Geschichte des Karate

Okinawa, die Schmiede

 

Flug von Tokyo nach Okinawa (2017)

Okinawa. »Oki« hat die Bedeutung »Meer« und »Nawa« kann mit »Band« über­setzt werden. Ein Band ist lang und schmal. Genau so ist auch die Insel­­gruppe um die Hauptinsel Okinawa geformt, die wie eine Perlenkette zwischen Japan und China im Pazifik aufgereiht ist. Früher wurde die Inselgruppe Ryukyu oder auch Loo Choo genannt. Die Breite Okinawas beträgt zwischen 5 und 25 km während die Länge etwa 100 km entspricht. Die Inseln reichen von Kyushu bis nach Taiwan und trennen an dieser Stelle den Pazifik vom Ostchinesischen Meer.

 

Zwischen China und Japan. Okinawa pflegte bereits Handelsbeziehungen mit China, bevor es auch mit Japan anbandelte. Die Entfernung Okinawas zur Hauptinsel Japan ist in etwa gleich der zu China. China ist der Geburtsort der Kung-Fu oder Wushu Kampfstile. Es siedelten viele Chinesen auch dauerhaft nach Okinawa über. Hier sind insbesondere die sogenannten »36 Familien« bekannt. Diese Chinesen sollten ihre Kultur und damit einhergehend auch chinesische Kampfkunst mit nach Okinawa bringen. Den »36 Familien« haben die chinesischen Kampfkünstler vermutlich angehört, auf die wir uns bei den karatehistorisch bedeutsamsten Namen, wie Chatan Yara oder Kushanku beziehen. Zum Schutz vor den immer drohenden Angriffen durch Piraten (Waka), mußte zu den Schiffsbesatzungen auch immer in der Kampfkunst ausgebildetes Personal gehören. Auf Okinawa hat das heute überall bekannte Karate etwa ab dem 17. Jahrhundert begonnen, seine Gestalt anzunehmen.

Schloss Shuri. Hof mit Hauptgebäude

Naha, Shuri und Tomari. Es bildeten sich die drei nahegelegenen Städte Shuri, Tomari und Naha als Entwicklungszentren des Karate und Kobudo heraus. Die Ryu Kyu Inseln (heutiges Okinawa) waren um 1400 in die drei Königreiche Hokuzan, Chuzan und Nanzam zersplittet. Alle drei Reiche betrieben Handel nach Übersee. König Sho Hashi vereinigte die drei Reiche und legte den Grundstein für das Köniogreich Ryu Kyu. Um 1429 legte er das Kapitol und die Verwaltung in das Schloß Shuri (Shurijo) und war damit den größten Handelshäfen in Tomari und Naha sehr nah.

In das Hauptgebäude des Shurijo gingen lediglich der König oder chinesische Oberhäupter direkt hinein.

Unsere Karaterichtung hat ihre Wurzeln in Shuri und Tomari. Durch den Einfluß chinesischer Kampfkünste und unter Einbeziehung von bereits bekannten und erprobten Prinzipien aus dem japanischen Schwertkampf und einer bereits bestehenden waffenlosen Kampfkunst, fand die Entwicklung der Kampfkunst statt, aus der auch das heute sehr bekannte Karate entstand.

 

Einen Kreis mit einer Geraden machen – Das japanische Schwert als Vorbild. Die Entwicklung effektiver Kampfprinzipien gipfelte für das Karate aus Shuri im grundlegenden Prinzip, einen Kreis durch eine gerade Linie zu erzeugen, d.h. stets geradlinige Techniken auszuführen. Geradlinige Techniken nehmen die kürzeste Bahn zum Ziel. Die Kunst dahinter ist es, im Körper genügend Energie zu erzeugen und die Schwerkraft so gezielt einzusetzen, dass diese Techniken ausserordentlich effektiv sind, trotz der kurzen Wege. Dies führt bis hin zu sogenannten One-Inch-Techniken, die in den Körper eindringen, obwohl Hand oder Faust bereits am gegnerischen Körper anliegen. Hier besteht also eine Distanz von null beim Start der Technik, dennoch soll Schlagwirkung erzeugt werden. Die Idee der Geraden steht im Gegensatz zu Kampfstilen, die kreisförmige Bahnen der Extremitäten durch kreisförmige Bewegungen des Körperkerns oder näher am Körper gelegene Gelenke (wie die Ellbogen) erzeugen (einen Kreis durch einen Kreis machen). Dieses sehr grundlegende Prinzip ist in den moderneren Varianten des Karate verschwommen, was nicht nur eine Veränderung vieler Techniken bedeutete, sondern sich auch auf die Körpermotorik insgesamt auswirkte. Das »Kreis durch eine Gerade-Prinzip« beschreibt die Analogie zu einem Schwerthieb, bei dem die Hände am Schwertgriff auf einer geraden Linie bewegt werden, die Schwertspitze jedoch die maximale Energie auf einer Kreisbahn aufnimmt. So ergänzen sich die kürzeste Verbindung (die gerade Linie) mit maximaler Energieerzeugung (Kreisbahn). Selbiges Prinzip findet auch im Yamanni-Ryu Kobudo Anwendung, egal ob mit Bo oder Sai.


