Okinawa 2017 – Reise und Trainingscamp

Okinawa-Camp 2017

Der Bildbericht über unser Trainingscamp mit Shihan Toshihiro Oshiro in Okinawa ist von unten nach oben anzusehen.

2017 erfüllten wir uns den Traum eines jeden Praktizierenden der traditionellen okinawanischen Kampfkünste. Wir reisten nach Okinawa (Japan), um vom 29. Juli bis zum 5. August an einem Trainingslager mit unserem Lehrer Toshihiro Oshiro Shihan (9. Dan) teilzunehmen. Am Entstehungsort unserer Kampfkünste zu trainieren, gibt diesem an sich bereits faszinierenden Weg nochmals einen ganz besonderen Hauch. Manche von uns nahmen bereits 2014 am Trainingslager teil, für andere war es die erste Begegnung mit diesem Ort. Hier liegen also die Wurzeln unserer Bewegungsart, die so viel mehr als nur eine Sportart beinhaltet. Vielmehr handelt es sich um einen lebensbegleitenden Weg, der uns bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit halten kann. Bestes Vorbild dafür ist Oshiro Shihan selbst.

Neben unseren Dojos aus Hamburg, Lüneburg und Stade kamen viele Teilnehmer der anderen deutschen Oshiro-Dojos sowie aus den USA, Japan, Hawaii, Norwegen und weiteren Ländern. Neue Kontakte wurden geknüpft und bestehende Freundschaften gepflegt. Abends war dann viel Zeit, um Okinawa zu erkunden.

Karate und Kobudo finden sich in Okinawa, mehr oder weniger subtil, sogar in den Volkstänzen wieder. Davon konnten wir uns bereits auf der Willkommensparty einen Eindruck verschaffen, die von Oshiro Shihans Frau (Tomoko Sensei) organisiert wurde. Geladen hatte sie professionelle Tänzer, die eindrucksvoll und in traditionelle Gewänder gehüllt, verschiedene Tanzstile vorführten. Dem geübten Auge entging die Analogie zur Kampfkunst nicht, die sich in der Art und Weise des Setzens der Füße, der Haltung des Körpers und so mancher Armbewegung widerspiegelte. Dies ist eine geschickte Möglichkeit, die eigene Bevölkerung durch das Erlernen der Volkstänze breitflächig und bereits im Kindesalter mit Bewegungsprinzipien der Kampfkunst in Verbindung zu bringen.

Am nächsten Tag begann unser Trainingslager im Budokan (Halle der Kampfkünste), dessen Dachkonstruktion einem Samuraihelm nachempfunden wurde. Oshiro Shihan führte die Teilnehmer über die grundlegende Bewegungsart in der Kampfkunst, über die bekannten Techniken und Kata (Bewegungsfolgen) bis hin zu Formen, deren Detailfülle heutzutage weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Das Grundlagentraining begann mit dem Bilden der Faust, dem Setzen der Füße und dem flexiblen Einsatz des Oberkörpers. Beachtet man die Grundlagen der Haltung und Bewegung, dann schützt man die eigenen Schwachstellen, während man sich sich bewegt. Zudem beugt das ausgeklügelte Führen der Arme einem Gegriffen- oder Geworfenwerden automatisch vor.

Diese Prinzipien pflanzten sich über das Karate auch in das Training mit dem Langstock (Bo) und den Eisengabeln (Sai) fort. Karate wird zwar heute idR. mit „leere Hand“ übersetzt und als waffenloses Kampfsystem angesehen. Ursprünglich war es jedoch fest mit der Waffenkunde verknüpft, wobei der Langstock die Hauptwaffe darstellte. Das Zeichen „leer“ steht richtig übersetzt nicht für „nichts in der Hand haben“, sondern bezieht sich auf den anzustrebenden geistigen Zustand, nämlich „frei von ablenkenden Gedanken zu sein“. Karate und Waffentraining ergänzen sich zu einer einzigartigen Symbiose. Die Bedeutung und das Üben bestimmter Karatebewegungen wird erst durch die Erkenntnisse aus dem Kobudo plausibel und effektiv.
Manche fragen sich, weshalb sie mit dem Langstock (Bo) trainieren sollen, obwohl sie diesen im normalen Leben nicht mit sich führen. Es ist nicht notwendig, einen Bo ständig als Waffe mit sich zu führen, denn dessen Training wirkt sich wie ein Gerätetraining auch auf die waffenlose Bewegungsenergie im Karate aus. Richtig betrachtet führt man daher den Bo selbst dann mit sich, wenn man ihn gar nicht dabei hat.

