Prinzipien des Karate

Karate ist eine Kampfkunst aus Okinawa, einer kleinen Insel im südlichsten Zipfel des heutigen Japans. Das Training umfasste sowohl unbewaffent ausgeführte Techniken, als auch den Gebrauch einfach anmutender Waffen wie dem Langstock (Bo), den Eisengabeln (Sai), den hölzernen Tunfa (jap. Tonfa) sowie weiteren Gegenständen. Die Hauptwaffe des bewaffneten Trainings war der Bo, an dessen Ende auch eine Klinge oder Eisenspitze befestigt sein kann (Naginata oder Speer).
Entwickelt und ausgefeilt wurde diese Kampfkunst bereits Jahrhunderte bevor sie auf die Hauptinsel Japans oder gar nach Europa gelangte. In Japan angekommen wurde die Kunst bereits verändert und durch immer mehr Instruktoren in immer größer werdenden Gruppen weiter gegeben. Als das Karate nach Europa gelangte, kam zu diesen Veränderungen der Wettkampfeinfluss dazu, welcher zuvor in Japan eingesetzt hatte und das moderne Karate signifikant zu prägen begann.

Also doch keine „Leere Hand“? Karate (Kara-Te) wird gern mit „leere Hand“ übersetzt, wobei fälschlicherweise die Bedeutung „nichts in der Hand zu haben“ angenommen wird. Diese Interpretation führt in die Irre. In seinem Buch „Mein Weg“ schreibt Funakoshi Gichin, dass diese Zeichen den anzustrebenden, geistigen Zustand meinen, nämlich den Kopf frei zu machen von störenden Gedanken. Funakoshi war an der Übernahme des Zeichens „kara“ für „leer“ maßgeblich beteiligt. Zuvor wurde hauptsächlich das Zeichen für „China“ benutzt, welches auch „kara“ gesprochen werden kann. Neben vielen anderen Möglichkeiten, die Katatraining uns bietet, kann man sie entsprechend ausgeführt, als ein Mittel für eine „bewegte“ Meditation hernehmen. So lernt man, auch in der Bewegung Ruhe (vor den eigenen Gedanken) zu finden.

Technik und Strategie. Vom Grundmuster relativ einfach zu erlernende, geradlinige, direkte Schlag-, Stoss- und Tritttechniken zur schnellen Beendigung eines Kampfes stehen zunächst im Vordergrund des Trainings. Es verbirgt sich dahinter jedoch viel mehr. Beispielsweise den Körper ohne Rotation blitzschnell in neue Richtungen ausrichten zu können, in alle Richtungen ausweichen und dabei gleichzeitig jede Art von Technik ausführen zu können. Die ausgeklügelte Bewegungsmotorik verbirgt die Technik in der Bewegung des ganzen Körpers. Man lernt, Arme und Beine getrennt voneinander zu bewegen, das Gewicht optimal einzusetzen, den Körper zusammen zu falten und auszudehen. Wesentlich ist es zu lernen, wie man von einer Haltung (Technik) zur anderen gelangt. Dies steht im Gegensatz zu einer in Mode gekommenen Sitte, hauptsächlich auf Endhaltungen zu achten oder die Technik erst zu starten, nachdem der Schritt beendet ist (1-2 Rhythmus). Die Endhaltung kann noch so kraftvoll aussehen, wenn man sich nicht auf effektive Art und Weise dort hin bewegte und den Treffer auf dem Weg in diese Haltung gesetzt hat, dann ist der Gegner bereits ausgewichen, wenn man ankommt. Zudem trägt man die eigene bewegte Körpermasse nicht mehr in der Technik. Es ist oft zu sehen, dass die Technik erst nach Vollendung des Schrittes ausgeführt wird. Dies ist zu spät. Die Technik muß möglichst in der Körperbewegung verborgen begonnen und ausgeführt werden. All diese Prinzipien lehren die Kata, wenn sie mit dem entsprechendem Verständnis unterrichtet werden. Sie sind dann alles andere als Sport oder gymnastische bzw. athletische Übungen. Sie verändern die Körpermotorik im Inneren und das wird am äußeren Erscheinungsbild des Ausführenden mit der Zeit sichtbar. Mehr zu den Kata ist hier versteckt.

