch betrachtet ein unpassender Moment, denn der Kontakt hat bereits stattgefunden und man muss sich fließend weiter bewegen können. Sicherlich spielen Stabilitäts- und Kraftgedanken eine Rolle. Schritt vor, stabilisieren und Fauststoß. Diese Methode ist vor allem leichter zu lernen. Stabilität und Balance üben wir schließlich, seitdem wir geboren wurden. Schritt und Stoß werden dann immer schneller mit fortschreitender Übung. Aber…

Das Problem des Rhythmus: Es bleibt dadurch immer ein Rhythmus von Schritt, dann Fauststoß (1-2). Das „Einrasten“ in die Endhaltung kann noch so kraftvoll aussehen, wenn man sich nicht auf effektive Art und Weise dort hin bewegte und den Treffer auf dem Weg in diese Haltung bereits gesetzt hat, dann hat der Gegner zu viel Zeit zu reagieren. Zudem trägt man die eigene bewegte Körpermasse nicht mehr in der Technik, da man ihre Energie beim Aufsetzen des Fußes und beim Stabilisieren stoppen muss. Die Technik muß daher möglichst in der Körperbewegung verborgen begonnen und ausgeführt werden.

Vorteile: Die alte Methode führt die Technik in der Bewegung aus und nicht erst zum Ende des Schrittes (der in der Länge völlig variabel ist). So sorgt sie dafür, dass sich Arm- und Körpergeschwindigkeit addieren. Außerdem ist während der Bewegung die gesamte Masse in Bewegung und damit zusätzlich hinter der Technik. Aus Beschleunigung und Masse ergibt sich die Energie. Der Fokus auf die Endhaltungen und ihrer Betonung durch starkes Einrasten (Anspannung) kam einerseits durch die Einführung und Bewertung der Katavorführung auf Turnieren zustande. Andererseits jedoch vermutlich schon früher, als Funakoshi Gichin Bildserien von Kata mit den einzelnen Haltungen an die Karateka in Tokio verteilte. Anhand der Bildserien konnte man die Kataabläufe üben. Das haben später in ähnlicher Art viele Buchautoren übernommen.

Mythos Stabilität, die Folge: Statik.

Zum Thema Stabilität der Stände höre ich immer wieder, dass ein breiterer Zenkutsu Dachi stabiler wäre, als eine schmale Version dieses Standes. Dies konnte mir noch nie praktisch bewiesen werden. Die Instabilität eines Standes ist am größten, wenn der Druck im 90 Grad Winkel zu der Linie kommt, welche die beiden Füße verbindet. Der Mythos über die Bedeutung von Stabiliät sorgte dafür, dass dynamische Stände zu statischen Ständen wurden und die Kontrolle der Balance als wichtiger eingestuft wurde, als die Kontrolle über die Unbalance zu bekommen und diese zu nutzen.

Schmaler Stand nicht automatisch unstabil

Daher ist ein sehr schmaler Zenkutsu Dachi absolut stabil in genau die Richtung, in die kurz Stabilität benötigt wird: nach vorne. Schaut man sich die (roten) 90 Grad Linien der Abbildung an, wird deutlich, dass ein breiter Zenkutsu bereits früher einem unstabilen Winkel angegriffen werden kann, als der schmale Zenkutsu. Bei Letzterem muss der Druck direkt von der Seite erzeugt werden, um seine Unstabilität voll zu treffen, was schwierig ist, wenn man voreinander steht. Der breite Zenkutsu Dachi führte zu einem weiteren Problem, nämlich der Missachtung des Hanmi-Prinzips und damit des Schutzes der eigenen Vitalpunkte.

Bewegungsschule – Problem der Statik. Kampfkunst nach dem Shorin Ryu bedeutet, die Unbalance beherrschen und einsetzen zu lernen. Dadurch hat man eine immer wirkende Kraft auf der eigenen Seite: Die Schwerkraft und das resultierende eigene Gewicht. Eine echte Konfrontation ist genauso unberechenbar und unbalanciert und man hat dann stets alle Möglichkeiten offen und ist nicht statisch festgelegt. Den Schwerpunkt legt man idealer Weise vor dem Angriff zwischen sich und den Gegner und nicht unterhalb des eigenen Körpers. Für seitlich ausweichende Bewegungen wird die Balance in den entsprechenden Richtungen gebrochen und der Körper bewegt sich ansatzlos dort hin. Ansonsten müsste man die Masseträgheit ständig überwinden und hat nicht den automatischen Gegendruck in Richtung des Druckes, welchen der Gegner ausübt. Hat man keinen natürlichen Gegendruck aufgebaut, müsste man zur Stabilisierung wieder in statisch verwurzelte Stände übergehen, welche nicht der flexibel beweglichen Ausrichtung der Shorin Linie entsprechen.