Die Samurai.
Der Kampfstil der Shimazu Samurai nennt sich »Jigen-Ryu«. Besonderes Merkmal des Stils ist das Augenmerk auf die Beendigung des Kampfes mit einem Hieb. Die Samurai entwickelten einen sehr speziellen Schwerthieb, den sie »Flammenwolke« nannten. Dieser Hieb war Grundlage des Trainings und wurde auf Wucht und Schnelligkeit perfektioniert, so dass es kaum mehr möglich war, ihn abzuwehren. Gegnerischen Samurai soll beim Versuch, den Schwerthieb der Satsuma zu blocken, das eigene Schwert tief in die Haut gedrückt worden sein. Selbst ein Versuch auszuweichen war schwierig, denn das Schwert des Samurai schoss wie ein Blitz aus dem Himmel nach unten aus der ge­ho­benen Haltung mit der Schwertspitze in Richtung Himmel. Das Shorin-Ryu Karate sowie das Yamanni Ryu Kobudo zieht die Unmöglichkeit des Blockens eines besser bewaffneten Gegners in betracht und legt daher sehr viel Wert auf eine schmale Körperhaltung, so wie auch auf eine dynamische Beweglichkeit aus der heraus Angriffe erfolgen. Weil ein Abhärten des Körpers gegen Waffen (insbesondere natürlich Schnittwaffen) nicht möglich ist, liegt ein großer Trainingsschwerpunkt auf der Beweglichkeit und des Umgehens von Angriffen während man selbst angreift. Ein reines Blocken wird vermieden, da dieses selbst im Erfolgsfall keinen direkten Vorteil bringt. Ein aggressiver Gegner stoppt seinen Angriff nicht aufgrund eines erfolgreichen Blocks und es wird umso schwieriger, ihm die Angriffinitiative abzunehmen, je länger die Auseinandersetzung dauert.

Allen (modernen) Gerüchten um Waffenverboten zum Trotz, hatten Okinawische Meister wie Sokon »Bushi« Matsumura im 19. Jh. die Erlaubnis, den beschriebenen Schwertkampfstil in Satsuma zu lernen. Auch Funakoshi Gichins Lehrer, Anko Asato übte sich im Umgang mit dem Samuraischwert. Dies sind Tatsachen, die an einer Schreckensherrschaft der  Shimazu-Samurai aus dem japanischen Satsuma zweifeln lassen. Das Prinzip des »Tötens mit einem Schlag — Ikken Hisatsu« pflanzte sich in das okinawisches Karate fort, indem effektive Techniken entwickelt werden sollen und ein Kampf möglichst schnell beendet werden soll. Sokon Matsumura zeigt sich für die Entwicklung des Shuri-Te Stils verantwortlich, welcher Grundlage für das Shorin-Ryu und sehr viele moderne Karatestile ist.

 

Einfluss chinesischer Meister. Die Namen der Kata zeigen den Einfluß chinesischer Kampfkünstler auf das Karate auf. Es sind Namen wie Chinto (moderner Name Gangaku), Kushanku (Kanku), Wanshu (Enpi). Die chinesischen Kampfkünste hatten, als das Karate noch in den Kinderschuhen steckte, auch den waffenlosen Kampf bereits sehr weit entwickelt. Das chinesische Schriftzeichen für »Wu« (von Wu Shu, japanisch »Bu«) bedeutet soviel wie »stoppe Waffen (Lanzen)« in einer weiteren Bedeutung, einen Kampf direkt zu beenden oder aber abwenden zu können.