Keine reinen Blocks. Zu den direkten Angriffstechniken gesellen sich Techniken zur effektiven Abwehr gegen alle möglichen Angriffe zu sämtlichen Körperregionen. Die Besonderheit des traditionellen Karate ist, dass die Abwehrtechniken bereits den Gegner angreifen, den eigenen Körper schützen und weitere Folgeangriffe direkt einleiten. Diese wichtige Eigenschaft ist den Blocktechniken vieler moderner Karatestile verloren gegangen. Aus ihnen wurden defensive, reine Blocktechniken, die oftmals mit einem Rückwärtsgang kombiniert werden. Karate ist jedoch darauf aus, dem Angreifer mit der ersten eigenen Aktion die Angriffsinitiative direkt abzunehmen. Dies mag auf den ersten Blick aggressiv erscheinen, jedoch hat der Angreifer in diesem Moment ja bereits die Initiative, aggressiv zu werden, übernommen und hat damit zunächst den Vorteil der ersten Aktion und des Vorwärtsdrangs. Dies stellt eine äusserst gefährliche Situation für den Verteidiger dar.

Karate ni sente nashi? In diesem Zusammenhang kam es in der Vergangenheit zu Fehlinterpretationen der Grundidee des Karate, welche sich heute leider weit verbreitet haben. Maßgeblich für Verwirrung hat ein Grundsatz Funakoshi Gichins gesorgt, dem zufolge es im Karate keinen ersten Angriff geben würde. Weiter gefolgert hat man aus diesem Satz, dass zunächst ein defensiver Block erfolgen müsse und das auch die Kata immer mit einem Block beginnen würden. Dies ist schlichtweg falsch, wie man leicht aus Funakoshis Büchern entnehmen kann. Solche Missverständnisse liegen in der starken Verwässerung der Grundprinzipien des alten Karate begründet, die eintrat als das Karate zu einem Massenprodukt wurde. Derartige Missverständnisse haben leider einen teilweise deutlich sichtbaren, formenden Einfluss auf verschiendene Karateinterpretationen in der Moderne gehabt.

Age Uke kann einen Angriff ableiten, gleichzeitig greift der Ellbogen an bzw. stellt sich dem Gegner in den Weg. Der Arm schützt die dahinterliegende Körperregion.

Block und Angriff sind eins. Was heute oftmals als defensive (z.B. im Rückwärtsgang) Blockbewegung ausgeführt wird, war ursprünglich bereits die erste Stufe des Angriffs. Auf diese Weise ausgeführt, können Uchi-Uke, Soto-Uke, Age-Uke und alle anderen Technik einen Angriff in sich tragen. In den Kata des Karate folgt auf eine „Blocktechnik“ idR. kein Gyaku-Zuki (Fauststoß) als Konter weil die „Blocktechnik“ ursprünglich keine Technik des reinen Blockens war. Es gab kein 1 Block, 2 Konter Prinzip, da nach einem reinen Block (Pattsituation) auch der Gegner seinen Angriff fortsetzen würde. Aus verschiedenen Gründen wurde das „alte“ Karate entschärft und ihm eine selbst im Kampf defensive Grundidee angehangen. Der reine Block bringt keine Vorteile, birgt jedoch viele Gefahren.