Dynamische Stände. Das Beherrschen sogenannter, dynamischer Stände ist von größter Bedeutung, um die Bewegungen ansatzlos starten zu können. Dies steht im Gegensatz zu statischen Ständen, bei denen der Schwerpunkt ausbalanciert unter die Körpermitte fällt. Dies entspricht zwar unserer Natur, stets im Gleichgewicht zu sein, zwingt uns jedoch dazu aktiv die Masseträgheit zu überwinden. Im Shorin-Ryu wollen wir unseren Körper ansatzlos und ohne Kraftaufwand von der Stelle bewegen können. Ein stabiler Stand wäre dafür hinderlich, denn es liegt in der Natur tiefer Stände, uns auf der Stelle zu verwurzeln. Die dann notwendige Überwindung der Masseträgheit geschieht dann oft, indem „in den Boden getreten“ wird, einem Aktion/ Reaktions Prinzip folgend. Das Voranbewegen des Körpers basiert  dann auf einem sprintähnlichen Abstossen des Fusses vom Boden. Ein derartiges Abstossen ist sichtbar, muß die Masseträgheit des Körpers überwinden, braucht entsprechend immer Zeit und Energie. All dieses gibt dem Gegner Informationen und Gelegenheit, sich auf den startenden Angriff vorzubereiten. Die eigenen Bewegungen sollten jedoch keine Abwehr- oder Konterreflexe des Gegners auslösen. Unscheinbar ausgeführtes Hineinfallen als Bewegungsstart ist dagegen nicht oder nur schwer wahrnehmbar. Der sichtbare Ruck beim Überwinden der eigenen Masseträgheit entfällt völlig. Durch viel Training und Talent ließe sich auch dieser Ruck der Trägheitsüberwindung minimieren, er wird jedoch stets für denjenigen sichtbar bleiben, der ein geschultes Auge hat. Warum also ein Reaktionsprinzip benutzen, welches zusätzlichen Muskelaufwand benötigt, wenn man sich der Natur, in diesem Falle der Schwerkraft bedienen kann. So arbeitet man mit der Natur anstatt sich gegen sie zu bemühen.

Die Natur nutzen. Okinawanisches Karate ist damit keine Sammlung einzelner Techniken, sondern eine umfassende Bewegungsschule. Aus jeder vom Körper erlernten Bewegung kann – je nach Situation – eine andere Anwendung entstehen. Wesentliches Ziel des Karatetrainings ist es, eine innere Körperdynamik zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigt. Dafür ist die spielerische Beherrschung des eigenen Körpergewichts in Hinsicht auf das Ungleichgewicht notwendig. Schon im Kindesalter lernen wir unseren Körper immer in der Balance (im Gleichgewicht) zu halten. Um uns ansatzlos Bewegen zu können und die Masse des Körpers hinter die eigenen Techniken zu bringen, müssen wir dieses Gefühl bedarfsweise aufzugeben lernen. Die Masse bzw. der Schwerpunkt muss je nach Anwendung verlagert werden und sollte nie direkt unter dem Körper sein. Dies gilt für Schlagtechniken genauso wie für Hebel, Stösse und Würfe.

„Rakuro no ki“ – Der fallende Tropfen. Es ist nicht leicht, den Schwerpunkt über eine ganze Kata hinweg immer in die richtigen Richtungen zu verlagern und ihn nahezu nie unter den Körper wandern zu lassen. Der Schwerpunkt muß jedoch immer dort sein, wo er uns als nächstes nützt. Fällt er unter dem Körper, dann sieht das geübte Auge in jeder neuen Bewegung den Ansatz und wir verbrauchen mehr Energie als nötig. Der Moment von der Ruhe in die Bewegung wird sichtbar, der Gegner kann reagieren. Bildliches Gleichnis ist der am Blatt hängende Tropfen. Er löst sich plötzlich ohne Vorzeichen oder Energieaufwand vom Blatt.  Die Schwerkraft dient als natürlich vorhandene Energiequelle. Es ist kein zurätzlicher Energieaufwand nötig, um die Fallbewegung zu starten, da er lediglich dem Zug der Schwerkraft nachgibt. Die alte Art der Bewegung soll so aussehen, als würde sich der Tropfen plötzlich und ohne jede weitere Bewegung von Blatt oder Ast lösen – einfach fallen und dann aktiv Beschleunigen. Blatt oder Ast müssen nicht erst ausholen, also Energie aufbauen, um den Tropfen weg zu stoßen.
Verlasse ich mich auf das Aktion-Reaktion-Prinzip, trete ich also in den Boden, um mich vor zu katapultieren, dann wende ich unnötige Energie auf. Es ist, als würde der Ast kurz ausholen, um den Tropfen fallen zu lassen. Die Energieerzeugung ist sichtbar und der Start der Bewegung wird kurz verzögert. Dies entspricht nicht der ausgeklügelten Strategie des ansatzlosen Startens.

Stände der Unbalance. Ebenfalls in modernen Stilen aufgrund mangelnder Übertragung des Hintergrundwissens eher vernachlässigte Stände wie der Neko-Ashi-Dachi (Katzenfuss-Stand) oder auch der Kage-Ashi-Dachi (seitlicher Übersetzschritt) sind Beispiele, wenn es um die subtile Nutzung der Schwerkraft durch Verlagerung des eigenen Schwerpunktes geht. Der Kage-Ashi-Dachi ist prinzipiell nichts anderes, als ein Neko-Ashi-Dachi jedoch um 90 Grad versetzt zur Seite ausgeführt.