Oshiro Shihan verstand es mal wieder durch seine einzigartige Art, uns bleibende Erkenntnisse zu verschaffen.

Auch das wieder aufgebaute Schloss Shuri besichtigten wir natürlich. Es wurde im 2. Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Zu Zeiten des Königreichs Ryu Kyu, wie die Inselkette Okinawas früher genannt wurde, arbeiteten hier Meister des Karate und Kobudo für den König, welche auch auf die Entwicklung der Kampfkünste großen Einfluss hatten. Das tropische Klima Okinawas war zunächst gewöhnungsbedürftig, glücklicherweise ist das Budokan klimatisiert.

Unserer Kampfkunst so nahe an ihrer Quelle nachgehen zu können, war für alle ein besonders intensives Erlebnis. So manchen erreichte ein Gefühl des Zuhauseseins an diesem besonderen Ort. Umso mehr freuen wir uns auf die nächste Gelegenheit, Okinawa zu besuchen oder spätestens in 2020 zum nächsten Trainingslager zu Oshiro Shihan aufzubrechen.
Jederzeit können Interessenten zu unseren Trainingszeiten am Dienstag, Freitag und Sonntag mit uns trainieren. Regelmäßig besucht Oshiro Shihan Deutschland und bietet jedem die Gelegenheit, bei ihm zu trainieren.

 

 

2. Zeitungsbericht über Shihan Oshiros Karatecamp

 

Interessant, wie die Okinawaner mal sehr subtil und mal sehr deutlich die Bewegungen der Kampfkunst in ihre Tänze einflechten

 

 

Ein etwas versteckter Tempel/ Schrein nahe dem Budokan. Die Einheimischen meditieren hier gerne. Er gilt als eine Art Energiepunkt.

 

 

RBKD T-Shirt

 

 

Von links nach rechts: Oliver, Shihan Oshiro, Gregory und Jörg nach dem Training im Budokan

 

Einfach mal faulenzen

 

 

Gregory
Am schönsten ist das Üben immer noch an interessanten Orten. Spätestens nach dieser Reise können wir uns keinen geeigneteren Ort als Okinawa selbst vorstellen.

 

Kleines Holzhaus zu Fuße der Schloßanlage

 

Okinawas Könige

 

 

Aussicht von der Schloßmauer aus

 

 

 

Schloß Shuri zugehöriges Nebengebäude

Nachbildung des Königthrons. Der 2. Weltkrieg hat leider das gesamte Schloß in Schutt und Asche gelegt. Es mußte rekonstruiert werden.

 

Tempelwächter sind in Okinawa an fast jedem Haus zu finden. Der weibliche Wächter hat den Mund geschlossen und hält so alles Gute in sich (und metaphorisch im Haus), der männliche Wächter hält mit aufgerissenem Maul alles Böse fern.

 

Wenig blieb im 2. Weltkrieg erhalten. Erhaltenes Tempeltor nahe des Schlosses. Das Schloß wurde erst 1992 wieder rekonstruiert.
Das Hauptgebäude „Seiden“. Am Eingangsbereich stehen die beiden ca 4m hohen Wächter „Dai-Ryu Chu“ – Drachenpfeiler genannt. Wie üblich hat einer das Maul geschlossen, der andere steht mit offenem Maul da. Beschreibung s.o.

 

Schloß Shuri. Über ca 500 Jahre lang Sitz der Könige und Arbeitsort bekannter Meister der Karategeschichte wie Anko Itosu und Matsumuara Sokon.

 

 

Nagamine Shoshin Senseis Karategi mitsamt Gürtel werden hier erhalten

An den Barwänden haben sich viele Dojos verewigt…wir nun auch (zur Abwechslung in rot)

Tonfa als Türgriff am Eingang zur Dojobar in Naha

 

 

Tomoko Sensei führt auf der Willkommensparty Shihan Oshiros Lieblingstanz vor

 

 

Die Willkommensparty mit okinawanischer Musik

 

 

Besuch in Okinawas Dojobar
Budokan

Die Teilnehmer aus Deutschland
Alle Campteilnehmer

Okinawas Budokan…hier trainieren wir Karate und Kobudo
Erster Kontakt mit dem Budokan in der Nacht vor dem ersten Training

Nur noch ein Katzensprung

Endanflug auf Tokyo

 

Hamburg – Abflug von einer Baustelle