Funakoshi stimmt zu. Wenn man Funakoshis  Aussagen zu einer realen Konfrontation liest, wird unmissverständlich klar, dass auch er nicht vom Verteidiger erwartet, sich in eine gefährliche Situation zu begeben durch diese Strategie des ersten Blocks. Die Grundidee besteht nicht darin, dass man sich zuerst zurückweichend in die Defensive begeben soll mit einer blockenden Bewegung um danach zu versuchen selbst anzugreifen. Ziel der Karatetechniken ist es, den eigenen Angriff bereits mit dem sogenannten »ersten Block« zu beginnen oder den Gegner direkt anzugreifen, indem man seinen Angriff umgehend den eigenen Angriff in ihn hineinträgt. Letzteres Prinzip benutzt auf den Weg in den Gegner hinein, ableitende Bewegungen, die den Gegner kaum spüren lassen, dass seine Angriffe umgeleitet werden. Entsprechend ist die Struktur der Karatetechniken und seiner Kata aufgebaut. Die Kata gehen entsprechend vorwärts oder in bestimmte Winkel, nicht rückwärts. Man arbeitet sich mit seinem Körper entlang einer Linie, welche auch heute noch als »Enbusen« bekannt ist. Die Techniken und die Prinzipien sind so ausgerichtet, dass man die eigenen Schwachstellen oder die zu schützenden Körperregionen bestmöglich während der Bewegung abschirmt. Der alte Sinn des Umgangs mit der Linie ist jedoch im modernen Katatraining so nicht mehr zu finden.

Die Initiative erlangen. Bekannte okinawanische Meister wie Nagamine Shoshin, Motobu Chokki, Mabuni Kenei und Funakoshi Gichin bekräftigen die Notwendigkeit der direkten Verbindung von Abwehr und Angriff im Karate. Im Karate soll eine Abwehr bereits einen Angriff in sich tragen. In diesem Zusammenhang sind die bekannten Begriffe “Go no Sen”, “Sen no Sen” und Sen Sen no Sen” zu sehen. Es geht hierbei immer um den Zeitpunkt, in dem man die Initiative ergreift um den Kampf zu beenden.

Sen Sen no Sen. Die eigene Initiative den Kampf durch Einsatz körperlicher Gewalt wird hier in dem Moment übernommen, wo sich der potentielle Angreifer gerade den geistigen Impuls zum Angriff gibt (strafrechtlich u.U. bedenklich), sein Angriff also unmitelbar bevorsteht und nicht mehr abwendbar scheint. Diese Situation lässt sich als eine Art präventiver Erstschlag bezeichnen, denn niemand muss sich unverschuldet einer Situation ausliefern, die die eigene körperliche Unversehrtheit gefährdet.

Sen no Sen. Sobald der Agressor seinen Angriff körperlich startet beendet man den Kampf indem man in dessen Angriff mit einer entsprechenden Technik hinein geht. Man bringt die eigene Technik ins Ziel in den gestarteten gegnerischen Angriff. Die Kunst dabei ist, selbst kein Ziel zu bieten und schneller als der Angreifer zu sein. Für weite Ausweichbewegungen ist hier kein Platz.

Go no Sen. Dieses Prinzip beschreibt den spätesten eigenen Ansatz der Initative. Er erfolgt in dem Moment, wo der Agressor seinen Angriff ausführt und sich zwangsweise eine “Lücke” in seinem Angriff eröffnet. Der gegnerische Angriff wird dabei evtl. blockend umgangen um die eigene Technik darauf direkt ins Ziel zu bringen. Es geht hier nicht darum, den vorwärts drängenden Angriff zurückweichend defensiv zu blocken und dann erst die Angriffinitiative starten zu wollen (dies müßte man dann vielleicht “Go Go no Sen” nennen). Ein solches Prinzip gibt es nicht, da man sich in eine nachteilige Situation in mehrfacher Hinsicht begeben würde. Man würde sich einen Schritt hinter die Aktionen des Angreifers begeben um dann zu versuchen, ihn wieder einzuholen. Dieses selbstgefährdende Prinzip wird manchmal irrtümlicher Weise als Go no Sen verstanden und trainiert. Konsequenter Weise müsste man es als eine Art „Go Go no Sen“ bezeichnen.