Kokutsu Dachi vs. Neko Ashi Dachi. In den Kata des modernen Karate wurde der Neko-Ashi-Dachi durch den Kokutsu-Dachi ersetzt, was einer Ausserkraftsetzung des dynamischen Prinzips der Schwerkraftnutzung gleich kommt. Kann der Schwerpunkt im Neko-Ashi Dachi direkt nach vorne verlagert werden, ist er im Kokutsu Dachi unweigerlich nach hinten verlagert. Daher ist sogar noch einmal zusätzliche Energie, Zeit und “Telegrafie” notwendig, um vom rückwärtig gelagerten Kokutsu Dachi den Gegenangriff zu führen und die eigene Masse damit wieder nach vorne zu verlagern. Im okinawischen Karate kam der Kokustu-Dachi daher nahezu nirgendwo vor. Der Neko-Ashi-Dachi kann in der Anwendung zum Blockieren oder Werfen des Gegners benutzt werden oder dessen Kniegelenke angreifen.

Der halbe Körper: In „Hamni“ stehen.

Hanmi ist ein wichtiges Prinzip, welches alle traditionellen Stände, Haltungen und sogar die Bewegungen des Shorin Ryu Karate durchzieht. Es bedeutet, das wir stets unsere mit den empfindlichsten Vitalpunkten bestückte, senkrechte Mittellinie (Seichusen genannt) des Körpers vor dem direkten gegnerischen Zugang verbergen. Auf dieser Linie befinden sich Augen, Nase, Hals, Herz, Solar Plexus und Genitalbereich. Übersetzt heisst „Hanmi“, dass wir nur mit dem „halben Körper“ zum Gegner zeigen. Der gegnerische Angriff kann uns nicht direkt erreichen, sondern muss seitlich eindringen. Diesen automatischen Selbstschutz verliert man in frontalen Haltungen (Oi-Zuki) völlig. Ein frontaler Oberkörper bietet eine große Angriffsfläche und entblöst die zu schützende Mittellinie. Kata trainieren, die Seichusenlinie während des Einsatzes vielfältiger Technikprinzipien entlang des Enbusen (Schrittdiagram der Kata) stets vor direktem Zugriff zu verbergen. Ein frontaler Oberkörper in breitem Stand sorgt für ein Abhandenkommen der Enbusenlinie als einer schmalen Linie. Es entsteht eine breites Enbusen bzw. zwei Aussenlinien.

 

Ein weiteres Abdrehen des Oberkörpers wird „Mahamni“ genannt und ebenfalls eingesetzt. Übung zum Entzug des SeichusenDurch das Bewegen in Hanmi und Mahamni können die Körperseiten Angriffen ausweichen, auf einfache Weise und ohne dafür einen Arm zum Blocken verschwenden zu müssen. Die Arme können zum Angriff genutzt werden. Erfolgt ein Angriff zur Seichusenlinie, dann ist ein Ausweichen jedoch schwieriger. Hier kommen die Bewegungsprinzipien der Katatechniken ins Spiel. Sämtliche Techniken und Zwischenbewegungen können so ausgeführt werden, dass sie zusätzlichen Schutz bieten, egal ob in der Endhaltung oder während der Bewegung. Ob jemand dieses Prinzip verstanden und verinnerlicht hat, sieht man bereits an der Führung von Arm und Ellbogen beim Ausführen einer Kata. Mit dem entsprechendem Verständnis trainiert, bilden die Kata selbstschützende Haltungen und Führungen von Armen und Gelenken aus.

Die 45 Grad Faust.

Ganz am Ende der Technik, beispielsweise des Fauststoßes, viel Kraft einzusetzen, widerspricht der Logik des praktischen Einsatzes. Man trifft den Gegner nicht am Ende des Ausführungsweges der Technik, sondern bei ca 80% des Weges der Armstreckung. Trifft nun die Faust, ist sie noch nicht voll eingedreht und gibt den ersten Schlagimpuls in den Körper. Die Faust gräbt sich ein und dann kann mit der weiteren Drehung und dem vorschieben der Knöchel in die Entspannungsphase des gegnerischen Körpers noch tiefer geschlagen werden. Das sind unangehmsten Schläge, die sich anfühlene, als wären selbst zur Bauchregion die Muskeln dann nutzlos. Es ergibt sich bereits dann ein durchdringendes Gefühl, wenn der Schlag recht entspannt ausgeführt wird. Analog zum Schlag mit dem Bo im Yamanni Ryu wäre der voll gesteckte Fauststoß vergleichbar mit dem fortgeschrittenen Vorstoßen des Bo, bei dem die Spitze am Ende eintaucht.

Kein erster Block und kein Rhythmus im Karate.

Zu den direkten Angriffstechniken gesellen sich Techniken zur effektiven Abwehr gegen alle möglichen Angriffe zu sämtlichen Körperregionen. Die Besonderheit des alten Karate ist, dass die Abwehrtechniken bereits den Gegner angreifen, den eigenen Körper schützen und eigene Folgeangriffe direkt einleiten. Diese wichtige Eigenschaft darf auch den Blocktechniken nicht verloren gehen. Karate wurde teilweise stark defensiviert. Somit unterscheiden sich daher in Haltung und Ausführung alte im Vergleich zu den moderneren Versionen.

