Die Tradition von Karate und Kobudo als Einheit erleben – in Hamburg

 

Karate und Kobudo sind Kampfkünste, deren Entwicklung auf der japanischen Insel Okinawa stattfand. Öffentlich wurde das Karate erstmals um 1905 unterrichtet. Aufgrund seines positiven Einflusses auf die Gesundheit und Fitness fand dieser erste öffentliche Unterricht an okinawischen Schulen statt. Zu diesem Zweck entschärften die »alten« Meister ihre Kampfkunst bereits hier. Gelehrt wurde die Pinan Kata Reihe (Heian Shodan bis Godan im modernen Karate genannt). Auch japanischen Militärärzten stach die überdurchschnittliche körperliche Konstitution Karatepraktizierender ins Auge.
Ab ca 1922 verbreitete sich das Karate auch auf der Hauptinsel Japans und von dort in die ganze Welt. Die Karategruppen wurden stetig grösser und die wachsenden Lehrerzahl brachte immer vielfältigere Eigeninterpretationen der ursprünglichen Kunst hervor. Der um 1950 beginnende Wettkampfeinfluss erschuf gänzlich neue, ebenfalls spannende Richtungen des Karate, veränderte jedoch die alten Schwerpunkte und damit die Technik. Dadurch wurde die einstige Kunst teilweise so stark verändert, dass wesentliche (Bewegungs-)Prinzipien zusammen mit dem Wissen um die Formen (Kata) und Techniken verschwanden. Viele Ausübende, Schüler wie Lehrer waren auf eigene Nachforschungen oder Interpretationen angewiesen, wollten sie praktikable Hintergründe in die Techniken einfliessen lassen. Viele Hintergründe zu Technik und Prinzip des Karate sind jedoch sehr gut vergraben, seitdem öffentlich gelehrt wird bzw. der Wettkampf Einzug gefunden hat. Dennoch schimmern die alten Prinzipien auch in den moderneren Kata und Grundtechniken noch durch.

Shihan Toshihiro Oshiro (9. Dan) mit Sai

Die Lehrer um die Oshiro-Dojos in Deutschland haben sich der Erforschung und Verbreitung der alten und ausgefeilten Technik und Motorik des Shorin-Ryu Karate verschrieben. Neben dem Shorin-Ryu entstand eine zweite, sehr effektive Karatelinie auf Okinawa, sie wurde Shorei-Ryu genannt. Aus diesen beiden Richtungen entwickelten sich die vielen heute bekannten Karatestile und – arten.

Das umschriebene »alte Karate« orientiert sich nicht am Wettkampf, da dieser sich in geradezu konträrer Weise vom ursprünglichen Gedanken der Kampfkunst unterscheidet. Im Wettkampf gibt es Regeln, Gewichts- und Altersklassen, man muss äussere Kraft und Dynamik sowie faire oder festgelegte Treffer zeigen, damit Kampfrichter das Geschehen bewerten können oder sich das Auge der Zuschauer erfreut.
Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik innerlich stattfinden zu lassen, sie dennoch in die Technik einzubringen, Treffer verborgen zu halten und zu setzen, damit sie nicht von aussen gesehen oder bewertet werden können.

Die „Schaltzentrale“ manipulieren, auch in Kombination mit tiefen Tritttechniken.

Das „alte“ Karate soll in nahezu jeder Situation anwendbar sein, in der Bewegung größt möglichen Selbstschutz bieten und effektive Techniken für nahezu jede Situation antrainieren. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke wie Finger- oder Zehengelenke ein. Kampfkunst  ist ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten. Dieses Training bedeutet ein intensives Feintuning des Einsatzes und der Ausrichtung aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Da es nicht auf reiner Muskelkraft basiert, ist es auch für Frauen sehr gut geeignet, um effektive Bewegungen und Techniken ausführen zu können.

Zuki – Der gerade Weg der Faust

Seit 2010 gibt es in Hamburg die seltene Möglichkeit, traditionelles (Shorin-Ryu) Karate und (Yamanni-Ryu) Kobudo als sich gegenseitig ergänzende Einheit zu lernen. Auf diese Weise kann jeder von den vielfältigen, positiven Wirkungen dieser Kampfkünste profitieren. Es ist auch möglich, sich nur für Karate oder nur für Kobudo zu entscheiden. Empfehlenswert ist es jedoch die Kombination beider Richtungen zu wählen. Dies entspricht der ursprünglichen Ausrichtung des Karate. Denn Karate (Kara-Te) mit „Leere Hand“ zu übersetzen, führt in die Irre. Wie Funakoshi Gichin schreibt, meinte er mit diesem Begriff den anzustrebenden, geistigen Zustand – den Kopf frei zu haben, also frei von störenden Gedanken zu sein. Die Möglichkeit, Karate auch als eine Art „bewegte“ Meditation zu betreiben schimmert durch.

