Oshiro Karate u. Kobudo Dojo Hamburg
Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo
Karate und Kobudo, vielseitige Bewegungskünste für Körper und Geist
Okinawa-Karate und Kobudo
Bei uns habt ihr die Gelegenheit, die Freude an der asiatischen Kampfkunst gemeinsam zu erleben. Die Vielseitigkeit dieser traditionellen Kampfkunst bietet dabei sowohl körperlich als auch mental zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Wir trainieren traditionell ausgerichtetes, okinawanisches Karate und das dazugehörige Kobudo. Aufeinander abgestimmt bilden Karate – waffenlos – und Kobudo – der Umgang mit traditionellen Waffen – einen sich gegenseitig ergänzenden Weg. Dabei möchten wir den Wurzeln und den ursprünglichen körpermotorischen Prinzipien dieser auf Okinawa, dem damaligen Königreich Ryukyu (Loochoo), entwickelten Kampfkunst möglichst nahekommen. Das Kobudo kräftigt den gesamten Körper und teilt eine besonders feine Motorik mit dem Karate. Das Schwingen und Führen der Waffen trainiert neben dem kämpferischen Aspekt gezielt Kraft, Gewichtskontrolle, Koordination und Körpergefühl und ergänzt damit das Karate auf ideale Weise.
Karate ist mehr als Blocken, Schlagen und Treten
Durch den starken Einfluss des Wettkampfs wurde das ursprüngliche Karate im Laufe der Zeit vielfach auf wenige Techniken reduziert. Traditionelles Karate ist jedoch wesentlich vielseitiger: Es umfasst unter anderem Ausweichbewegungen, Würfe, Hebel, Manipulationen und Befreiungstechniken. Unsere Trainingseinheiten sind idR. jeweils entweder dem Karate oder dem Kobudo gewidmet. Dadurch ist es problemlos möglich, sich ganz auf eine der beiden Disziplinen zu konzentrieren – oder beide Trainingswege miteinander zu verbinden.
Entdeckt mit uns die Vielseitigkeit und Tiefe des traditionellen Okinawa-Karate und Kobudo.

Die Kampfkunst bietet durch ihre Vielseitigkeit einen faszinierenden Ausgleich zum Alltag. Wie tief man in diese Kunst eintaucht, hängt dabei ganz vom persönlich verfügbaren Zeitrahmen und den eigenen Zielen ab. Die Menschen auf Okinawa sind für ihre Vitalität und außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt. Dieses Lebensgefühl spiegelt sich auch in ihrer traditionellen Kampfkunst wider.Wer Okinawa einmal besucht hat, weiß, welchen festen Platz das Tanzen dort im gesellschaftlichen Leben einnimmt. Dabei handelt es sich nicht einfach um beliebige Tänze: Wer genauer hinschaut, erkennt die enge energetische und motorische Verbindung zur traditionellen Kampfkunst der Insel. Die Bewegungen wirken kraftvoll und zugleich natürlich, geschmeidig und lebendig. Man spürt darin geradezu den vitalisierenden und gesund erhaltenden Charakter dieser Bewegungskultur. Über das Tanzen wurden Elemente der Kampfkunst ganz selbstverständlich weitergegeben. So kamen auch Kinder und Frauen auf spielerische und natürliche Weise mit Bewegungsmustern in Kontakt, die zugleich in der Kampfkunst eine wichtige Rolle spielen. Eine äusserst raffinierte Idee (siehe auch Geschichte des Karate). So effektiv die Techniken und Tricks des Karate für eine sich anbahnende Kampfsituation sind, so elegant und wertvoll ist diese Bewegungskunst auch abseits des eigentlichen Kampfes.

Hält man Körper und Geist fit, kann man bis ins hohe Alter Freude an der kämpferischen Bewegung haben. Durch die Kata des Karate hört man dabei nie auf, neue Bewegungsabläufe zu lernen, zu verfeinern und immer wieder neu zu entdecken. Die ständig wechselnden Bewegungsmuster fordern das Gehirn und fördern die Fähigkeit, sich auf neue koordinative Aufgaben einzustellen. Angesichts der Belastungen und einseitigen Körperhaltungen unseres modernen Alltags ist ein vielseitiges Bewegungstraining von besonderem Wert für die Erhaltung unserer Gesundheit. Kampfkunsttraining kann dazu beitragen, körperliche Fitness und mentale Ausgeglichenheit miteinander zu verbinden.