Nachdem die Amerikaner den Krieg gewonnen hatten, wurden aggressive Kampfkünste in Japan verboten. Vielleicht konnten die Japaner für das Karate nur durch eine Verlagerung des Technikwesens auf defensive und friedfertige Eigenschaften die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Trainings um 1950 erreichen. Aus den Techniken wurden reine Blocktechniken, oftmals mit einem Rückwärtsschritt kombiniert. Dies widerspricht natürlich der ursprünglichen Asurichtung der Kampfkunst, dem Angreifer mit der ersten eigenen Aktion die Angriffsinitiative abzunehmen. Mit einem reinen Block ist dies nicht sicher zu bewerkstelligen.

Age Uke kann einen Angriff ableiten, gleichzeitig greift der Ellbogen an bzw. stellt sich dem Gegner in den Weg. Der Arm schützt die dahinterliegende Körperregion. Der Hiki-Te Arm lässt sich situationsbedingt frei einsetzen.

Block und Gegenangriff zu trennen, ist im Anfänger- oder Kindertraining sicherlich berechtigt, widerspricht in Hinsicht auf die reale Konfrontation jedoch gleich mehreren Grundsätzen der alten Idee und spiegelt sich selbst in den modernen Kataversionen nicht wieder.
Denn in den alten wie auch in den modernen Kata geht man blockend vor. Warum? Weil es keine Blocktechniken sind auch wenn sie so aussehen. Kleinere Veränderungen an diesen Techniken während der Veröffentlichung des Karate führten dazu, dass sie so nicht mehr offensiv zu gebrauchen waren. In den Kata folgt dementsprechend auf eine „Blocktechnik“ idR. kein Gyaku-Zuki (Fauststoß) als Konter, weil die „Blocktechnik“ ursprünglich keine Technik des reinen Blockens war.

Liest man die Kata, wird deutlich, dass mit der ersten Aktion bereits verhindern wollen, dass der Gegner seinen Angriff fortsetzen kann. Führt man das Block/ Konter Prinzip und den Rückwärtsgang bis in die fortgeschrittenen Stufen in die Grundschule (Kihon) ein, dann trainiert man entgegen dessen, was die Kata zeigen.

Man sollte sich nicht auf ein in zwei aufeinanderfolgenden Zeiten geschehendes Block/ Konter Prinzip verlassen. Dem alten Karate und den Kata ist ein derartiger Rhythmus nicht zu eigen. Auf „2“ kann nämlich auch der Gegner mit der nächsten Technik kontern, wir würden in eine patt Situation geraten. Er wird kaum seinen Angriff grundlos unterbrechen um auf den Konter zu warten. Gehen wir als Verteidiger nun auf „1- Block“ rückwärts und der Angreifer vorwärts, so geraten wir doppelt ins Hintertreffen. Den Angriff vorwärts fort zu führen ist einfacher, als blockend UND rückwärts gehend aufholen zu wollen.  Es gilt, dem Angreifer die Initiative (jap. Sen) sofort abzunehmen und die Auseinandersetzung schnell zu beenden, wenn sie sich schon nicht im Vorfelde vermeiden ließ. Im modernen Karate werden bestimmte Techniken als reine Abwehr trainiert, um danach erst den Konter zu setzen. Eine solche Art des Trainings geht u.a. auf Vereinfachungen und  „Entschärfungen“ des Karates zurück, die breits zu Zeiten der Einführung des Karate an ersten okinawanischen Schulen um 1900 begannen.

Beim Verteidigen des eigenen Lebens will man keinen Schlagabtausch, oder Block/ Konterversuch. Man will den Gegner ohne Bruch durchqueren. Kata mit diesem Verständnis ist dem freien Kumite sehr ähnlich, man kann auch dort nicht davon ausgehen, dass der andere, vom harten Block beeindruckt, seinen Angriff nach 1-2 Techniken freiwillig stoppt und Zeit für das Kontern lässt. Was heute also oftmals als defensiv  und womöglich im Rückwärtsgang geführte Blockbewegung gedeutet wird, war ursprünglich bereits die erste Stufe des Angriffs. Auf entsprechende Weise ausgeführt, können Uchi-Uke, Soto-Uke, Age-Uke und alle anderen Technik eine Angriff sein oder ihn sich tragen. 

Die blockende Hand ist oftmals die vordere Hand. Diese ist dem Gegner und dessen Schwachstellen automatisch nahe und kann fliessend zum Angriff benutzt werden. Mit der weiter zurück liegenden Hand anzugreifen (z.B. Gyaku Zuki) bedeutet mehr Zeit zu benötigen. Die zurückgehende (Hiki-Te) Hand trainiert vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Wichtig ist der Einsatz als greifende und zumindest kurz ziehende Hand. Die Hiki-Te Hand wird in der Kata zur Hüfte gezogen. Diese Richtung bedeutet eine günstige Kraftrichtung für verschiedenste Anwendungen. Beim Umgang mit dem Bo beschleunigt die Hiki-Te Hand mit einer dem Karate gleichenden Bewegung die Waffe, während die vorgehende Hand den Drehpunkt bildet und die Richtung des Bo bestimmt.

Wie kam der Block/ Konter Gedanke in das Karate?

