Okinawas Karate und Kobudo als Einheit

Willkommen auf meinen Seiten! Hier teile ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus der intensiven theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit der traditionellen Kampfkunst Okinawas (ehemals RyuKyu – „Uchinadi“). Auf den Unterseiten der Webseite findet ihr viel detailiertere Information zu den Themen, die ich auch dieser Hauptsseite lediglich kurz anreiße. Okinawa ist die Hauptinsel einer lang gestreckten Inselkette im Pazifik und der Ursprungsort für das Karate und Kobudo (Geschichte).
Unser Training findet in Hamburg Barmbek im Rahmen des breitgefächerten Sportangebots des HTBU e.V. statt. Somit ist es jedem und jeder möglich, von den vielfältigen Vorteilen dieser vielseitigen kämpferischen und dennoch eleganten Bewegungsart zu profitieren. Anfänger/ -innen sowie bereits Praktizierende anderer Richtungen sind jederzeit willkommen. 

Kobudo bedeutet »alter Weg der Waffen«. Die Hauptwaffe und damit das wichtigste Trainingsgerät ist der Langstock (Bo – ca 183cm, unkonisch). Im Idealfall beginnt man das Karate- und das Kobudotraining zum selben Zeitpunkt. Wenn eine grundsätzliche Sicherheit im Umgang mit dem Bo erreicht wurde, widmet man sich zusätzlich dem Training mit den Eisengabeln (Sai). Diese beiden Waffen genügen, um zusammen mit dem Karatetraining einen symbiotischen Effekt zu erhalten, der Körperbeweglichkeit, Flexibilität und Muskelkraft optimal fördert. Auf persönlichen Wunsch kann man viel später auch die eher nebensächlichen Kobudowaffen trainieren. Hierzu gehören z.B. die hölzernen Tonfa (Tuifa).

Heutzutage ist es leider nicht mehr üblich, Karate und Kobudo als die sich ergänzende Einheit zu trainieren, als die es einst geschaffen wurde. Den genau hierauf sind beide Kampfkünste jedoch ursprünglich ausgerichtet worden, wie man mit Leichtigkeit selbst an den modern veränderten Kata des Karate noch erkennen kann. Auch stellt eine der meist genutzten Bewegungen im Karate, die sich zurückziehende Hand (das Hiki-Te), das wesentliche Grundprinzip des Boschlages dar.

Leere Hand. Karate (Kara-Te) wird gern mit „Leere Hand“ übersetzt, wobei fälschlicherweise die Bedeutung „nichts in der Hand zu haben“ angenommen wird. Diese Interpretation führt in die Irre. Wie der Schöpfer der entsprechenden Schriftzeichen (Funakoshi Gichin) selbst schreibt, meinte er den anzustrebenden, geistigen Zustand – nämlich den Kopf frei zu machen von störenden Gedanken. Hier tritt der ZEN Philosophie Aspekt in Erscheinung. Auch Funakoshi trainierte Karate und Kobudo. Neben vielen anderen Möglichkeiten kann man die Kata, entsprechend ausgeführt, als ein Mittel für eine „bewegte“ Meditation hernehmen. Auf diese Weise ausgeführt lernt man, auch in der Bewegung Ruhe (vor den eigenen Gedanken) zu finden. Hier sind weitere Informationen zur Entwicklung des Karate und Kobudo verlinkt.

Bewusst entscheiden. Auf dieser Webseite findet ihr eine Fülle von Informationen zu unserer Basis, jedoch auch zu den mittlerweile verschiedensten Formen des Karate, die sich im 20. Jhdt. entwickelten. Sich eine Orientierung zu verschaffen ist wichtig, da man sich ansonsten evtl. in einer wettkampforientierten Richtung wiederfindet, obwohl man gar nicht am Wettkampf interessiert ist. So trainieren heute viele Praktizierende (unwissender Weise) ein wettkampforientiertes Karate, nehmen aber nie an Wettkämpfen teil. Die Technik- und Dynamikauslegungen und die Schwerpunkte des traditionellen und des wettkampfgeprägtem Karate haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Daher macht es einen großen Unterschied, wo man trainiert. Die Unterschiede sind derart signifikant, daß die gemeinsamen Wurzeln teils kaum mehr zu erkennen sind.