Der direkte Weg. Geradlinig ausgeführte Techniken, welche den direkten Weg auf das Ziel nehmen, sind schwer zu erkennen. Wenn sich der Körper ebenfalls geschmeidig dazu bewegen und gleichzeitig in verschiedene Winkel zu Gegner fallen kann, lösen diese Bewegungen keine Reaktion bzw. keinen Blockreflex aus. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für den Fauststoß, sondern für sehr viele Techniken des Karate. Es gibt aber auch Hebel, Griffe, Stösse und Würfe sowie Techniken gegen all diese Angriffe, deren motorische Prinzipien in den alten Karate-Kata ebenfalls enthalten sind.


Einen Kreis mit einer Geraden machen, das japanische Schwert als Vorbild.
Die Entwicklung effektiver Kampfprinzipien gipfelte für das Karate aus Shuri im grundlegenden Prinzip, einen Kreis durch eine gerade Linie zu erzeugen, d.h. stets geradlinige Techniken auszuführen. Geradlinige Techniken nehmen die kürzeste Bahn zum Ziel. Die Kunst dahinter ist es, im Körper genügend Energie zu erzeugen und die Schwerkraft so gezielt einzusetzen, dass diese Techniken ausserordentlich effektiv sind, trotz der kurzen Wege. Dies führt bis hin zu sogenannten One-Inch-Techniken, die in den Körper eindringen, obwohl Hand oder Faust bereits am gegnerischen Körper anliegen. Hier besteht also eine Distanz von null beim Start der Technik, dennoch soll Schlagwirkung erzeugt werden. Die Idee der Geraden steht im Gegensatz zu Kampfstilen, die kreisförmige Bahnen der Extremitäten durch kreisförmige Bewegungen des Körperkerns oder näher am Körper gelegene Gelenke (wie die Ellbogen) erzeugen (einen Kreis durch einen Kreis machen). Dieses sehr grundlegende Prinzip ist in den moderneren Varianten des Karate verschwommen, was nicht nur eine Veränderung vieler Techniken bedeutete, sondern sich auch auf die Körpermotorik insgesamt auswirkte. Das »Kreis durch eine Gerade-Prinzip« beschreibt die Analogie zu einem Schwerthieb, bei dem die Hände am Schwertgriff auf einer geraden Linie bewegt werden, die Schwertspitze jedoch die maximale Energie auf einer Kreisbahn aufnimmt. So ergänzen sich die kürzeste Verbindung (die gerade Linie) mit maximaler Energieerzeugung (Kreisbahn). Selbiges Prinzip findet auch im Yamanni-Ryu Kobudo Anwendung, egal ob mit Bo oder Sai.

 

Bewegungsschule Karate, der fallende Tropfen. Okinawanisches Karate ist damit keine Sammlung einzelner Techniken, sondern eine umfassende Bewegungsschule. Aus jeder vom Körper erlernten Bewegung kann – je nach Situation – eine andere Anwendung entstehen. Wesentliches Ziel des Karatetrainings ist es, eine innere Körperdynamik zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigt. Dafür ist die spielerische Beherrschung des eigenen Körpergewichts in Hinsicht auf das Ungleichgewicht notwendig. Schon im Kindesalter lernen wir unseren Körper immer in der Balance (im Gleichgewicht) zu halten. Um uns ansatzlos Bewegen zu können und die Masse des Körpers hinter die eigenen Techniken zu bringen, müssen wir dieses Gefühl bedarfsweise aufzugeben lernen. Die Masse bzw. der Schwerpunkt muss je nach Anwendung verlagert werden und sollte fast nie direkt unter dem Körper sein. Dies gilt für Schlagtechniken genauso wie für Hebel, Stösse und Würfe. Dieses Prinzip wird ebenfalls durch die Kata trainiert. Die Kata Naifanchi oder Tekki im modernen Karate sind hierfür Grundlagenkata. Es ist nicht leicht, den Schwerpunkt über eine ganze Kata hinweg immer in die richtigen Richtungen zu verlagern und ihn nahezu nie unter den Körper wandern zu lassen. Der Schwerpunkt muß immer dort sein, wo er mir als nächstes nützt. Fällt er unter dem Körper, dann sieht das geübte Auge in jeder neuen Bewegung den Ansatz. Der Moment von der Ruhe in die Bewegung wird sichtbar, man kann reagieren. Vergleichbar ist dies mit dem Tropfen am Blatt. Oftmals sieht man Karateka, deren Bewegungsansatz so ist, als würde der Ast kurz ausholen, um den Tropfen fallen zu lassen. Die alte Art der Bewegung soll so aussehen, als würde sich der Tropfen plötzlich und ohne jede weitere Bewegung von Blatt oder Ast lösen – einfach fallen. Dies geht nur mit der richtigen Schwerpunktarbeit. Verlasse ich mich auf das Aktion-Reaktion-Prinzip, trete ich also in den Boden, um mich vor zu katapultieren, dann wende ich unnötige Energie auf, welche zudem sichtbar wird und den Start der Bewegung kurz verzögert. Dies entspricht nicht der ausgeklügelten Strategie des ansatzlosen Startens.
Da Körpereinsatz jedoch nur bedingt ohne ein tatsächliches Gegenüber trainiert werden kann, gibt es auch Partnerübungen zum Erlernen des Einsatzes der eigenen Körpermasse.