Der ins kollektive moderne Karate-Bewustsein eingearbeitete Leitsatz Funakoshis „Es gibt keinen ersten Angriff im Karate“ bedeutet nicht, dass man zunächst defensiv blocken müsse. Dies würde einem Aggressor entscheidende Vorteile veschaffen. Es lohnt sich, den gängigen Zitaten und Interpretationen auf den Grund zu gehen und die Bücher der Zitierten zu studieren. An viele Informationen kommen wir heute recht einfach heran. Die Kata lassen sich dann bereits klarer lesen und wirken inspirierender als eine reine Abfolge von Techniken es bewerkstelligen könnte. Funakoshi schrieb: „Das Alte zu studieren, heisst das Neue zu verstehen. Alt oder Neu, es ist nur eine Frage der Zeit.“

Die Verneinung eines ersten Blocks mag auf den ersten Blick aggressiv erscheinen, jedoch hat der Angreifer in diesem Moment ja bereits die Initiative agressiv vor zu gehen übernommen. Nach dem „Sen sen no sen“ Prinzip entsteht der erste Angriff mit dem im Kopf stattfindenden geistigen Ruck zur körperlichen Attacke. Damit hat der Gegner den Vorteil der ersten Aktion und des Vorwärtsdrangs. Dies stellt eine äusserst gefährliche Situation für den Verteidiger dar, welcher sich nun möglichst keinen Fehler erlauben darf.

Zitat von Gichin Funakoshi (Karate-Do Nyumon): Zu Beginn sollte man Abwehr und Gegenangriff als zwei getrennte Techniken ausführen. Damit wird gewährleistet, dass die Abwehrtechnik nicht vernachlässigt und der Gegenangriff stark und genau ausgeführt wird. Später müssen Abwehr und Gegenangriff eins werden.“

Motobu Choki wurde um 1920 von vielen Meistern seiner Zeit als geschicktester Kämpfer bezeichnet, fristete dennoch die Publikmachung des Karate betreffend, eher ein Schattendasein. Er bekräftigte dass die Methode, mit einer Hand zu blocken und mit der anderen zu kontern keine Technik der Kampfkunst ist.

Karate ni sente nashi (es gibt keinen ersten Angriff im Karate). In der Vergangenheit kam es zu Fehlinterpretationen der Grundidee des Karate. Maßgeblich sorgte ein Grundsatz Funakoshi Gichins für Verwirrung, dem zufolge es im Karate keinen ersten Angriff geben würde. Weiter gefolgert hat man nämlich aus diesem Satz, dass zunächst ein defensiver Block erfolgen müsse und das auch die Kata immer mit einem Block beginnen würden. Dies klingt nach einer moralisch und philosophisch einwandfreien Idee der ehrenhaften Selbstverteidigung, ist jedoch schlichtweg falsch, wie man leicht aus Funakoshis Büchern entnehmen kann. Solche Missverständnisse liegen in der starken Verwässerung der Grundprinzipien des alten Karate begründet, die eintrat als das Karate zu einem Massenprodukt wurde.
Funakoshi stimmt zu. Wenn man Funakoshis  Aussagen zu einer bedrohlichen Konfrontation liest, wird unmissverständlich klar, dass auch er nicht vom Verteidiger erwartet, sich in eine gefährliche Situation zu begeben durch diese Strategie des ersten Blocks. Die Grundidee besteht nicht darin, dass man sich zuerst zurückweichend in die Defensive begeben soll mit einer blockenden Bewegung um danach zu versuchen selbst anzugreifen. Ziel der Karatetechniken ist es, den eigenen Angriff bereits mit dem sogenannten „ersten Block“ zu beginnen oder den Gegner direkt anzugreifen, indem man seinen Angriff umgehend den eigenen Angriff in ihn hineinträgt. Letzteres Prinzip benutzt auf den Weg in den Gegner hinein, ableitende Bewegungen, die den Gegner kaum spüren lassen, dass seine Angriffe umgeleitet werden. Entsprechend ist die Struktur der Karatetechniken und seiner Kata aufgebaut. Die Kata gehen entsprechend vorwärts oder in bestimmte Winkel, aber nicht rückwärts. Man arbeitet sich mit seinem Körper entlang einer Linie, welche auch heute noch als „Enbusen“ bekannt ist. Die Techniken und die Prinzipien sind so ausgerichtet, dass man die eigenen Schwachstellen oder die zu schützenden Körperregionen bestmöglich während der Bewegung abschirmt. Der alte Sinn des Umgangs mit der Linie ist jedoch im modernen Katatraining so nicht mehr zu finden.

Die Initiative erlangen – Sen. Auch weitere bekannte okinawanische Meister wie Nagamine Shoshin, Mabuni Kenei und Funakoshi Gichin bekräftigen die Notwendigkeit der direkten Verbindung von Abwehr und Angriff im Karate. Im Karate soll eine Abwehr bereits einen Angriff in sich tragen. In diesem Zusammenhang sind die bekannten Begriffe “Go no Sen”, “Sen no Sen” und Sen Sen no Sen” zu sehen. Es geht hierbei immer um den Zeitpunkt, in dem man die Initiative ergreift, um den Kampf zu beenden.

Sen Sen no Sen. Die eigene Initiative den Kampf durch Einsatz körperlicher Gewalt wird hier in dem Moment übernommen, wo sich der potentielle Angreifer gerade den geistigen Impuls zum Angriff gibt (strafrechtlich u.U. bedenklich), sein Angriff also unmitelbar bevorsteht und nicht mehr abwendbar scheint. Diese Situation lässt sich als eine Art präventiver Erstschlag bezeichnen, denn niemand muss sich unverschuldet einer Situation ausliefern, die die eigene körperliche Unversehrtheit gefährdet.

