Okinawa 2020 – Unterricht bei einem Samurai

Im März 2020 reiste ich wieder nach Okinawa.

Dieses Mal sollte sich die Reise nicht um Karate und Kobudo drehen, sondern um die Fortführung dessen, was sich letztes Jahr im September im Budokan ereignete. Letztes Jahr betrat ich das Budokan mit der oberen Etage als Ziel, wo das Instructors Camp mit unserem Oshiro Shihan stattfand. Ich schaute in den Dojoraum der unteren Etage und sah einen Schwertsensei offensichtlich Iaido mit nur einem Schüler trainieren. Ich selbst beschäftige mich seit vielen Jahren mit Muso Shinden Iaido. Der Sensei sah mich nahe des Dojoeingangs stehen, drehte sich zu mir und verbeugte sich.

Eine unerwartete Geste, die ich natürlich erwiderte. Ich schaute weiter zu und nach kurzer Zeit sah er, dass ich mich immer noch nicht vom Fleck bewegt hatte und kam zu mir. Er musste alt sein , dennoch voller Leben und Vitalität. Er sprach leider kein Englisch, reichte mir jedoch sein Schwert. Seine Offenheit überraschte mich. Sein Schüler konnte ein wenig Englisch und wir unterhielten uns kurz. Ich wollte ihr Training nicht unterbrechen. Dies schien beide jedoch nicht zu stören. Der Kontakt blieb erhalten und ich erhielt nun die Gelegenheit für 6 Tage mit Hamamoto Hisao Sensei zu trainieren. Die Kata beispielsweise der Hachiman Ryu Reihe und vieles Weitere rund um das Iai waren anders, als ich es kannte. Hamamoto Sensei zog vor vielen Jahrzehnten nach Okinawa und stammt aus einer Samurai Familie und lehrt einen sehr realistischen Weg des Schwertes. Seine Lang- und Kurzschwerter beispielsweise sind bis zu 700 Jahre alt und wurden in Familientradition immer weiter gegeben, zusammen mit der Lehre.

Wenn er eine Kata zu laufen beginnt, ist ihm sein Alter von über 80 Jahren nicht anzumerken. 2 tiefe und genussvolle Atemzüge (es könnten ja einem Gegner gegenüber stehend die letzten sein) und er geht vorwärts in einer besonderen und schwer zu beschreibenden Art. Als wäre er auf alles gefasst und was gleich passiert ist egal. Diese Art der Kata mit dieser Geisteshaltung, welche sich in die körperliche Haltung überträgt, versetzen einen in den Moment, ohne Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft. Zen und Kampfkunst in absoluter Präzision. Eine heitere Gelassenheit schimmert durch, dem möglichen Schicksal trotzend. Diese positive Energie und die Bedeutung des „Moments“ zu fühlen, kann uns die Kampfkunst beibringen.

Trotz seiner freundlichen Art, ist er beim Training sehr aufmerksam und an den ersten beiden Trainingstagen sehr streng. Die Art und Weise, Obi und Hakamaknoten zu binden war mir neu, ebenso wie Noto und Chiburi auszuführen sind.  Jede Bewegung ist darauf bezogen, sich stets zu schützen oder die Klinge nochmals blitzschnell frei zu bekommen, falls der Gegner doch noch einmal zum Schnitt ansetzt.
22 Kata gespickt mit mir unbekannten technischen Feinheiten prasselten auf mich ein. Entsprechend oft schaute ich Hamamoto Sensei einfach nur verwirrt an, anstatt seinen Katabewegungen zu folgen. Meine schwachen Kenntnisse der japanischen Sprache halfen kaum weiter. Das Tempo des Unterrichts war gefühlt 3 Gänge zu hoch, dennoch faszinierend. Eine anstrengende Mischung aus Dankbarkeit über das Einzeltraining, der Freude am Umgang mit den alten Schwerten und absoluter geistig-körperlicher Überforderung stellte sich bald ein. Ich blieb dabei, diese Entscheidung stand fest. Ab dem 3. Tag veränderte sich das Training und es waren nur noch die positiven Gefühle da. War es zuvor ein Test, ob der interessierte Schüler es wirklich ernst meint? Es wäre verständlich, denn ganz offensichtlich handelt es sich hier um eine unbedingt erhaltenswürdige Perle der traditionellen Kampfkunst, die nur im persönlichen Kreise weiter gegeben wird. Daher ist es zu überlegen, in wen man seine Zeit als Sensei investiert. Welcher Lehrer kennt es nicht – Oftmals kommen begeisterte Interessenten ins Training und nehmen Aufmerksamkeit und Zeit ein, nur um nach einigen Wochen zu sagen „es ist doch zu anstrengend, ich höre auf“. In dem Fall hätte man seine Aufmerksamkeit und Zeit lieber den Schülern zu Gute kommen lassen sollen, von denen man weiß, dass sie den Wert der Kunst erkannt haben und die Mühen des Trainings mit Freude auf sich nehmen.