Es ist möglich, sich bei uns nur für Karate- oder nur für Kobudotraining zu entscheiden. Empfehlenswert ist es jedoch die Kombination beider Richtungen zu wählen. Dies entspricht der ursprünglichen Ausrichtung dieser Kampfkunst. Der Schwerpunkt liegt bei uns im Yamanni-Ryu Kobudo auf der Hauptwaffe Bo, danach folgen die Sai. Weiteres Waffentraining ist für ein tieferes Karateverständnis und zur Nutzung des symbiotischen Effektes des Karate und Kobudo nicht notwendig.


Der Ansatz, die Wurzeln.
Unser Ansatz der okinawanischen Kampfkunst führt uns als nicht wettkampforientierte Richtung an die Wurzeln des Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Ryu Kobudo als Bewegungs- und Selbstverteidigungskunst. Dieser Weg geht auf Tode Sakugawa und Sokon Matsumura zurück. Darüber findet ihr hier detailiertere Informationen. Um dieses Wissen zu erlangen und zu vertiefen, reisen wir selbst bis nach Okinawa (Bericht 2017).  Wir erhalten den Trainingskontakt mit unserem Lehrer ganzjährlich aufrecht, indem wir Shihan Oshiro (9. Dan) oft nach Deutschland einladen und ihn für privates Training in Okinawa besuchen. Es finden öffentliche Lehrgänge und privates Training statt. Mittlerweile gibt es bereits drei „Oshiro-Dojos“ im Norden Deutschlands (Hamburg, Stade, Lüneburg), deren Lehrer/ -innen ihren Weg einst bei uns in Hamburg begannen. Weitere Dojos sind über ganz Deutschland (rbkd-germany.de) verteilt. Über diesen gemeinsamen Verbund ist es möglich einen Meister wie Shihan Oshiro mehrmals im Jahr einzuladen und es gelang uns, die notwendige Bindung und das Vertrauen aufzubauen, welches für die Weitergabe notwendig ist.

Der Verband. Der R.B.K.D wurde 1985 von Sensei Chogi Kishaba in Okinawa und Shihan Toshihiro Oshiro in den USA gegründet. Das Ziel dieser Organisation ist die Erforschung und Entwicklung des Okinawa-Karate und der Kobujutsu-Techniken, sowie die Propagierung der authentischen Tradition der Kampfkünste Okinawas, speziell der des Yamanni-Ryu.
Kishaba Chogi Sensei ist ein direkter Schüler von Chinen Masami (Begründer des Yamanni-Ryu). Masami Chinen lebte in Shuri und praktizierte Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Ryu Bojutsu
Das R.B.K.D.-Lehrprogramm konzentriert sich auf die Waffen Okinawas mit dem Schwerpunkt auf Bo und Sai. Der grundlegende Stil des R.B.K.D. ist das Yamanni-Chinen Ryu Bojutsu. Die Hoffnung und Absicht des R.B.K.D. ist, dass durch Übung und Konzentration auf die einzigartige Beinarbeit und Körperdynamik des Yamanni-Ryu jedem Schüler das Verständnis für die okinawanischen Kampfkünste erleichtert wird und umgesetzt werden kann.
Der R.B.K.D. ist offen für Neueinsteiger und Praktizierender aller Stile, die Interesse an den traditionellen Kampfkünsten Okinawas haben.
Die Fotogalerie gibt einen Eindruck über unsere Aktivitäten.


Geschichte, Karate wird öffentlich.
Karate und Kobudo sind Kampfkünste, deren Entwicklung auf der japanischen Insel Okinawa stattfand. Die Kampfkünste wurden bis ins 20. Jh. hinein nicht öffentlich unterrichtet. Öffentlich wurde das Karate erstmals um 1905 unterrichtet. Aufgrund seines positiven Einflusses auf die Gesundheit und Fitness, fand dieser Unterricht an okinawanischen Schulen statt.