Viele chinesische Lehrer bekräftigen mit dieser Erklärung auch einen »pazifistischen« Charakter ihrer Kampfkunst. So ist es demnach das Grundziel einer Kampfkunst, den physischen Kampf zu vermeiden oder bereits im Keim zu ersticken.

So kann man es auch als Grundidee des traditionellen Karate betrachten, dass ein für beide Seiten gefährlicher Kampf  sofort beendet werden, oder besser noch, gänzlich vermieden werden sollte. Der Oberbegriff für chinesische Kampf­künste  »Wu Shu« ist relativ modern und wird in China oftmals lediglich mit Bezug auf die modernen und aus den klassischen Kampfstilen abgeleiteten Kampf­sport­arten gebraucht. In nicht so sehr staatlich beeinflussten Gefilden wie Taiwan wird eher von Gong Fu oder Quan Fa gesprochen. Gong Fu bedeutet »Zeit, Energie« und »Arbeit« und beschreibt den Umstand, dass viel Zeit und Mühe investiert werden muß, um ein körperliches und geistiges Verständnis für die Techniken, Prinzipien und der Motorik der Kampfkünste zu erlangen. Quan Fa kann man als die »Methode der Faust« oder einfach Fausttechnik übersetzen. Während sich Gong Fu nicht allein auf das Meistern der Techniken der Kampfkünste bezieht, so ist der Begriff Quan Fa nur für diese reserviert. Nach Japan importierte Quan Fa Stile finden sich dort unter dem Sammelbegriff »Kempo« wieder.

»Te (Di)« – die eigene Kampfkunst der Okinawaner. Die gebräuchlichsten Waffen der Krieger Okinawas zur Zeit der ersten Sho-Dynastie (1409-1469) waren das Schwert und der Speer. Bis zu dieser Zeit waren die Okinawa zugehörigen Inseln ständig in Kleinkriege und Fehden verwickelt. Der Umgang mit dem Kampf hat sich also prägend auf die Kultur ausgewirkt. Seit etwa dem 7. Jhdt entwickelte sich auf Okinawa mit der Te (okinawisch »De«) genannten Kampfkunst bereits eine native Form des Zweikampfes. Viele Autoren schreiben, Te sei ein unterentwickelterer Vorläufer des Tode gewesen. Dies hat sich mittlerweile als offensichtlich falsch erwiesen.

Das Te ist mit den Kobudowaffen und auch dem Schwert technisch verknüpft worden.  Das Te zeichnet sich im Gegensatz zum Tode durch weitläufige, kreisende Bewegungen aus während das Tode die direkte Linie sucht. Besonders die Motobu Familie hat zuletzt mit dem 1926 verstorbenen Famlienerben Motobu Choyu die Kunst des Te bewahrt. Nach Choyuns Tod hat Uehara Seikichi den Stil fortgeführt und etwa 1945 » Motobu-Ryu« benannt. Man sieht Bewegungsprinzipien des Te in verschiedenen okinawischen Tänzen enthalten. Hieran läßt sich die tiefe Verwurzelung des Te in die okinawischen Kultur erkennen. Prinzipien der Bewegungsart der Kampfkunst derart in die eigene Kultur aufzunehmen, dass sich fast jeder bewusst oder unbewusst damit beschäftigt, ist eine sehr originelle Idee. Wer sich so später für den Weg der Kampfkunst entschied, war bereits in gewisser Weise vorbereitet.

Der bewaffnete Kampf wurde natürlich besonders ausgefeilt und Prinzipien anhand der Er­fah­run­gen auf Kriegsschauplätzen und Stammesfehden verfeinert. Die zweite Sho-Dynastie dauerte von 1470-1879. Zur Zeit dieser zweiten Sho-Dynastie geschahen die beiden Ereignisse, die später offenbar irrtümlich zu den beiden strikten Waffenverboten aufgebauscht wurden, aus denen letztlich das Karate hervorgegangen sein soll.