Sen no Sen. Sobald der Agressor seinen Angriff körperlich startet beendet man den Kampf indem man in dessen Angriff mit einer entsprechenden Technik hinein geht. Man bringt die eigene Technik ins Ziel in den gestarteten gegnerischen Angriff. Die Kunst dabei ist, selbst kein Ziel zu bieten und schneller als der Angreifer zu sein. Für weite Ausweichbewegungen ist hier kein Platz.

Go no Sen. Dieses Prinzip beschreibt den spätesten eigenen Ansatz der Initative. Er erfolgt in dem Moment, wo der Agressor seinen Angriff ausführt und sich zwangsweise eine “Lücke” in seinem Angriff eröffnet. Der gegnerische Angriff wird dabei evtl. blockend umgangen um die eigene Technik darauf direkt ins Ziel zu bringen. Es geht hier nicht darum, den vorwärts drängenden Angriff zurückweichend defensiv zu blocken und dann erst die Angriffinitiative starten zu wollen (dies müßte man dann vielleicht “Go Go no Sen” nennen). Ein solches Prinzip gibt es nicht, da man sich in eine nachteilige Situation in mehrfacher Hinsicht begeben würde. Man würde sich einen Schritt hinter die Aktionen des Angreifers begeben um dann zu versuchen, ihn wieder einzuholen. Dieses selbstgefährdende Prinzip wird manchmal irrtümlicher Weise als Go no Sen verstanden und trainiert. Konsequenter Weise müsste man es als eine Art „Go Go no Sen“ bezeichnen.

Härte wird nicht durch Anspannung erzeugt.

Hierzu passt das bekannte Zitat „Benutze Hände und Füße wie Schwerter“ des aus Gichin Funakoshis Schriften bekannten Meisters Itosu Anko. Um den Arm wie ein Schwert einsetzen zu können, muß jegliche unnötige Muskelspannung ausgeschaltet werden. Werden die Muskeln am Ende der Technik angespannt, um vielleicht ein »Gefühl von Kraft« zu spüren, dann schieben sie sich im entscheidenden Moment der Technik wie ein Dämpfer vor die Knochen des Unterarms. Muskeln sind immer weicher als Knochen. Dies hat zur Folge, dass ein Unterarmblock weich wird und den aggressiven Gegner kaum beeindruckt. Will man den Unterarm wie ein Schwert benutzen, dann muß man lernen, mit den eigenen Knochen zu schlagen.

Würde unser Körper am Ende einer Technik angespannt werden, dann könnte eine ableitende Bewegung des Gegners an unserem Handgelenk durch das kurzzeitig starre Körperkonstrukt, unseren gesamten Körper manipulieren. Beherrscht man dagegen Spannung und Entspannung zeitgleich, dann würde lediglich der Unterarm abgeleitet werden. Der Ellbogen könnte beispielsweise fließend weiter in Richtung Ziel geschickt werden.

Es sollen äusserst schmerzhafte Techniken auch auf kurzen Wegen erreicht werden können. Für den Fauststoß würde ein Anspannen am Ende der Technik bedeuten, dass man die zuvor aufgebaute Bewegungsenergie selbst bremst, anstatt sie an den Gegner abzugeben. Spürbare eigene Muskelspannung am Ende der Technik fühlt sich vielleicht stark an, ist jedoch „gegen“ den eigenen Körper gerichtet (denn man fühlt sie ja selbst) und würde somit nicht an den Gegner abgegeben werden. Die Technik soll möglichst ungebremst im Ziel landen und auch im Ziel nicht bewusst gebremst werden. Damit ergibt sich eine sehr durchdringende Wirkung der Techniken. Das Anspannen erzeugt ähnlich wie beim Block zwar ein »Gefühl von Kraft«, da man dieses Gefühl jedoch an sich selber spürt, gibt man diesen Kraftanteil nicht an den Gegner ab. In die Luft geschlagene Techniken sollten sich daher eher leicht anfühlen.
Weich geht es auch. Die Bedeutung des harten Blockens wurde ausführlich behandelt. Jedoch sollte man auch derart weich und den Angriff ableitend „blocken“ können, das man die Abwehrbewegung quasi während des Führens des eigenen Konters ins Ziel versteckt. Für diesen Zweck verbergen sich in den Kata viele Zwischenbewegungen, auch Techniken mit der offenen Hand.

 