Im Alltag sind wir zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, die uns nachhaltig belasten können. Gerade deshalb ist es wertvoll, einen Ausgleich zu finden, der Körper und Geist gleichermaßen fordert. Im Gegensatz zu monotonen Bewegungsabläufen verbindet die Kampfkunst körperliche Anstrengung mit Konzentration, Koordination, Wahrnehmung und ständig neuen Bewegungsaufgaben. Die Kampfkunst bietet dadurch einen faszinierenden und vielseitigen Ausgleich zum Alltag. Wie tief man in diese Kunst einsteigt, hängt ganz vom persönlich verfügbaren Zeitrahmen und den eigenen Zielen ab.
Dabei ist man weder an eine bestimmte Halle noch an spezielles Trainingsgerät gebunden. Viele Übungen lassen sich auch allein und nahezu überall ausführen. Hat man viel Platz, nutzt man ihn – ist der Platz begrenzt, passt man die Übungen entsprechend an. So lässt sich dieser Weg flexibel gestalten und auf natürliche Weise in den eigenen Alltag integrieren.
Für das Training…

… spielen Alter und Geschlecht keine Rolle. Jeder kann im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten von der Kampfkunst profitieren. Unsere sympathische Trainingsgruppe lädt dazu ein, gemeinsam zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Die Mitglieder fördern und fordern sich gegenseitig – mit Respekt und ohne Leistungsdruck.
Ist euer Interesse geweckt? Dann schaut einfach bei einer der nächsten Trainingseinheiten vorbei. Ein kostenloses und unverbindliches Probetraining ist jederzeit ohne Voranmeldung möglich. Leih-Bo stehen zur Verfügung. Anfängerinnen und Anfänger sowie Interessierte aus anderen Stilrichtungen sind bei uns herzlich willkommen. Erste Fortschritte stellen sich oft schnell ein. Mit zunehmender Übung entwickelt sich ein immer bewussteres Gefühl für Körper, Bewegung und Haltung. Sicherheit steht dabei im Vordergrund: Im Gruppentraining verzichten wir auf Kontaktschläge zum Kopf. Die Intensität von Kontakten zu anderen Körperpartien wird an die körperlichen Voraussetzungen des jeweiligen Trainingspartners angepasst. So kann sich der Körper schrittweise an die Belastung gewöhnen.
Richtig angewendete Karateprinzipien verbinden Stabilität und Leichtigkeit. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Muskelkraft einzusetzen. Vielmehr lernen wir, Muskelkraft, Körpergewicht, Bewegung und Schwerkraft gezielt miteinander zu verbinden. Das macht die Kampfkunst auch für Frauen besonders geeignet. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Prinzip der Unbalance. Entgegen der verbreiteten Vorstellung geht es nicht allein darum, das eigene Gleichgewicht zu bewahren. Wir lernen vielmehr, die eigene Unbalance kontrolliert einzusetzen und die natürliche Wirkung der Schwerkraft für unsere Bewegung und Technik zu nutzen.
Die Techniken sollen dabei unabhängig von besonderen äußeren Bedingungen funktionieren. Sie setzen weder einen ebenen Hallenboden noch einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraus. Deshalb trainieren wir nicht nur barfuß in der Halle, sondern auch mit Schuhen im Freien. Nach Absprache findet beispielsweise auch Outdoor-Training an geeigneten Orten im Hamburger Stadtpark statt.
Probetraining und Kosten
Ein kostenloses Probetraining ist jederzeit möglich.
- Mitgliedschaft in der HTBU e.V.: 17 € monatlich (enthält das gesamte Sportangebot des HTBU!)
- RBKD Verbandsbeitrag: 10 € jährlich, DKV (bei Interesse) Verbandsbeitrag 25€ jährlich
- Leih-Bo werden für das Probetraining zur Verfügung gestellt. Fürs Erste langen Trainingshose und T-Shirt. Wir trainieren barfuß.
Kommt einfach vorbei und erlebt selbst, wie vielseitig traditionelles Karate und Kobudo sein können.
Die Trainingseinheiten bestehen idR. entweder aus Karate- oder aus Kobudounterricht. Im Trainingskalender erfahrt ihr, wann Karate oder Kobudo dran ist: Zum Kalender
Kobudo, gehört zum Karate, wie das zweite Rad einer Achse am Wagen

Das Kobudo ist das weit weniger bekannte Pendant zum Karate. Der Begriff lässt sich sinngemäß als „alter Weg der Waffen“ übersetzen. Leider geriet das Kobudo zunehmend in den Hintergrund, als sich das Karate zunächst auf die japanische Hauptinsel und später in die ganze Welt verbreitete. Aus bestimten Gründen trieb man eine Trennung von Karate und Kobudo voran. Häufig wird das Wort„Kara“ mit „leer“ im Sinne von „nichts in der Hand“ haben übersetzt. Daraus entstand die Vorstellung, Karate und der Umgang mit Waffen hätten nichts miteinander zu tun.
