Unsere Lehrer und wir

Auch wir haben (natürlich) Lehrer. Der Satz „Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden“ trifft auch in der Kampfkunst zu. Mit unseren Lehrern Roberto Romero, Sensei (5. Dan) und Toshihiro Oshiro, Shihan (9. Dan) haben wir das Glück, von Menschen  unterrichtet zu werden, die ihr Leben der Erforschung und Lehre des alten Karate der Shorin-Ryu Linie und des damit verbundenem Kobudo gewidmet haben. Aus dem Shorin-Ryu heraus, wurden im 20. Jhdt viele modernere Stile gebildet. Das Waffentraining wurde in den modernen Stilen leider idR. nicht übernommen, obwohl die Bewegungen des Karate engstens mit dem Kobudo/ Kobujutsu verknüpft sind. Diese Verbindung beginnt bereits bei der sich zur Hüfte zurückziehenden Faust als Grundprinzip des Karate – dem sogenannten Hiki-Te.

 

Shihan Oshiro (9. Dan)

Toshihiro Oshiro  (Bo Video) wurde am 01.5.1949 in Haneji (Okinawa) geboren.
Shihan Oshiro wurde vom letzten noch in der Familientradition stehenden Lehrer des Yamanni-Ryu in diese eng mit dem Shorin Ryu Karate verbundene Kampfkunst eingeweiht. Da das Yamanni-Ryu auf Karatelegenden wie Matsumura Sokon und Tode Sakugawa zurück geht und ursprünglich nicht vom Karate getrennt war, konnte er auf diese Weise wesentliche Rückschlüsse auf die Bewegungsmotorik eben dieser Meister ziehen. Die ursprüngliche Einheit von Karate und Kobudo ist deutlich in seinen Karatetechniken zu lesen. Wer die Bewegungsdynamik in hohen wie in tiefsten Ständen, mit oder ohne Waffen, sieht und spürt, muss eingestehen, dass T. Oshiros Prinzipien physikalisch funktionieren, zu effektiver Technik führen und man sich auch im hohen Alter (er ist 70 Jahre alt) noch unglaublich geschickt und ansatzlos bewegen kann.
Das vergessene „Geheimnis“ hinter den Kata des Karate, so lehrt er, beginnt mit der Beachtung der Mittellinie (Seichusen), wie man sich während der Kata im Raum entlang bewegt (Enbusen und Schwerpunktverlagerung) und dem bewussten Einsetzen von Gamaku. Dieser Ansatz umfasst das bewusste Verlagern des eigenen Schwerpunktes nach ausserhalb der eigenen Standfläche (dynamische statt statische Stände) und den effektiven Einsatz aller Gelenke und Muskeln des Körpers (ohne pauschale Anspannung am Ende einer Technik). Entscheidend ist dabei das Verbergen der eigenen Intention sowie der Arm-/ Beintechniken vor dem Sichtfeld des Gegners. Dies sind wesentliche Prinzipien der alten Kampfkunst, welche in den modernen Karatestilen so nicht mehr zu finden sind.


Ein Video-Interview des „American Samurai“-Magazins mit Shihan Oshiro ist hier zu finden: Video

Der Verband. Der R.B.K.D wurde 1985 von Sensei Chogi Kishaba in Okinawa und Shihan Toshihiro Oshiro in den USA gegründet. Das Ziel dieser Organisation ist die Erforschung und Entwicklung des Okinawa-Karate und der Kobujutsu-Techniken, sowie die Propagierung der authentischen Tradition der Kampfkünste Okinawas, speziell der des Yamanni-Ryu. T. Oshiro ist seit dem Tod Kishabas das Oberhaupt des Verbands.
Kishaba Chogi Sensei war ein direkter Schüler von Chinen Masami (Begründer des Yamanni-Ryu). Masami Chinen lebte in Shuri und praktizierte Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Ryu Bojutsu. Das R.B.K.D.-Lehrprogramm konzentriert sich auf die Waffen Okinawas mit dem Schwerpunkt auf Bo und Sai. Der grundlegende Stil des R.B.K.D. ist das Yamanni-Chinen Ryu Bojutsu. Die Absicht des R.B.K.D. ist, durch Übung der einzigartigen Beinarbeit und Körperdynamik des Yamanni-Ryu jedem Schüler das Verständnis für die okinawanischen Kampfkünste zu erleichtern. Der R.B.K.D. ist offen für Neueinsteiger und Praktizierende aller Stile, die Interesse an den traditionellen Kampfkünsten Okinawas haben.