Kata – praktische Theorie. Die alten Meister haben von ihrem Wissen und ihren Erfahrungen wenig bis gar nichts niedergeschrieben. Ihre »Bücher« waren die Kata in Verbindung mit persönlich vermittelten Zusatzübungen und Wissen. Kata sind selbst kreierte oder übernommene Technik- und Bewegungsfolgen. Kampftaktik, -motorik und -technik wurden in China wie in Japan gerne in diese festgelegten Bewegungsabläufe gebündelt. Erfahrung und Wissen durch festgelegte, zu wiederholende Bewegungsmuster oder ritualisierte Tänze weiter zu geben, ist eine Methode, welche die Menschheit auf fast allen Gebieten anwandte. Sie ist wahrscheinlich so alt, wie die Menschheit selbst. Die Okinawaner haben Prinzipien der Kampfkunst sogar in ihre Volkstänze eingeflochten. So trainierten sich sogar Kinder entsprechende grundlegende Bewegungsmotoriken an, ohne es zu wissen. Mehr Informationen zu den Kata findet ihr hier.

Karate war nicht waffenlos. Es war auf Okinawa üblich, das waffenlose Karate mit dem Kobudo, insbesondere mit dessen Hauptwaffe »Bo« (Langstock) zu verknüpfen.

Funakoshi Gichin

Von der Vielzahl an weiteren Kobudowaffen trainieren wir hauptsächlich den Umgang mit dem Langstock Bo, den eisernen Sai un den hölzernen Tunfa (Tonfa). Das zufriedenstellende Beherrschen dieser Waffen im Yamanni-Ryu erfordert bereits intensives Training. Der allgemeine aber auch der karatespezifische Nutzen dieses Trainings für den Körper und dessen Beweglichkeit ist immens.
Nicht umsonst haben die »alten« Karatemeister auch den Umgang mit dem Langstock »Bo« trainiert. Eine Trennung von Karate- und Botraining war damals undenkbar. Dies steht ganz im Gegensatz zur Entwicklung des modernen Karate. Das moderne Karate hat sich vom Kobudo abgekapselt, obwohl auch der oftmals Vater des modernen Karate genannte, Funakoshi Gichin, Bo und Sai als Ergänzung zum Karate trainiert hat. So beinhalten die modernen Karatekata immer noch Techniken aus dem Bereich des Bo.