Der Stil basiert aufgrund der familiären Samurailinie auf sehr realistischen Gesichtspunkten. Wie auch beim Karate oder Kobudo geht es immer um den Ansatz, wie man die Faust, Technik oder Waffe so an den Gegner annähren kann, dass er den Ansatz nicht und den Angriff erst zu spät erkennt. Bezogen auf das Schwert ist besonders die Bewegung der das Schwert ziehenden rechten Hand am deutlichsten sichtbar. Nach anfänglicher Verwirrung und einiger Überlegung um die mir bis dato unbekannte Art des Einsatzes der linken Hand beim Ziehen des Schwertes, verstand ich plötzlich. Es verbirgt sich hier ein Prinzip des (vor den Augen des Gegners) verborgenen Näherbringens der eigenen Klinge an den Gegner. Beginnt dann der eigentliche Schnitt, hat man bereits Weg gut gemacht. Des weiteren fanden sich in Hamamotos Kata weitere aus dem Karate bekannte Prinzipien, wie das kurze Vorsetzen des linken Fußes (Karate Passai / Bassai Kata z.B.) oder die stapelartige Haltung beider Fäuste an einer Hüftseite (Karate Pinan/ Heian Yondan und viele weitere Kata), bevor dann eine seitliche Armbewegung folgt.

Arigatou Gozaimasu an Hamamoto und Kaori Sensei! Auf ein baldiges Wiedersehen!

 

Etwas verlassen, steinig und hart mag der Weg der alten Kampfkünste einem manchmal vorkommen. Aber wer ihn geht, dessen Leben kann er bis ins hohe Alter versüßen!

 

 

 

 

 

 

 

 


Am Yomochi Schrein nahe des Budokan…

Im Ono Yama Park nahe dem Budokan. Nach dem 2. Weltkrieg war nur noch das Torii übrig geblieben. Der restliche Tempel wurde wieder aufgebaut.

 

 


Im Karate Kaikan…

Das Karate Kaikan Dojo

1801 notierte Satsuyu Kiko „Schwertkunst und Trainingsroutinen an Stroh sind ein regelmäßiger Teil des Lebens auf den Ryu Kyus (Okinawa). Ebenso besitzen die Einwohner Faustschlagmethoden.

Über die beiden Karaterichtungen Shuri-Te und Naha-Te, auf welche sich die Oberbegriffe Shorin-Ryu (Shuri und Tomari-Te) und Shorei-Ryu (Naha-Te) beziehen. Sinngemäß und abgekürzt: „Die Kampfkunst Shui-De (Shuri-Te) wurde durch die Samuraiklasse Shuris (politischer Hauptsitz) weiter gegeben. Über Sakugawa an Matsumura Sokon und dann weiter an Itosu Anko, Tawata Shinboku und Kyan Chotoku. Funakoshi Gichin steht in der weiteren Kette als späterer Gründer des Shotokan Karate. Über Kyan Chotoku wurde das Shorin Ryu gebildet.“

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