Teruo Chinen (Goju Ryu Karate), dessen Großonkel Masami Chinen war, sagt in einem Interview über die Chinen Familie und die Kampfkunst Okinawas:
F: Sensei, in welcher Beziehung stehen Sie zu Chinen Masami Sensei vom Yamanni-ryu?
A: Er überbrachte zwei Künste: Eine ist ein Waffensystem und die andere ist das Shorin-ryu Karate. Masami Chinen war mein Großonkel. Er lebte in Shuri auf Okinawa und arbeitete genauso wie mein Bruder im Rathaus von Shuri. Ich nannte ihn Großonkel Shobi. Das Kanji-Zeichen für Masa kann auf chinesisch auch als „Sho“ oder „Sei“ ausgesprochen werden. Das war unsere Familienabstammungslinie. Meine Familie praktizierte beides – Shorin-ryu und auch die Waffenkunst des Yamanni-ryu. Laut der Auskunft meines Bruders, unterrichtete mein Vater Waffenkunst in Kobe, Japan, als Amateur. Aber weil er japanischer Marineoffizier war, übernahm er die japanische Weise und benutzte nicht mehr den Masa-Namen für seine Kinder. Konsequenterweise erhielten meine 3 Brüder und ich alle japanischen Vornamen – Akira, Hirokazu, Teruo und Toshio. Keine chinesischen Namen mehr, keine Masa-Linie mehr.
F: Abschließend noch Sensei, denken Sie, dass Waffentraining eine gute Ergänzung für das Karate ist?
A: Absolut. Selbst das Kendo-Training ist für suburi (Üben des Schneidens) gut. Das Waffensystem von Okinawa, wie Kon (Bo), Sai, Tunfa, Nunchaku, bietet eine Form des Kiguundo (Ergänzungstraining) welches von unschätzbarem Wert für die Handgelenks- und Armarbeit sowie für die Körperkoordination und für das Kime (Fokussierung) ist. Darüber hinaus sollten Waffenschüler über gute Grundlagen im Karate verfügen.

 

Roberto Romero

Roberto Romero Sensei ist sicherlich Shihan Oshiros talentiertester Meisterschüler und Stilvertreter für Deutschland. Als er den Wert des Wissens um diese Kampfkünste erkannte, entschloss er sich, sein Leben fortan ihrer Verbreitung zu widmen und gab seinen eigentlichen Beruf auf. Zuvor trainierte auch er jahrzehntelang Shotokan Karate in der Linie von Sensei Shirai. Roberto Romero und Shihan Oshiro geben mehrfach im Jahr Karate- und Kobudolehrgänge in ganz Deutschland. Auch bilden sie uns regelmässig in öffentlichen wie privaten Unterrichtseinheiten fort. Beide sind hier während eines Lehrgangs in Deutschland zu sehen: Video Oshiro Shihan und Roberto Romero

 

 

Oliver Hofmann Sensei, Gründer des Dojo Hamburg.
begann 1988 mit dem Training des Kampfsports/ der Kampfkunst und erreichte den 2. Dan im Shotokan Karate. Während der Vorbereitungen auf den 3. Dan Shotokan Karate, traf er über Roberto Romero auf Shihan Oshiro und dessen Lehre. Er ist seit 2008 Schüler von Shihan Oshiro und Roberto Romero. Derzeit hält er den 2. Dan im Shorin-Ryu Karate und den 1. Dan im Yamanni-Ryu Kobudo. Iaido trainiert er seit 2007 bei Cornelius Lockau. Oliver führte das Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Ryu Kobudo im Jahre 2009 in Hamburg ein. Der Unterricht fand von Anfang an im Rahmen des Sportangebotes des HTBU e.V. in Hamburg Barmbek statt.