Gamaku – den Körper tragen, zusammenziehen und ausdehen. Um diese Kampfkunst zu verstehen, muss man von bestimmten Vorstellungen von Krafteinsatz und sogar dem „Gehen“ weg kommen. Ausgangspunkt der Bewegungen ist der (Ober-)Körper selbst. Es ist zunächst ungewohnt und kaum schriftlich erklärbar, den Oberkörper in mehrere Komponenten aufzuteilen und diese für Technik und Bewegung einzusetzen. Da die Beine am Körper hängen, geraten sie in der Bewegung automatisch mit. Somit wird der angegriffene Oberkörper beweglicher und schneller, denn er muss nicht mehr auf das Setzen der Füße warten. Hat man einmal diese grundlegende Idee erfasst, bekommt die Motorik der Kata eine bis dahin ungeahnte Ebene. Beachtet man die Grundlagen der Haltung und Bewegung, dann schützt man die eigenen ansonsten direkt zugänglichen Schwachstellen (Seichusen), während man sich sich z.B. entlang der Kata (Enbusen) bewegt. Zudem beugt das ausgeklügelte Führen der Arme einem Gegriffen- oder Geworfenwerden automatisch vor. Gamaku kennzeichnet den Museleinsatz des Bereichs der Taille. Während oftmals nur Hüfteinsatz und deren Rotation eingesetzt wird, ist dieser sich etwas höher befindliche Bereich der eigentlich zu entwickelnde. Die Hiki-Te Hand wird hier hin geführt und nicht an die Hüfte. Der Ellbogen fühlt sich schwer an und der Unterarm ist nahezu parallel zum Boden. Auch beim sogenannten Stapeln der Fäuste, welches in der Anwendung einem Arm- oder Kopfhebel entspricht, wird die Technik durch Gamakueinsatz verstärkt. Beachtet man den Grundsatz des Zusammen- und Auseinanderziehens des Körpers, dann führt der Einsatz des Gamakubereichs weg vom Gehen, hin zum ansatzlosen und schwer erkennbaren Hineintragen des Körpers in den Angriff oder Herausziehen des Körpers um einem Angriff zu entgehen. Das Prinzip setzt die verschiedenen großen Muskelgruppen des Oberkörpers ein. Dazu ist das Training des Teilens der einzelnen Körperregionen notwendig. Können die Körperteile separiert voneinander bewegt werden, dann kann die hintere Körperseite beispieslweise an der vorderen Körperseite vorbei getragen werden. Dies erfordert ein Ein- und Ausklappen des Oberkörpers mitsamt des Gamakueinsatzes. Somit wird die Bewegung für den Gegner schwer zu erkennen. Ausserdem wird die Bewegung stabilisert und es können Techniken in der Bewegung ausgeführt werden. Viele Stile machen erst den Schritt und dann die Technik. Der Gegner wartet jedoch nicht so lange. Selbst wenn man immer schneller wird, ist der Gegner weg, wenn die Technik nach einem 1-2 Prinzip bei ihm ankommt, denn er trainiert sich ja eventuell auch. Gamaku trägt gleichsam die Masse in der Bewegung für die Techniken. Bildnis ist ein Wurm, welcher sein Hinterteil heranzieht, ohne sein Vorderteil zu verändern.

Kata trainieren das Gespür dafür, wohin der Schwerpunkt als nächstes subtil verlagert werden muss. So wird anstatt eine kurze Anspannung zu halten, die nächste Bewegung bereits dann vorbereitet, wenn die voran gehende Bewegung gerade beendet ist.

Links: Motobu Choki mit Technik aus der Naifanchi Kata

Die Kata der Tekki/ Naifanchi Reihe trainieren das Prinzip der Unbalance und enthalten sämtliche Grundtechniken und vielfältige Anwendungen des Karate. Sie gelten daher als Basiskata des Karate. Funakoshi schreibt von einem 3 jährigen Training nur dieser Kata, welches er absolvieren musste. Der für seine kämpferischen Fähigkeiten bekannte Choki Motubo schreibt, es reiche, die Naifanchi Kata zu verstehen, um effektiv kämpfen zu können. Die Naifanchi Kata zeigt uns weiterhin das Prinzip, nie in der Balance zu stehen, sondern die Balance bereits im Stand gebrochen zu haben. Denn um aus der Balance in Bewegung zu kommen, muss diese Balance erst aufgehoben werden.

Dies kostet Zeit und Energie und ist sichtbar. In der Naifanchi Kata kommen zwar Stände wie Neko-Ashi-, Shiko- (Kiba-) oder Zenkutsu Dachi nicht vor, sie lehrt dennoch die Grundlagen dafür, wie diese Stände ausgeführt werden können. Ganz bewußt wird das Ungleichgewicht unter anderem mit einer „Nami-Gaeshi“ genannten Fußtechnik entwickelt.

Unbalance beherrschen lernen- Naifanchi/ Tekki Kata

Dabei wird die Trennung von Ober- und Unterkörper ausgebildet. Es ist das Vermögen, mit den Beinen zuarbeiten, ohne das sich die auf die Haltung des Oberkörpers und der Arme auswirkt. Anders herum, soll sich die Arbeit des Oberkörpers und der Arme nicht auf die Beine auswirken, beispielsweise durch ein Verdrehen der Knie. Nicht umsonst zählte die Naifanchi um 1900 noch zu den wesentlichsten Kata des Karate. Vermutlich aufgrund mangelnder Showqualitäten und mangelnder Kenntniss ihrer Bedeutung, haben diese Kata später an Bedeutung verloren.

Abgesehen von der Naifanchi Serie zeichnen sich die Kata durch Neuausrichtungen des Körpers um 45, 90, 180 und auch 360 Grad aus. Unserer Auslegung nach, lehrt dieses Prinzip, wie man den eigenen Körper entlang des Enbusen ausrichtet und dabei anstatt (wie oft zu sehen) nicht um die Hochachse rotiert, sondern den Körper verschmälert (also schützend zusammen zieht) und in neuer Ausrichtungslinie (neuem Gegner oder Anwendung) wieder ausdehnt (streckt). Also kein Rotieren der Schultern um die Wirbelsäule als Hochachse sondern anhand der sich ändernden Linie des Enbusen den Körper neu ausrichten. Die Technik wird dadurch schneller und direkter. Eine Rotation erzeugt immer ungewünschte Kraftvektoren in Rotationsrichtung. Drückt Partner im richtigen Moment in die richtige Richtung wird man aus der Bahn geworfen. Ebenfalls nachteilig ist das zwangsläufige entblöß en von körpereigenen Schwachstellen. 