Diese Interpretation greift jedoch zu kurz. Wie Funakoshi Gichin beschreibt, kann und sollte sollte „leer“ vielmehr im Sinne eines „leeren Geistes“ verstanden werden – also als die Fähigkeit, den Kopf von überflüssigen Gedanken zu befreien. Die Reduktion auf „leere Hände“ ist daher eine sehr oberflächliche Deutung des Begriffs und misachtet die offensichtlichen motorischen Zusammenhänge mit den bewaffneten Kampfkünsten, insbesondere dem jap. Schwert und dem Kobudo. Der Umgang mit einfachen Waffen ist nicht nur aus praktischer Sicht interessant. Wer ihre Funktionsweise, Reichweite und Bewegungsprinzipien versteht, entwickelt zugleich ein besseres Verständnis dafür, wie man sich gegen solche Waffen behaupten kann.
Karate und Kobudo basieren auf denselben grundlegenden Bewegungsprinzipien. Ob mit oder ohne Waffe gearbeitet wird, verändert zwar die äußeren Bedingungen, nicht aber die zugrunde liegende Körpermechanik. Die Waffe wird damit gewissermaßen zu einer Verlängerung des Körpers. Dieses enge Zusammenspiel von Karate und Kobudo ist ein besonders charakteristisches Merkmal der praktischen Karate-Lehre nach Oshiro Toshihiro. Das Kobudo ist somit nicht einfach eine Ergänzung zum Karate, sondern eröffnet einen weiteren Zugang zu dessen Bewegungsprinzipien und vertieft deren Verständnis.

Der Bo.
Die Hauptwaffe des Kobudo ist der etwa 183 cm lange Bo, ein Stock mit einem Durchmesser von ungefähr 2,7 cm. Die dynamischen Bo-Techniken des Yamanni Ryu zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus: Der Bo kann schneidend – etwa mit einer Klinge –, stechend – mit einer Speerspitze – oder, wie auch in anderen Kobudo-Richtungen, schlagend und stoßend eingesetzt werden. Trainieren wir mit dem „reinen“ Bo, also ohne Klinge oder Speerspitze, üben wir gewissermaßen den ungünstigsten Fall: Die eigentliche Bewaffnung steht nicht mehr zur Verfügung. Waffenlose Techniken kommen in diesem Verständnis erst dann zum Einsatz, wenn keine andere Möglichkeit mehr besteht.
Man könnte nun einwenden, dass es wenig sinnvoll sei, mit einem so langen Stock zu trainieren, weil man einen solchen Gegenstand im Alltag nur selten bei sich trägt. Doch zum einen lassen sich die zugrunde liegenden Bewegungs- und Körperprinzipien auf nahezu jeden länglichen Gegenstand übertragen. Zum anderen umfasst Kobudo weit mehr als den eigentlichen Kampf mit dem Bo. Neben dem hervorragend auf das Karate abgestimmten Kraft- und Koordinationstraining bietet das Bo-Training sogar eine besondere Form des Bunkai, also des praktischen Anwendungstrainings für Karate. Die Motorik vieler Bo-Techniken lässt sich auf waffenlose Bewegungen übertragen und beispielsweise als Stoß, Schlag, Block, Hebel, Befreiung oder Wurf interpretieren. Dabei übernimmt der eigene Arm oder Körper gewissermaßen die Funktion des Bo.
Wer Bo-Techniken trainiert, trainiert damit also gleichzeitig Bewegungsmuster, die sich auf Fauststöße, Hebel- und Wurftechniken übertragen lassen. Ein wesentliches Prinzip vieler Bo-Techniken ist die plötzliche Beschleunigung: Zu Beginn der Bewegung entsteht die Vorstellung, den Bo durch die Dynamik förmlich zu zerbrechen. Diese explosive Beschleunigung lässt sich unmittelbar auf waffenlose Anwendungen übertragen. Ein weiterer Vorteil liegt im Training selbst: Mit einem Trainingsgerät lassen sich Bewegungen mit hoher Dynamik und Intensität üben, die am Trainingspartner ohne erhöhtes Verletzungsrisiko nicht möglich wären. Vereinfacht gesagt: Die Waffe schützt den Trainingspartner. Sie ermöglicht es, bestimmte Bewegungsprinzipien mit hoher Geschwindigkeit und klarer Dynamik zu trainieren, ohne den Partner dabei entsprechend zu belasten.