Den Schulkindern wurde eine entschärfte Version des Karate gelehrt. Dieses umfasste die 5 Kata der Pinan Reihe (Heian Shodan bis Godan im modernen Karate). Um die Pinan Kata Serie zu erschaffen, bediente man sich Techniksequenzen der fortgeschrittenen Kata. Japanischen Militärärzten stach bald die überdurchschnittlich gute körperliche Konstitution Karatepraktizierender Okinawas ins Auge. So kam da Karate auch auf der Hauptinsel Japan ins Gespräch. Langsam wurde es auch für Erwachsene einfacher, Lehrer zu finden, die das Karate weitergaben. Ab ca. 1922 verbreitete sich das Karate durch Funakoshi Gichin und kurz darauf auch durch Mabuni Kenwa  auf der Hauptinsel Japans und von dort über die ganze Welt.

Die Karategruppen wurden ab ca 1922 stetig größer, die wachsende Lehrerzahl brachte immer vielfältigere Eigeninterpretationen oder Vereinfachungen der ursprünglichen Kunst und damit eine Verwässerung hervor.

Funakoshi Gichin

Funakoshi Gichin, auch „Vater des modernen Karate“ genannt, versuchte die beiden Richtungen des okinawansichen Karate zu einer Richtung umzugestalten. Der um 1950 beginnende Wettkampfeinfluss  erschuf schließlich gänzlich neue, ebenfalls spannende Richtungen des Karate. Er veränderte jedoch die alten Schwerpunkte und die Techniken und die Kampfkunst wurde zum Kampfsport, später kam auch eine Art Musik-Gymnastikrichtung hinzu. An mehr Informationen zu den Vätern des modernen Karate und dessen weitere Entwicklung gelangt ihr hier.


Problem des Modernen.
Die einstige Kunst wurde teilweise so stark verändert, dass wesentliche (Bewegungs-)Prinzipien zusammen mit dem Wissen um die Formen (Kata) und Techniken verschwanden. Unklar wurde für die, die es wissen wollten, was ursprünglich, vereinfacht, abgekürzt oder dem Wettkampf angepasst war.
Viele Ausübende, Schüler wie Lehrer, waren auf eigene Interpretationen angewiesen, wollten sie praktikable Hintergründe in die Techniken einfließen lassen. Viele Hintergründe zu Technik und Prinzip des Karate sind jedoch so gut vergraben, das sie kaum noch aufzuspüren sind und unterrichtet werden.

Dennoch schimmern die alten Prinzipien auch in den moderneren Kata und Grundtechniken noch durch. Diese Problematik des modernen Karate führte uns auf die Suche, nach einem Lehrer, der uns begeistern kann, mit seinem Wissen und seinen Erklärungen auch wenn dies nach ca 25 Jahren des Praktizierens modernerer Stile eine Abkehr von eben diesen bedeuten und quasi einem Neuanfang gleichkommen würde. Genau so kam es dann auch – eher zufällig. Nach ca 5 Jahren der Orientierung hin zu den verschiedenen Stilen, welche in Deutschland angeboten werden, stießen wir auf Roberto Romero (5. Dan), Schüler von Shihan Toshishiro Oshiro (9.Dan). An mehr Informationen über unsere Lehrer und uns gelangt ihr hier .

Shihan Toshihiro Oshiro (9. Dan) mit Sai

Die Lehrer der Oshiro-Dojos in Deutschland haben sich, so wie unser Großmeister Shihan Oshiro es selbst bereits jahrzehntelang tut, der Erforschung und Verbreitung der alten und ausgefeilten Technik und Motorik des Shorin-Ryu-Karate verschrieben. Neben dem Shorin-Ryu entwickelte sich im Grunde nur eine zweite, ebenfalls sehr effektive Karatelinie auf Okinawa, sie wird Shorei-Ryu genannt. Aus diesen beiden Richtungen entwickelten sich die vielen heute bekannten Karatestile und -arten. Shihan Oshiro hatte das Glück, vom letzten Lehrer des Yamanni-Ryu und als einziger Langzeitschüler in diese eng mit dem Karate verbundene Kampfkunst eingeweiht zu werden. Da das Yamanni-Ryu auf Karatelegenden wie Matsumura Sokon und Tode Sakugawa zurück geht und ursprünglich nicht vom Karate getrennt war, konnte er auf diese Weise direkte Rückschlüsse auf ihr Karate ziehen. Die ursprüngliche Einheit von Karate und Kobudo ist deutlich in den Karatetechniken zu lesen. Bo Training stellt dabei auch eine Art Anwendungstraining dar. Viele Bo Techniken können als Hebel oder Würfe eingesetzt werden, wobei der Bo hierbei durch den Gegner bzw. dessen Arme ersetzt wird. Interessante Interviews mit Shihan Oshiro sind hier.