Diese Prinzipien und mehr lehren die Kata und darauf aufbauende Gymnastik sowie das entsprechende Kihon und Kumite, wenn sie mit dem entsprechendem Verständnis unterrichtet und trainiert werden. Sie sind dann alles andere als Sport oder gymnastische bzw. athletische Übungen. Sie verändern die Körpermotorik im Inneren und das wird am Äußeren Erscheinungsbild des Ausführenden mit der Zeit sichtbar. Mehr zum Hintergrund der Kata ist hier versteckt.Da Körpereinsatz jedoch nur bedingt ohne ein tatsächliches Gegenüber trainiert werden kann, gibt es auch Partnerübungen zum Erlernen des Einsatzes der eigenen Körpermasse.

Den Gegner in der Kata nicht verlieren und der Umgang mit dem Enbusen der Kata und dem Schutz des Seichusen.

Diese Themen werden im Bereich „Kata“ behandelt.

Beispiele zum Einsatz der Techniken.

Die blockende Hand ist oftmals die vordere Hand. Diese ist dem Gegner idR. am nähesten und muss fliessend zum Angriff benutzt werden können. Mit der weiter zurück liegenden Hand anzugreifen (z.B. Gyaku Zuki) bedeutet mehr Zeit zu benötigen und einen 1-2/ Block-Konter Rhythmus einzufügen.

Die zurückgehende (Hiki-Te) Hand trainiert vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Oftmals in der Kata eine Art neutrale Hand, die sich je nach den Erfordernissen der sich ergebenden Situation in der Anwednung flexibel einsetzen lässt.

Den Block/ die Ableitbewegung nicht am gegnerischen Handgelenk ansetzen, ansonsten kann er den Angriff mit dem Ellbogen weiter führen. Ziel ist es, die Ellbogen zu kontrollieren. IdR. wird gleichzeitig der Ellbogen manipuliert (Hebel, Schlag, Körperstoß), wenn am Handgelenk gegriffen wird.

Blockt der Gegner unseren Angriff in der Nähe unseres Handgelenks, dann können wir den Angriff direkt mit dem Ellbogen fortsetzen. Deshalb nicht am Ende des Fauststoßes einrasten oder die Muskeln anspannen. Dies unterbricht den Fluss und verbindet Arm und Körper, so daß der Gegner gleichzeitig unseren Arm und unseren gesamten Körper wegschiebt.

Die eigenen Ellbogen nahe am Körper halten und nicht ausschweifend bewegen. Wer die Ellbogen des anderen kontrolliert ist im Vorteil.

Stellungen können eingesetzt werden, um den Angreifer zu immobilisieren, zu blockieren oder zu werfen. Der Shiko Dachi kann für vielfältige Würfe eigesetzt werden, der Neko Ashi Dachi grift mit dem eigen Knie die gegnerische Stellung an bzw. kann ihn durch Kniehebel zu Boden bringen. Je mehr Kontaktpunkte am Gegner sich aus Bein- und Armtechniken gleichzeitig ergeben, umso effektiver kann der Gegner manipuliert, blockiert oder angegriffen werden. Die Natur des Wettkampfkampfkarates ist eine gänzlich andere, sie besteht aus zwar schnell aufeinanderfolgenden jedoch getrennten Einsatz der Stöße und Tritte.

Die Fussbewegungen werden so ausgeführt, dass man mit dem eigenen Fuss auf dem Fuss des Gegners landet und nicht mit ihm zusammen stossen würde. Das heißt, die Zehen werden angezogen beim Vorwärtsgehen. Dadurch bleibt man auch auf unebenem Boden oder mit Gummisohle auf Asphalt nicht mit der Fußspitze hängen.

Tiefe Tritte und Angriffe in die Stellung des Gegners haben hohen Tritten gegenüber viele Vorteile, sind jedoch nicht mehr sehr verbreitet, da sie im wettkampfgeprägten Karate durch Regeln verboten sind. Oberschenkel, Knie und Genitalbereich sind wichtige Angriffsziele der Kampfkunst, die auch aus der Nahdistanz angegriffen werden können, ohne das der Tritt vom Gegenüber visuell wahrgenommen wird.

Auch das Absetzen des Fußes nach dem Tritt stellt im alten Karate eine Angriffstechnik dar. Möglich sind verschiedene Techniken, vom Stampftritt auf Fuß oder Knie bis zum Angriff der gegnerischen Stellung bzw. Wurf. Aus diesem Grunde halten wir das Knie in den Kata kurz oben nach einem Tritt und setzen das Beim nicht automatisch ab. Dies schult das Gefühl für dem Einsatz des absetzenden Beines/ Fußes für weitere Angriffe.

Es ist wichtig, nicht nur die Schlagtechniken der Kata zu kennen, sondern auch die Hebel-, Antihebel-, Wurf-, Greif- und Zwischentechniken. Dies erweitert das Trainingsrepertoire der Kata erheblich.