Dieses „bewaffnete“ Ergänzungstraining zum Karate wird als Kiguundo bezeichnet. Die Verbindung von Karate und Kobudo zeigt dabei besonders deutlich, wie eng beide Disziplinen miteinander verwoben sind: Es handelt sich nicht um zwei voneinander unabhängige Kampfkünste, sondern um eine gemeinsame Familie von Bewegungs- und Körperprinzipien, die sich gegenseitig ergänzen und vertiefen.
Im Yamanni Ryu, wie auch im Karate der Shorin Linie, finden sich weiterhin Analogien zur japanischen Schwertkunst (Beispiel: Nō Kuri Kata Video).

Die Sai.

Sobald eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht ist, wird das Training um die Arbeit mit den Sai, dem traditionellen Eisendreizack, erweitert. Das Kobudo ansich umfasst darüber hinaus zahlreiche weitere Waffen wie Tunfa, Nunchaku und andere. Um die enge Verbindung zwischen Kobudo und Karate in ihrer Tiefe zu erfahren, ist es jedoch nicht notwendig, alle Waffenarten gleichermaßen zu studieren. Die intensive Beschäftigung mit Bo und Sai eröffnet den tiefsten Einblick in diese Verbindung.
Gerade weil Karate und Kobudo so eng miteinander verbunden sind, finden sich auch in den waffenlosen Kata des Karate Bewegungen und Techniken aus dem Kobudo. Heute werden diese häufig als Techniken gegen einen Bo interpretiert. Ursprünglich handelt es sich bei manchen dieser Bewegungen jedoch vielmehr um Techniken, die mit einem Bo ausgeführt werden. Die Bewegungsanalogie zwischen Karate und Kobudo beginnt somit bereits bei den grundlegendsten Prinzipien.
Ein besonders deutliches Beispiel ist das im Karate bekannte Hiki Te. Bei vielen Karatetechniken wird eine Hand zur Hüfte zurückgezogen, während die andere die eigentliche Technik ausführt. Diese Bewegung ist keineswegs nur eine Begleitbewegung: Das Hiki Te – wörtlich als Ziehbewegung verstanden – bildet zugleich ein wesentliches Prinzip beim Schlagen mit dem Bo. Beim Bo entsteht die hohe Beschleunigung nicht dadurch, dass die vordere Hand den Stock möglichst kräftig nach vorne schiebt. Entscheidend ist vielmehr das korrekte Ziehen mit der hinteren Hand. Erst durch dieses Zusammenspiel wird die Dynamik des Bo richtig entwickelt. Daraus erklärt sich auch der im Karate verbreitete Grundsatz:
„Denke nicht an den vorstoßenden Arm, sondern an den sich zurückziehenden Arm.“
Hiki Te ist dabei weit mehr als eine einzelne Karatebewegung. Es ist ein universell einsetzbares Bewegungsprinzip, das in unterschiedlichsten Anwendungen als eine Art Platzhalter dienen kann. Trägt man beispielsweise einen Sai im Gürtel, kann die zurückziehende Hiki-Te-Hand gleichzeitig nach der Waffe greifen und sie unmittelbar mit der nächsten Bewegung einsetzen. Die gleiche Grundbewegung verbindet damit eine alltägliche Ausgangsposition mit dem überraschenden Einsatz einer Technik. Aus Sicht des Karate sollte es möglich sein, aus einer natürlichen Haltung mit herabhängenden Armen überraschend und ohne Ausholbewegung zu agieren. Die Arme durchlaufen dabei unter anderem die Hiki-Te-Position, ohne dass ein sichtbares Vorbereiten der Technik erforderlich ist.