Kata beinhalten auch Hebel.

Sehr viele Techniken, Prinzipien sowie die Motorik des Karate entstammen den bewaffneten Kampfkünsten. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen als Schlag, Stoß, Hebel oder Wurf wirksam einsetzen zu können. Das Training der Waffen unterstützt also gleichsam einer Art Gerätetraining die Anwendung der Karatetechniken. Eine raffiniert ausgetüfftelte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider so nicht in den weltweit am verbreitetsten Karatearten fortgeführt wurde. Karateprinzipien richtig eingesetzt, wirken automatisch gegen Hebel oder Greifversuche des Gegners.

 

Hier gibt es mehr Informationen:
Karate
Geschichte des Karate
Väter des modernen Karate – Massenunterricht
Kobudo

Zu unserem Kobudotraining gehört bei den Fortgeschrittenen auch das Training der Sai (Eisendreizack) und auf Wunsch später auch der Tunfa (=Tonfa, hölzerner Kurzstock mit querstehendem Griffstück nach Art Polizeistock).

 

Karate wird zwar unbewaffnet ausgeführt, ist traditionell jedoch mit dem Kobudo (=»alter Weg der Waffen« Langstock Bo, Sai…) verknüpft. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Techniken des Kobudo vor. Im Kobudo steht der Umgang mit land­wirt­schaftlich anmutenden Gegen­ständen, hauptsächlich dem Bo (Langstock ca 185cm) und den Sai im Mittelpunkt. Der Bo war die favorisierte Trainings»waffe« der Meister, die auch dem Shorin-Ryu Karate einst die Form gegeben haben. Der geschickte Umgang mit dem starren Bo erfordert einen flexiblen Körper, ebenso wie das Shorin-Ryu Karate. Die dem Karate zugrunde liegenden Bewegungen sind sehr universell einsetzbar. Insbesondere sind sie auf das Kobudo abgestimmt und ohne wesentliche Änderungen übertragbar. Diese Kombination spiegelt die okinawische Kampfkunst wieder, deren einer Teil (Karate) mittlerweile in der ganzen Welt bekannt ist.

Die Abspaltung des Karate vom Kobudo ergab sich erst in der Moderne ab ca 1920.

Lehrgang in Hamburg Reinbek – Einführung ins Kobudo – Bo und in die Zusammenhänge zum Karate

Beide Methoden zusammen geführt ergänzen sich erst zu diesem faszinierenden Weg der Körper- und Kampfkunst, der bis ins hohe Alter gegangen werden kann. Die Karatetechniken selbst umfassen nicht nur verschiedenste Angriffe zu allen Körperregionen, sondern auch Befreiungstechniken, Hebel, Griffe und Würfe sowie Verteidigungstechniken gegen eben solche Angriffe.

Wesentliches Ziel des Karatetrainings ist es, einen Körper und ein Körpergefühl zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigen. Mehr dazu hier. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte in jeder Situation (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders athletischen oder aufgewärmten Körper voraussetzen.

Durch das Training erweitert sich das eigene Potential enorm. Hinter den Techniken und Haltungen verbirgt sich eine ausgeklügelte Bewegungsdynamik. Diese Dynamik findet im Körper statt und spiegelt sich nach aussen wieder.

Neben den alten Soloformen, Kata genannt, gibt es eine Vielzahl von weiteren Trainingsarten. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training wie die gezielte Entwicklung von Beweglichkeit der Gelenke, Koordination und Muskulatur. Das Training der Kobudowaffen wirkt dabei, wie ein perfekt angepasstes Gerätetraining. Wir lernen unseren Körper besser kennen und Muskelgruppen und Knochen gezielt einzusetzen. Die antrainierten Prinzipien gehen auf positive Weise auch in das alltägliche Körpergefühl über.

 

Kampfkunst und Gesundheit

Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern.

Kampfkunstbezogenes Fitnesstraining bis ins hohe Alter möglich

Gerade angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung und dauerhafte Erhaltung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbarem Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und gegebenenfalls neu auszurichten. So können wir unsere innere Körperarbeit und Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Übungen aus den Breichen Yoga und Qi Gong setzen wir ebenfalls ein.

Muskel-/ Nervenverbindung optimieren

Ganz gleich, ob es nun darum geht, nach einem hektischen Tag wieder runter zu kommen oder um beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit auszugleichen. Das alte und durchdachte Wissen fernöstlicher Kampfkunst kann zur ganzkörperlichen Gesunderhaltung und der Steigerung des eigenen Potentials hervorragend genutzt werden. Es ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln.
Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten oder ablenken können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern.