Karate und Kobudo verbreiten sich ungleich. Während sich das Karate im 20. Jh. durch Vorführungen, Shows und Wettkämpfe rasant verbreitete, trat diese Entwicklung im Kobudo viel gedämpfter auf. So gibt es heute viele Karateka von denen sich nur sehr wenige mit den alten Waffen beschäftigen. Eben diese Waffen hatten jedoch auf Technik und Kata des Karate grossen Einfluss. Dies ist schade und es ist an der Zeit hier für mehr Aufklärung zu sorgen. Shihan Toshihiro Oshiro begann sich diesem Ziel bereits vor einigen Jahrzehnten zu widmen und gründete den RBKD. Aus seiner Arbeit sprossen bereits einige Oshiro-Dojos in Deutschland. Zwar bedeutet die Kombination von bewaffneten und unbewaffneten Training auch intensivere Arbeit, diese zahlt sich jedoch aus. Mangelndes Wissen und Training im Zusammenhang mit der engen Verflechtung des alten Karate mit dem Langstock Bo führt ansonsten zu fehlenden Erkenntnissen in Bezug auf die Ausführung der Karatetechniken. Dies beginnt bereits beim Bilden der Faust, der offenen Hand oder dem Einsatz der Muskeln und Gelenke. Der traditionelle Umgang mit dem Bo bietet grundlegendes Training, welches ansonsten fehlen würde. In kämpferischer Sicht beherbergt die Herausforderung einen höchst flexiblen Umgang mit einem ansich starren Objekt wie dem Bo zu meistern starkes Potential. Ergebnis des Trainings ist u.a. ein äusserst geschmeidiger und starker Körper, der auch noch im mittleren und höheren Alter einsatzbereit ist. Mit Sai oder Bo ausgerüstet kann man auch im Freien trainieren. Dies ergibt ein spannendes und vielseitiges Trainingsprogramm für Körper und Geist. Techniken oder Kata können je nach Bedarf langsam und entspannend oder schnell und kräftig ausgeführt werden. Mehr zum Thema Kobudo hier.

Beispiele zum Einsatz der Techniken. Auch eine blockende Bewegung muss den eigenen Angriff in sich tragen und sollte nie rein defensiv sein. Die Bezeichnung »Block« und das Einführen reiner Blocktechniken kam erst in der Moderne in das Karate. Die blockende Hand ist oftmals die vordere Hand. Diese ist dem Gegner idR. am nähesten und muss fliessend zum Angriff benutzt werden können. Mit der weiter zurück liegenden Hand anzugreifen (z.B. Gyaku Zuki) bedeutet mehr Zeit zu brauchen. So sagte Motobu Choki, dass die Methode, mit einer Hand zu blocken und mit der anderen zu kontern keine wirkliche Technik der Kampfkunst ist. Die zurückgehende (Hiki-Te) Hand trainiert vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Wichtig ist der Einsatz als greifende und zumindest kurz ziehende Hand. Die Hiki-Te Hand wird in der Kata zur Hüfte gezogen. Diese Richtung bedeutet eine günstige Kraftrichtung für verschiedenste Anwendungen. Beim Umgang mit dem Bo beschleunigt die Hiki-Te Hand mit einer dem Karate gleichenden Bewegung die Waffe, während die vorgehende Hand die Richtung des Bo durch die Luft bestimmt.

Stellungen können eingesetzt werden, um den Angreifer zu immobilisieren bzw. zu blockieren. Je mehr Kontaktpunkte sich ergeben, umso besser kann der Gegner manipuliert oder blockiert werden. Die Fussbewegungen werden so ausgeführt, dass man mit dem eigenen Fuss auf dem Fuss des Gegners landen würde und nicht mit ihm zusammen stossen würde.

Tiefe Tritte haben hohen Tritten gegenüber viele Vorteile sofern sie nicht durch Regeln verboten sind. Oberschenkel und Knie sind wichtige Angriffsziele, die auch aus der Nahdistanz angrgriffen werden können, ohne das der Tritt vom Gegenüber visuell wahrgenommen wird.

Es ist wichtig, nicht nur die Schlagtechniken der Kata zu kennen, sondern auch die Hebel-, Antihebel-, Wurf-, Greif- und Zwischentechniken. Dies erweitert das Trainingsrepertoire der Kata erheblich.