So wird deutlich, dass Hiki Te nicht lediglich eine charakteristische Karatehaltung ist. Es verbindet grundlegende Bewegungsprinzipien von Karate und Kobudo und dem jap. Schwert und macht sichtbar, wie eng beide Disziplinen ursprünglich miteinander verwoben sind. Japanische Samurai hatten über mehrere Jahrhunderte großen Einfluß in Okinawa. Eigentlich sehr offensichtlich, dennoch kaum wahr genommen, ist Hiki-Te zudem der Übergang vom unbewaffneten Beginn einer Auseinandersetzung zum Benutzen einer Waffe als Hilfsmittel in der Not. Es ist der fließende Übergang von Karate zu Kobudo von einem Moment auf den anderen. Die Hand, die im Karate zur Hüfte geht, befindet sich damit im Bereich unseres Gürtels und den dort mitgeführten Waffen (z.B. Sai). Automatisch ziehen wir mit der nächsten Technik die Waffe.
Faszination des „alten“ Karate. Kampfkunst oder Wettkampfsport?

Karate wird heute in allerlei verschiedenen Stilrichtungen in der ganzen Welt gelehrt. Klar ist, dass es nie „das eine Karate“ gegeben hat. Karate wurde ursprünglich auf sehr privater Basis und anhand der Erfahrungen des jeweiligen Meisters weiter gegeben. Es hat somit eine sehr lebendige Tradition. Viele moderne Stilrichtungen basieren auf Veränderungen und Stilisierungen, die im 20. Jhdt geschahen. Auslöser der Veränderungen sind im wesentlichen der Übergang vom privaten Unterricht hin zu öffentlichen Vereinen oder dem Schulsport (1905) auf Okinawa und der einige Jahrzehnte später einsetzende Wettkampfgedanke sowie die Integration in den Militärdienst auf der Hauptinsel Japan. Die weltweite Verbreitung wurde von Japan aus für das wettkampforientierte Karate voran getrieben. Kaum einem nicht japanischen Karateka war damals bekannt, das ein ursprünglicheres Karate existiert und ein verändertes Karate weiter gegeben wurde. So standen Wettkampfideen im Fokus des Trainings und der Technik. Gleichzeitig wurden aber auch Botschaften wie „Im Karate geht es nicht um Sieg oder Niederlage…“ vermittelt. Dieser Gedanke passt wiederrum nicht zum Wettkampf. Eine konträre Situation war geschaffen.
Wenn Menschen an Karate denken, entstehen häufig Bilder von laut schreienden und vor Anspannung bebenden Athleten. Dazu beigetragen hat die starke Präsenz des wettkampforientierten Karate und die Gewohnheit großer Karateverbände, ihre Magazine und Veröffentlichungen mit erfolgreichen Wettkämpfern in Siegerpose zu präsentieren.
Dabei steht das euphorische Feiern des Sieges scheinbar im Widerspruch zu einem zentralen Gedanken des Karate: Es gehe nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die fortwährende Vervollkommnung des eigenen Charakters. Das soll keineswegs die Bedeutung des Wettkampfsports für junge Menschen schmälern. Wettkampf kann motivieren, Freude bereiten und wertvolle Erfahrungen vermitteln. Es geht auch nicht darum, Wettkampfkarate zu verurteilen. Vielmehr sollte man verstehen, dass sich hier zwei sehr unterschiedliche Ansätze entwickelt haben.
Das moderne Wettkampfkarate ist ein eigenständiger Zweig, der sich aus dem traditionellen Karate heraus entwickelt hat. Die ursprüngliche Kampfkunst verfolgt jedoch andere Ziele und unterliegt anderen Bedingungen. Kampfsport als Wettkampf und traditionelle Kampfkunst sind deshalb nicht einfach zwei Varianten derselben Sache.
Andere Bedingungen – andere Prinzipien
Im Wettkampf gibt es klare Regeln, einen ebenen Hallenboden, festgelegte Gewichts- und Altersklassen und definierte erlaubte Techniken. Es geht darum, unter fairen und vergleichbaren Bedingungen Fähigkeiten zu messen – beispielsweise Schnelligkeit gegen Schnelligkeit oder Kraft gegen Kraft. Auch der zweite Platz kann ein großer persönlicher Erfolg sein und verdient Anerkennung. Diese Bedingungen entsprechen jedoch nicht den Anforderungen einer Kampfkunst, die sich mit potenziell gefährlichen Situationen unabhängig von Alter und Geschlecht beschäftigt. Auch bei einer im Wettkampf präsentierten Kata gelten andere Maßstäbe. Äußerlich sichtbare Kraft, große Bewegungen und markante, heroisch wirkende Haltungen machen die Ausführung für Kampfrichter erkennbar und damit bewertbar. Bei einer Show-Vorführung kommt hinzu, dass die Bewegungen für das Auge des Zuschauers eindrucksvoll und verständlich sein sollen.