Seit über 30 Jahren begeistere ich mich für den Weg des Kampfsports und der Kampfkünste, zu dem ich mich bereits als Kind hingezoge fühlte. 38 Jahre sind es, zählt man den Einstieg als Siebenjähriger 1981 im Florettfechten mit. 1988 begann ich mit dem Shotokan Karate, fasziniert von der vielseitigeren Art der Körperbewegungen und des kraftvollen Ausdrucks der Techniken. Ich genoss jede Trainingsmöglichkeit und trainierte bis zu 5 mal die Woche. Nach ca 15 Jahren der intensiven Praxis, interessierten mich die Hintergründe und Wurzeln des Karate immer mehr. Es tauchten immer mehr Fragen auf während die Zahl und Qualität der Antworten immer unbefriedigender wurde.
Ich begab ich mich auf eine langjährige Suche, während der ich manche Stile parallel trainierte. Immer wieder blieben jedoch viele Fragen um Technik und Prinzip des neuen wie des alten Karate für meine Begriffe unbeantwortet. Zu viel schien verändert worden zu sein, ohne das es dafür zufriedenstellende Begründungen gab.  Der reine Sportaspekt und die moderne Interpretation und Vermarktung der Kampfkunst stellten mich schon lange nicht mehr zufrieden. Auf der Suche nach Verbindungen gesellten sich der Umgang mit dem Samuraischwert Iaido und zunächst eine modernere Variante des Kobudo in mein Training.

Notgedrungen verschlang ich unzählige Bücher und Medien. Jedoch gaben sie in der Mehrzahl bestenfalls Hinweise mit viel Deutungsspielraum, ohne anleitungstechnische Relevanz. Alte Versionen bestimmter Kata wurden zwar gezeigt, aber es schimmerte durch, das der Ausführende vermutlich nur die äußere Hülle der Kata zeigt, ohne in den tieferen Dynamiken trainiert zu sein. Karateka aus dem Westen besuchten okinawanische Meister und bekamen Kataabläufe gezeigt, welche bis dato ausserhalb Okinawas nahezu unbekannt waren. Diese Abläufe ließen sich als Lehrvideo verpackt und mit einigen Anwendungen ergänzt gut verkaufen. Dennoch blieben sie stets lediglich an der Oberfläche kratzend.

Nach den Jahren der Orientierung hin zu den verschiedenen Stilen, welche in Deutschland angeboten wurden, gelangte ich zu einem okinawanischen Lehrer (Toshihiro Oshiro, Shihan, 9. Dan) und dessen langährigen Meisterschüler (Roberto Romero, Sensei, 5. Dan), welcher sogar in Deutschland unterrichtet. Es stellte sich heraus, dass diese Begegnungen einem Neuanfang gleich kam. So direkt und klar zu spüren, nach langwieriger Suche angekommen zu sein, ist dennoch ein unbeschreibliches Gefühl. Es machte den daraufhin notwendigen Aufwand dann auch mehr als wieder gut. Das Können dieser Meister und die Plausibilität und Anwendbarkeit der Techniken überzeugten mich schnell, so dass die Suche ein glückliches Ende hatte. Shihan Oshiros Dynamik, Flexibilität und Leichtigkeit der Technik bei gleichzeitiger Effektivität ist meiner Meinung und Erfahrung nach beispiellos. Das Wissen um die feine und ausgereifte, alte Motorik dieser Kampfkunst und um die Bedeutung hinter den Bewegungen ist beeindruckend. Der Geschmack des Originären wird unvermittelt spürbar.
Jedoch gehört sehr viel Training, Selbstreflexion und Schweiß dazu, will man sich diese faszinierende Form der kämpferischen Bewegung aneignen. Sie unterscheidet sich in fast sämtlichen Aspekten von den moderneren Ansätzen von Technik und Prinzipien. Gleichzeitig beinhaltet sie einen wertvollen Teil des okinawanischen Kulturvermächtnisses.