Kampfkunst vs. Kampfsport.
Das »alte Karate« orientiert sich nicht am Wettkampf, da dieser sich in geradezu konträrer Weise vom ursprünglichen Gedanken der Kampfkunst unterscheidet. Im Wettkampf gibt es Regeln, Gewichts- und Altersklassen, man muss äußerlich sichtbare Kraft und Dynamik sowie faire oder festgelegte Treffer zeigen, damit Kampfrichter das Geschehen bewerten können oder sich das Auge der Zuschauer erfreut.
Konträr dazu ist die reale Konfrontation zu sehen. Keine Regeln, kein Verzicht auf Waffen, keine festgelegten Gewichts- oder Altersklassen. Es gilt die eigenen Aktionen, die Kraftentwicklung und Dynamik zu verbergen, also innerlich stattfinden zu lassen, sie dennoch in die Technik einzubringen. In der Bewegung muß man die eigenen körperlichen Schwachstellen schützen, egal on man sich defensiv oder offensiv bewegt. Eine reine defensive Bewegung darf es nicht geben, da sie keine Vorteile bringt, auch in jeder defensiven Bewegung muß eine Art Offensive stecken. Es gilt schließlich, die Auseinandersetzung schnell und möglichst sicher zu beenden. Im Gegensatz zum modernen Karate, gibt es daher keine Techniken, die als reine Abwehr eingesetzt werden, um danach erst den Konter zu setzen.

Die „Schaltzentrale“ manipulieren, gleichzeitig tiefe Tritttechniken.

Vielseitiger Einsatz der Techniken. Das „alte“ Karate soll in nahezu jeder Situation anwendbar sein, in der Bewegung größt möglichen Selbstschutz bieten und effektive Techniken für nahezu jede Situation antrainieren. Als Kampfkunst umfasst es nicht nur Block-, Schlag- und Tritttechniken für alle Distanzen, sondern auch Wurf-/ Hebel und andere Manipulations- und Befreiungstechniken. Die innere Dynamik setzt neben den grossen auch kleinste Gelenke wie Finger- oder Zehengelenke ein. Wenn sich alle Gelenke einig sind, werden auch klein ausgeführte Bewegungen sehr effektiv. Dieses Training bedeutet ein intensives Feintuning des Einsatzes und der Ausrichtung aller Muskeln und Gelenke des Körpers. Da es nicht auf reiner Muskelkraft basiert, ist es auch für Frauen sehr gut geeignet, um effektive Bewegungen und Techniken ausführen zu können. Zudem ist die Kampfkunst ein Weg, Körper und Geist auch im modernen Leben ausgeglichen, fit und gesammelt zu halten.


Den Körper verändern.
Wesentliches Ziel des Trainings ist es, einen Körper und ein Körpergefühl zu entwickeln, welche jederzeit zu effizienten Handlungen befähigen. Mehr dazu hier. Der Einsatz von Techniken der Kampfkunst sollte jederzeit (laufend, stehend, sitzend, liegend) und auf jedem Untergrund möglich sein und nicht bestimmte Stände oder einen besonders muskulären oder aufgewärmten Körper voraussetzen. So dürfen wir nicht nur barfuß in Turnhallen trainieren, sondern müssen auch mit verschiedenstem Schuhwerk besattelt im Freien trainieren.