Eine reale Konfrontation folgt völlig anderen Bedingungen. Hier gibt es keine Regeln, keinen ebenen Hallenboden, keinen Verzicht auf Waffen und keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen. Jede noch so kleine Bewegung kann entscheidend sein – ebenso wie das bewusste Vermeiden unnötiger Bewegung.
Ebenso wichtig kann es sein, unnötige Bewegungen vollständig zu vermeiden. Das verändert auch die Art, wie eine Technik ausgeführt wird. Bei einer Wettkampf-Kata müssen Bewegungen für Kampfrichter deutlich sichtbar und bewertbar sein. Kraft, Dynamik und charakteristische Haltungen werden deshalb häufig bewusst nach außen getragen. Bei einer Vorführung kommt zusätzlich der Aspekt der Präsentation hinzu: Das Auge des Zuschauers soll die Bewegung erfassen und als kraftvoll und ästhetisch erleben können. In einer realen Konfrontation gelten dagegen andere Prinzipien. Effektivität muss nicht sichtbar, sondern wirksam sein. Bewegungen können klein, unscheinbar und schwer vorhersehbar sein. Die eigene Kraftentwicklung und Dynamik sollte möglichst lange verborgen bleiben und dennoch jederzeit plötzlich abrufbar sein. Nahezu alle traditionellen Techniken zielen zudem auf empfindliche Körperregionen und wären deshalb im sportlichen Wettkampf nicht zulässig. Das ist kein Mangel des Wettkampfs, sondern eine notwendige Folge seiner Regeln.
Die Möglichkeiten der Kata
Diese Unterschiede haben zwangsläufig auch Einfluss darauf, welche Techniken im Training und in der Interpretation der Kata im Vordergrund stehen. Wenn man sich im Wettkampf im Wesentlichen auf wenige erlaubte Trefferzonen wie Kopf und Körpermitte beschränkt, bleiben große Teile des technischen Potenzials der traditionellen Kata ungenutzt. Kata enthalten jedoch wesentlich mehr: Ausweichbewegungen, verborgene Techniken, plötliche Winkelwechsel, Würfe, Hebel, Befreiungen und Angriffe auf unterschiedliche Körperbereiche. Auch die Stellungen und Standwechsel sind nicht bloß dekorative Formen. Sie können dazu dienen, die Position des Gegenübers zu beeinflussen, einen Wurf vorzubereiten oder gleichzeitig mit Armtechniken in die Stellung des Partners einzudringen. Um solche Anwendungen zu verstehen, sollte man sich deshalb nicht ausschließlich an einer Wettkampfsituation orientieren. Die Bedingungen des Wettkampfs sind gerade darauf ausgelegt, einen fairen und kontrollierten Vergleich zu ermöglichen. Die traditionelle Kampfkunst beschäftigt sich hingegen mit dem Prinzip der Überraschung, der Effizienz und der Anpassung an die jeweilige Situation. Viele traditionelle Techniken zielen auf empfindliche Körperregionen und wären im Wettkampf daher nicht zulässig. Die eigene Kraftentwicklung und Dynamik muss möglichst verborgen bleiben und dennoch jederzeit plötzlich abrufbar sein. Ziel ist nicht, eine Technik spektakulär aussehen zu lassen, sondern ihr überraschende und unmittelbare Wirksamkeit zu verleihen. Genau hier liegt ein grundlegender Unterschied: Was ein Kampfrichter nicht sehen kann, kann er auch nicht bewerten. Dieser Umstand musste zwangsläufig Einfluss auf jene Karate-Stile nehmen, die für den Wettkampf angepasst wurden.
Um diese Prinzipien zu verstehen, sollte daher nicht ausschließlich eine Wettkampfsituation als Beispiel dienen. Die Vorhersehbarkeit und die festgelegten Abläufe eines sportlichen Zweikampfs verändern zwangsläufig die Voraussetzungen. Die traditionelle Kampfkunst beschäftigt sich dagegen mit dem möglichst effizienten und überraschenden Einsatz von Bewegung – unabhängig davon, wie spektakulär sie für einen Beobachter aussieht.
Fazit
Wir müssen zunächst davon ausgehen, dass uns ein Angreifer körperlich überlegen sein kann – sei es durch Gewicht, Reichweite oder „äußere“ Kraft. Die Ausgangslage erscheint dadurch zunächst aussichtslos. Gerade diese vermeintlich u
nfaire Ausgangslage macht es notwendig, nicht Kraft gegen Kraft zu setzen, sondern ausgefeilte Bewegungsprinzipien und intelligente Körpermechanik einzusetzen.