Waffenverbote und Karate.
Viele nationale und internationale Buchautoren berichten seit etwa der 1960er Jahre in ihren Darlegungen der Geschichte des Karate über die Eroberung Okinawas durch Samurai, brutale folgende Jahrhunderte und ein oder zwei über Okinawa verhängte Waffenverbote. Diese Waffenverbote, insbesondere das Letztere wird idR. für die Entwicklung des Karate verantwortlich gemacht. Einige okinawische Meister schrieben in ihren Büchern über die oben genannten Ereignisse und folgende Generationen von Autoren haben diese Schilderungen direkt übernommen oder nach Belieben noch etwas ausgeschmückt.

Tiefergehende Prüfung auf Kausalität wurde meist nicht unternommen oder war tatsächlich nicht möglich. Mittlerweile sind alte Dokumente und Ergebnisse unbefangener Nachforschungen zu diesem Thema verfügbar. Schlußfolgernd steht die Erkenntnis, dass die Waffenverbote offensichtlich keine wirklichen Verbote waren, und die Zeit Okinawas unter der Herrschaft der Samurai auch nicht so unbeschreiblich schwierig gewesen ist. Nachfolgend meine Version der Geschichte, die sich aus der Auswertung verschiedener Quellen und anhand von Gesprächen mit anderen Karateka und Meistern ergeben hat, welche sich ebenfalls intensiv und möglichst neutral mit diesem Thema beschäftigt haben…


Erstes “Waffenverbot”
. Das erste, sogenannte »Waffenverbot«, ereignete sich zur Sho-Shin Zeit (1477-1526). Es ging dabei sich jedoch viel eher um eine Maßnahme der zentralen Regierung unter König Sho Hashi und galt der Beseitigung des historisch bedingten »Drangs verschiedener Stämme zu kämpfen« und zur Festigung eines friedvollen Lebens der 3 Königreiche Chuzan, Nanzan und Hokuzan miteinander. Zuvor waren diese drei gesplitteten Königreiche der Ryu Kyu Inseln mit­einander zerstritten und bekriegten sich immer wieder. Sho Hashi gelang die Vereinigung der drei Königreiche.

Es handelte sich bei König Sho Hashis Erlass wahrscheinlich eher um eine Ansiedlung einiger Krieger in das Gebiet des Königssitzes (Schloss Shuri) hinein und um eine bessere Kontrolle der bis dahin unkontrolliert über die ganze Insel verstreut gehaltenen Kriegswaffen. Das Schloß Shuri befindet sich nahe der Hafenstadt Naha. Diese wurde immer wieder durch Piraten (Waka) angegriffen und war ein strategisch wichtiger Ort. Die offizielle Armee und die Sicherheitsorgane des Königs konnten sich natürlich weiterhin frei im Waffentraining üben und besaßen Waffen.

Auch war es auf Okinawa Brauch, ein Familienschwert zu besitzen. Diese Familienschwerter wurden den Okinawern erst von den amerikanischen Besatzern nach dem zweiten Weltkrieg entwendet. Geschichten in Karatebüchern, dass ein Dorf während der Samuraiherrschaft lediglich ein bewachtes oder angekettetes Messer benutzen durfte, sind also vermutlich Ergebnisse blühender Fantasie.

Es gibt ernsthafte Vermutungen, dass die Amerikaner diejenigen waren, die nach ihrem Sieg im zweiten Weltkrieg durch ihre Sammelsucht nach japanischen Schwertern, den Okinawern sämtliche Schwerter »entrissen« haben. Dieser Umstand hat sich dann fälschlicher Weise in Überlieferungen auf die Samurai aus Satsuma übertragen. Demnach könnten es auch die brutalen Erlebnisse des zweiten Weltkrieges gewesen sein, die fortan das kollektive Denken der Okinawer dahingehen beeinflusst haben, dass sie sich wünschten friedfertig und ohne Waffen auszukommen bzw. in der Vergangenheit ausgekommen zu sein.


1609 –
Zweites “Waffenverbot”. Ein zweites Mal wurde vielen Schilderungen zur Folge, nach der erfolgreichen Invasion der aus Satsuma stammenden Shimazu-Samurai, durch diese ein strikteres Waffenverbot verhangen und dessen Einhaltung überwacht. Zudem soll eine lange Zeit der brutalen Herrschaft über die okinawische Bevölkerung hereingebrochen sein, welche diese veranlasste, sich insgeheim zu organisieren und die unbewaffnete Kampfkunst Karate zu entwickeln sowie landwirtschaftliche Gegenstände in Waffen zu verwandeln.