Wir sehen es als Herzensaufgabe an, das traditionelle okinawanische Shorin Ryu Karate und das Yamanni Ryu Kobudo und damit auch einen Teil der okinawanischen Kultur in Deutschland bekannt zu machen und denen, die daran teilhaben wollen, die Ausübung zu ermöglichen.

Im hamburger Dojo unterstützen mich tatkräftig:

Gregory Garloff Sensei (1. Dan Shorin Ryu Karate, 1. Kyu Yamanni-Ryu,1. Kyu Shotokan Karate). Gregory stieg vom Shotokan Karate kommend quer bei Oliver ein. Nachdem er kurz vor dem 1. Dan im Shotokan Karate stand und dieses nicht einfach beenden wollte, entschied er sich, beide Stile parallel zu trainieren. Aufgrund der in vielerlei Hinsicht konträren praktischen Ansätze beider Richtungen, trat er bald gänzlich zum Shorin Ryu über und widmet sich seitdem einem intensivem Training.

 

 

 

Jörg Rödel Sensei (1. Dan Shorin Ryu Karate, 2. Kyu Yamanni-Ryu, 2. Dan Shotokan) schwenkte bereits früh vom Shotokan um und trainierte fortan in Aschersleben die alte Richtung des Karate und Kobudo. Dem Oshiro Dojo Hamburg trat er nach seinem Umzug in den Norden bei.

 

 

 

 

Oshiro Dojo Lüneburg und Hamburg – die Verbindung:

Sensei Carsten Kreher

Freitags bietet Carsten Kreher Sensei ein Training an (1. Dan Shorin-Ryu Karate, 2. Kyu Yamanni-Ryu). Er stieg bereits zu Gründungszeiten in Olivers Training ein und ist mittlerweile auch Schüler von Shihan Oshiro, und Roberto Romero. Carsten ist Gründer des Uchinadi-Lüneburg, in dem er Karate und Kobudo unterrichtet. Zudem gründete er bereits lange vorher einen Weg der Heilgymnastik, das Tenshido-Ryu. Auch Carsten bildet sich im Iaido, dem Weg des Schwertzeihens fort. Zudem praktiziert er als Heilpraktiker und bindet dieses Wissen in sein Training ein. Carsten hat nach der Dojogründung innerhalb kurzer Zeit eine starke Gruppe aufgebaut, in welcher die traditionelle Dojoatmosphäre deutlich spürbar ist und gelebt wird. Carsten und Oliver arbeiten eng zusammen.

Carsten (rechts) und Oliver

Ich freue mich über die Verbundenheit beider Dojoleiter.

 

 

 

 

 

 

Oshiro Dojo Stade

Über unser hamburger Dojo wurde den heutigen Lehrern des Oshiro Dojo Stade, Nadine und Nils Michel, nach anfänglichem Training in Hamburg der Kontakt mit Roberto Romero Sensei und Oshiro Shihan hergestellt. Bei Interesse am Training in Stade, wendet euch bitte direkt an die beiden.
Zitat ihrer Webseite:

„Auf der Suche nach den Wurzeln des Karate lernten Nadine und Nils 2008 Sensei R. Romero kennen, der die Prinzipien und Lehren von Shihan Toshihiro Oshiro (9.Dan) vermittelt. Begeistert stellten sie den doch starken Unterschied zum modernen bisher bekannten Karate-Stilen fest. Und begann 2010 das Shorin-Ryu Karate und das Yamanni-Ryu Kobudo  zu studieren. 2012 verabschiedete sie sich ganz vom Kempo Karate.“