Wenn Gelenke, Körpermasse und Bewegungsrichtung in den richtigen Winkeln miteinander arbeiten, kann aus vergleichsweise wenig eigener Kraft eine erstaunliche Wirkung entstehen. Genau darin liegt ein wesentlicher Gedanke der Kata: Sie vermittelt Bewegungsprinzipien, die uns helfen sollen, Gefahr zu vermeiden, Kontrolle zu erlangen und uns aus einer ungünstigen Situation zu lösen.
Aus diesem Grund zeigen die Kata auch keine typische Kampfhaltung, wie man sie beispielsweise aus dem Boxen kennt. Eine eindeutige Kampfbereitschaft würde dem Gegenüber signalisieren, dass man mit einem Angriff oder einer Gegenwehr rechnet. Eine mögliche taktische Idee des traditionellen Karate besteht dagegen darin, weder Kampfbereitschaft noch Kampfeswillen nach außen zu zeigen, dabei innerlich jedoch jederzeit handlungsfähig zu bleiben.
Unter dieser Voraussetzung lösen sich manche Diskussionen über die vermeintliche Überlegenheit einzelner Karatetechniken auf. Entscheidend ist nicht allein, welche Technik angewendet wird, sondern auch, unter welchen Voraussetzungen sie entsteht und ob der andere ihre Absicht frühzeitig erkennen kann.
Natürlich gehört auch körperliche Abhärtung zur Kampfkunst. Ein Körper, der Belastung ausgesetzt wird, kann robuster und widerstandsfähiger werden. Diese Härte muss jedoch nicht zwangsläufig nach außen sichtbar sein. Ebenso wichtig ist die weiche, entspannte und durchlässige Seite des Trainings: Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit, Körpergefühl und die Fähigkeit, Spannung gezielt einzusetzen und ebenso wieder loszulassen.
Viele Karateka trainieren heute nach Maßstäben, die ursprünglich aus dem Wettkampf stammen, obwohl sie selbst gar kein Interesse am Wettkampf haben. Das ist nicht grundsätzlich falsch – entscheidend ist jedoch, sich bewusst zu machen, welcher Ausrichtung das eigene Training tatsächlich folgt.
Wer Karate als traditionelle Kampfkunst betreiben möchte, sollte daher regelmäßig hinterfragen: Was möchte ich trainieren – und was trainiere ich tatsächlich? Nur wenn diese beiden Dinge übereinstimmen, kann das Training konsequent dem eigenen Verständnis von Karate folgen.
Kata – Bücher der Motorik und Dynamik in Angesicht einer Bedrohung.


Kata stellen die Therorie des Karate in praktisch ausgeführte Formen gegossen dar. Karate und dessen Kata verknüpfen hoch effektive Strategien, Prinzipien und Techniken der Kampfkunst mit dem lebensfreudigen und energetischen Ausdruck des okinawanischen Tanzes.
Körper und Geist werden durch die Vielfalt der Bewegungen und das in praktische „Formen gepackte Wissen“ in einer Tiefe angesprochen, die gewöhnlicher Sport oder reine Gymnastik kaum erreichen kann. Die Kata sind dabei weit mehr als festgelegte Bewegungsfolgen: Sie stellen eine auf praktische Weise erfahrbare Form von Theorie dar.
Während wir uns im Westen theoretisches Wissen häufig über Bücher und abstrakte Modelle aneignen, vermittelt die Kata Wissen unmittelbar über Bewegung, Wahrnehmung und Erfahrung. Sie bleibt nicht bei der Theorie stehen, denn in ihrer Ausführung ist ein imaginärer Gegner stets präsent.
Jede noch so kleine Bewegung muss sich an diesem gedachten Gegner orientieren und daran messen lassen. Nur wenn die Kata mit einer konkreten Vorstellung von Angriff, Distanz, Winkel und Reaktion ausgeführt wird, erschließt sich ihre eigentliche Bedeutung.
Auf diese Weise entsteht ein außergewöhnlicher Weg des Lernens. Über die Kata entwickelt sich ein immer feineres Bewusstsein für den Gegner, die eigene Position und die eigenen Schwachstellen. Gleichzeitig lernt man, diese Schwachstellen durch Bewegung und Positionierung zu schützen.
Die dabei entstehende Bewegung folgt dem Enbusen, der Ablauf- und Bewegungslinie der Kata. Das Enbusen ist jedoch nicht nur eine geometrische Linie auf dem Boden. Es kann zugleich als Spiegel der räumlichen Beziehung zum gedachten Gegner verstanden werden.