Der Konflikt Okinawas mit Japan und speziell den Samurai aus Satsuma ereignete sich zur Sho-Shitsu Zeit (1648-1668). Etwa 1440 begann Okinawa freundschaftliche Handelsbeziehungen zu Japan zu pflegen, welche historischen Schriften folgend mit einem Geschenk Okinawas an Japan in Form von Goldmünzen begann. Zu dieser Zeit waren in Japan hauptsächlich Kupfermünzen üblich und Goldstaub mußte aus China bezogen werden. Daher war dieses Geschenk herzlich willkommen. Zur japanischen Provinz Satsuma pflegte Okinawa in der Folgezeit besondere Beziehungen. Zu Anfang des 17. Jhdt verschärften sich die Beziehungen zwischen Japan und China und bewaffnete Konflikte kündigten sich an.

Ein Minister (Jana) des damaligen okinawischen Königs, wollte unbedingt die seit Jahrhunderten bestehenden, guten Beziehungen zu China aufrecht erhalten. Jana brachte den König dazu, den Kontakt zu Japan abzubrechen. Der Fürst der Samurai aus Satsuma (Shimadzu Iyehisa) schickte daraufhin verwundert einen Gesandten nach Okinawa, um in Erfahrung zu bringen, was vor sich geht. Minister Jana wiederrum war es, der die Gesandschaft aus Satsuma, ohne eine Erklärung abzugeben, mit deutlicher Respektlosigkeit zurückwies. Daraufhin machte der japanische Shogun den Samurai aus Satsuma alle Wege frei, sich die Herrschaft über Okinawa erobern zu können. Der Einmarsch der Samurai geschah im Jahr 1609.

Nach siegreicher Beendigung der Kämpfe verhafteten die Satsuma Samurai den okinawischen König sowie Minister Jana und eine weitere Person und brachten sie für eine kurze Zeit nach Satsuma. Dort wurde vertraglich geregelt, dass Okinawa von nun an unter die Herrschaft der Satsuma fällt und keine eigenen Wege mehr ohne Erlaubnis gehen kann. Minister Jana war der einzige, der es wagte, diesen unangenehmen Vertrag nicht zu unterschreiben. Daraufhin soll er geköpft worden sein.

Shoshin Nagamine (Matsubayashi Shorin Ryu) spricht in einem Interview von grosser Brutalität der Samurai den okinawischen Einwohnern gegenüber. Diese Brutalität wurde aber offenbar nur während des Einmarsches der Samurai gegen die sich wehrende okinawische Armee angewendet und an Minister Jana, als er sich weigerte, den »Verlierervertrag« zu unterzeichnen.

Doch keine Waffenverbote. Es ist eine Ausgabe des Phoenix-Magazins von 1873 durch das Karatemuseum auf Hawaii veröffentlicht worden. Darin befindet sich ein detailiierter Bericht des Herausgebers des Magazins (James Summers), einem londoner Professor für chinesische Sprache über die Geschichte Okinawas, insbesondere über die Zeit um den Konflikt mit Japan im Jahre 1609. Dieser Artikel ist einerseits eine neutrale Quelle, andererseits vor der Massenverbreitung des Karate und Entstehung damit verbundener Geschichten verfasst. Es findet sich kein Wort über Waffenverbote oder einer Schreckensherrschaft durch die Samurai. Weitergehend gibt der Artikel einen Bericht von dem Japaner Tomioka Shiuko wieder, der diesen etwa 1850 abgab. Hier werden die Okinawer als sehr gute Bogenschützen zu Pferde und als gute Scharfschützen mit dem Luntenschussgewehr (Muskete) beschrieben. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass kein Waffenverbot bestand. Außerdem heißt es, die Okinawer haben besondere Fähigkeiten im »Boxen«, so dass ein gut trainierter Kämpfer Wasserkrüge zerschlagen oder einen Menschen mit einem einzigen Schlag töten kann. Also ist auch von einer absoluten Geheimhaltung der Kampfkunst und ihres Potentials hier keine Spur zu finden. Die Zeit der umstrittenen »Bevormundung« Okinawas durch die Samurai endete 1875 und Okinawa wurde als offizieller Teil Japans anerkannt.