Soloformen – Kata

„Wanshu“ – Die alten Kata enthalten Wurftechniken

Die Kata des Karate und des Kobudo sind ein sehr gut geeignetes Werkzeug, welches den oben genannten Anforderungen entspricht. Kata können einen in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag zu unserem Leben leisten, kann man sich doch überall mit ihnen beschäftigen, egal ob drinnen oder draussen, alleine oder in einer Gruppe, mit oder ohne Kobudo-Waffen. Sie beinhalten Technik und Strategie des Karate und können mit einer Art Handbuch verglichen werden. In ihnen wurde das alte Wissen gut verpackt, wenig wurde tatsächlich aufgeschrieben. Wissen und Erfahrungen auf praktische Art und Weise in Form von Tänzen oder Choreographien weiter zu geben, ist eine Methode, die wahrscheinlich fast so alt ist, wie die Menschheit selbst. Sie bildet ein bewährtes Mittel, welches teils unterschwellig selbst heute noch in fast allen Kulturen verbeitet ist.
Oberflächlich unterrichtet kann man jedoch nur wenig aus den Kata ziehen, da sie in diesem Fall zu einer mehr oder weniger athletischen Sportübung wird. Die angewandten Bewegungsprinzipien einer Kata sollten nicht sehr von den im freien Kampf benötigten Bewegungsmustern abweichen. Sie sollte leicht und natürlich sein, ohne unnötige Anspannung, sich aber dennoch durch technische Effektivität auszeichnen. Arm- und Beinbewegungen sollten eng mit der Arbeit des Oberkörpers, beispielsweise dessen Ausdehnen und Zusammenziehen verbunden sein und möglichst »verborgen« ausgeführt werden. Dieses Grundprinzip steht im Gegensatz zum modernen Wettkampfkarate, wo gerade Arm- und Beinbewegungen für die bewertenden Kampfrichter gut sichtbar ausgeführt werden müssen. Ein großer Teil der Katabewegungen besteht aus Mitteldistanz- und Nahkampftechniken, deren Anwendungsmöglichkeiten aufgrund der Distanzvergrößerung des modernen Freikampfes, dem »Randori« oder »Kumite« nahzu völlig verloren gingen. So entwickelten sich in wettkampfgeprägten Stilen Kampf und Kata weit auseinander zu eigenständigen Dispziplinen des Wettkampfes und verloren ihre Einheit.

 

Einfach mitmachen und Faszination Kampfkunst überall ausüben – kostenloses Probetraining

 

Training im Park

Wir trainieren nicht nur in Hallen sondern auch im Freien, um diese positive Erfahrung unseren Schülern von Anfang an nahe zu bringen und sie zu motivieren, diese Praxis in ihr Leben zu integrieren. Denn draussen auf unebenen und unterschiedlichen Bodenarten muss man eine gute Fussarbeit entwickeln, um sich ähnlich fliessend und sicher wie auf Turnhallenboden bewegen zu können.

Kostenloses Probetraining ist jederzeit und ohne Anmeldung möglich. Als Sparte der HTBU in Hamburg-Barmbek können wir das Training zu einem günstigen Mitgliedsbeitrag von ca 17€ monatlich anbieten. Es besteht auch die Möglichkeit, »nur« an den Karate- bzw. Kobudoeinheiten teil zu nehmen, falls euch beides zusammen als zu viel auf einmal erscheint. Ansosnten werden Anfänger zunächst neben dem Karate zusätzlich zunächst nur mit dem Bo beschäftigt. Wenn sie mit dem Bo vetraut werden, geht es an die Sai und noch später auf Wunsch auch an die Tunfa (Tonfa).

Im Trainingskalender seht ihr die Themen der Trainingstage sowie Lehrgänge und zusätzliche Trainingseinheiten. Letztere finden idR. im Trainingsanzug im Freien statt.

Bei Fragen, sprecht uns an und nutzt das »Kontaktformular«
Mehr zu Verein, Trainingszeiten und uns hier: »Verein«
Hier findet ihr eine kurze Videoreportage mit Shihan Oshiro, welche während eines Lehrgangs aufgenommen wurde: Video

In unserer Gruppe lernen wir voneinander und miteinander. Jeder übt im Rahmen seiner körperlichen Fähigkeiten und seiner verfügbaren Trainingszeit. Jeder ist aufgerufen, dem anderen weiter zu helfen. Konkurrenzkampf gibt es nicht, wir wachsen miteinander und unterstützen uns beim Vorwärtskommen. Durch das regelmäßige Training entwickelt sich bald ein natürliches Gefühl, wie man Körper und Technik effektiv einsetzt. Das Training integriert sich spürbar in den Alltag. Im Kobudo genügt zunächst das Training mit dem Langstock »Bo«.
Später kommen auf Wunsch auch noch Sai und Tunfa (Tuifa) dazu.