Die Kata lehrt damit, Schwachstellen des Gegenübers zu erreichen und gleichzeitig die eigenen zu schützen. Dabei spielt auch der Überraschungsmoment eine wesentliche Rolle. Vor der ersten eigenen Aktion sollte möglichst nichts auf die Absicht hindeuten, in eine kämpferische Auseinandersetzung einzutreten.
Für Angriff, Kontrolle und Bewegung wird der gesamte Körper eingesetzt. Karate beschränkt sich deshalb nicht auf Arm- und Beintechniken. Auch Beine und Füße beeinflussen und kontrollieren gleichzeitig die Stellung des Gegenübers. Die gesamte Körperstruktur wird zu einem Werkzeug der Bewegung.

So betrachtet eröffnen die Techniken der Kata eine Vielzahl von Möglichkeiten, die sich an Distanz, Winkel, Position und Bewegung des Gegenübers anpassen lassen. Gerade diese Vielseitigkeit macht die Kata zu einem besonderen Lernsystem: Man trainiert nicht lediglich eine festgelegte Abfolge, sondern erlernt Prinzipien, die sich immer wieder neu auf unterschiedliche Situationen übertragen lassen.
Die senkrechte Linie entlang der Körpermitte (Augen, Kiefer, Nase, Hals, Herz, Solar Plexus, Genitalbereich) besteht aus unseren empfindlichsten Körperpartien und wird Seichusen genannt. Karate tut mit jeder Haltung und Bewegung alles, um diese Linie im Stillstand aber auch in der Bewegung zu schützen – also dem sie dem Gegner nicht frontal und damit direkt zugänglich zu präsentieren. Werden diese Vitalpunkte direkt getroffen, ist eine empflindliche Trefferwirkung sicher. Viele andere Vitalpunkte, die in einer Trainingssituation gute Wirkung zeigen, sind bei einem unter Drogen oder einfach nur unter Adrenalin stehenden Gegner kaum mehr wirksam.
Das Oshiro Dojo Hamburg gibt es seit 2008
In Hamburg wird seit 2008 umfangreiches Training angeboten. Es unterrichten euch in Hamburg, der Dojogründer Oliver (2. Dan Shima Ha Shorin Ryu Karate und Yamanni Ryu Kobudo, 2. Dan Hachiman/ Mugai Ryu Battojutsu), sowie die fortgeschrittenen Schülergrade Michael, Mori, Ray und Lucy. Am Freitag unterrichtet Carsten (1. Dan Shima Ha Shorin Ryu Karate, 1. Kyu Yamanni Ryu Kobudo), Gründer des Oshiro Dojo Lüneburg. Als Lehrer eines Oshiro Dojos stehen wir in einer lebendigen Tradition der alten Kampfkünste Okinawas.
Regelmäßig bilde ich mich durch öffentliche Lehrgänge und private Trainingseinheiten mit Oshiro Toshihiro Shihan (9. Dan) weiter. Dafür reise ich regelmäßig nach Okinawa. Wir haben das Glück, von Menschen unterrichtet zu werden, die ihr Leben der Erforschung und Lehre des Shorin Ryu Karate und des Yamanni Ryu Kobudo gewidmet haben.
Unsere Trainingstage sind:
Montag (Karate oder Kobudo)
Dienstag (Karate oder Kobudo)
Donnerstag (freies oder angeleitetes Training)
Freitag (Carsten: Karate oder Kobudo)
Sonntag (Karate oder Kobudo)
Für die genauen Trainingsinhalte der jeweiligen Tage haben wir einen Trainingskalender online.
RBKD – Ryukyu Bujutsu Kenkyu Doyukai. Der R.B.K.D wurde 1985 von Chogi Kishaba in Okinawa und Toshihiro Oshiro in den USA gegründet. Das Ziel dieser einfach strukturierten Organisation ist die Erforschung und Verbreitung des Okinawa-Karate der Shorin Ryu Linie und der Kobujutsu Techniken des Yamanni Ryu als authentische Tradition der Kampfkünste Okinawas. Mit dem RBKD-Germany gibt es einen Oshiro-Dojo-Verbund mit Trainingsmöglichkeiten in ganz Deutschland. Den RBKD Germany leiten Oshiro Shihans langjährigste Schüler: Ralf Smolin, Jörg Rippert und Steven Utracik.