Karate und Kobudo sind eins.
Sehr viele Techniken, Prinzipien sowie die Motorik des Karate entstammen den bewaffneten Kampfkünsten. Das Training von Bo und Sai stärkt Muskeln und Gelenke, fördert die Flexibilität und optimiert gleichzeitig das Vermögen, die Karatetechniken und deren vielfältige Anwendungen als Schlag, Stoß, Hebel oder Wurf wirksam einsetzen zu können. Das Training der Waffen unterstützt also gleichsam einer Art Gerätetraining die Anwendung der Karatetechniken. Eine raffiniert ausgetüfftelte Symbiose wurde geschaffen, die aber leider so nicht in den weltweit am verbreitetsten Karatearten fortgeführt wurde. Karateprinzipien richtig eingesetzt, wirken automatisch gegen Hebel oder Greifversuche des Gegners, der eigene Körper wird schwer zu hebeln oder zu werfen.

Kobudotechniken in Karate Kata. Karate wird zwar unbewaffnet ausgeführt, ist traditionell jedoch mit dem Kobudo verknüpft. Aus diesem Grunde kommen auch in den waffenlosen Karateformen (Kata) und selbst in den grundlegensten Karateprinzipien Techniken des Kobudo vor. Der Bo war die favorisierte Trainings»waffe« der Meister, die auch dem Shorin-Ryu Karate einst die Form gegeben haben. Der geschickte Umgang mit dem starren Bo erfordert einen flexiblen Körper, ebenso wie das Shorin-Ryu Karate. Die dem Karate zugrunde liegenden Bewegungen sind sehr universell einsetzbar. Insbesondere sind sie auf das Kobudo abgestimmt und ohne wesentliche Änderungen übertragbar. Diese Kombination spiegelt die okinawische Kampfkunst wieder, deren einer Teil (Karate) mittlerweile in der ganzen Welt bekannt ist. Die Abspaltung des Karate vom Kobudo ergab sich erst in der Moderne ab ca 1920.

Karate und Kobudo als Einheit trainiert, ergänzen sich erst zu diesem faszinierenden Weg der Körper- und Kampfkunst, welcher bis ins hohe Alter gegangen werden kann. Die Waffen ermöglichen ein fundiertes Verständnis der Karatetechniken und entwickeln einen flexiblen und kräftigen Körper. Durch das Training erweitert sich das persönliche Gesundheits- und Verteidigungspotential enorm. Hinter den Techniken und Haltungen verbirgt sich eine ausgeklügelte Bewegungsdynamik. Diese Dynamik findet im Körper statt und spiegelt sich nach aussen wieder, gibt Haltung und Kata das Aussehen.

„Wanshu“ – Die alten Kata enthalten Wurftechniken

Kata – Bücher der Gesten. In alter Zeit verzichtete man aus verschiedenen Gründen auf das Niederschreiben von Techniken und Prinzipien. Man bediente sich eines sehr viel praktikableren Modells, welches Praxis und Theorie in perfekter Art und Weise verbinden kann – die Kata. Es sind nahtlos aneinandergereihte Techniksequenzen, Wendungen und Schrittfolgen. Alles in einer Kata hat nicht nur einen Sinn, sondern gleich mehrere Bedeutungen. Das verlorene Wissen um die Theorie hinter den Kata war einer der großen Verluste, die uns damals nach Jahrzehntes des aktiven Sportkaratebetreibens haben auf die Suche gehen lassen. Sie beinhalten Technik und Strategie des Karate und können mit einer Art Handbuch verglichen werden. In ihnen wurde das alte Wissen gut verpackt, wenig wurde tatsächlich aufgeschrieben. Wissen und Erfahrungen auf praktische Art und Weise in Form von Tänzen oder Choreographien weiter zu geben, ist eine Methode, die wahrscheinlich fast so alt ist, wie die Menschheit selbst. Sie bildet ein bewährtes Mittel, welches teils unterschwellig selbst heute noch in fast allen Kulturen verbeitet ist.
Kata können einen in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag zu unserem Leben insgesamt leisten, kann man sich doch überall mit ihnen beschäftigen, egal ob drinnen oder draussen, alleine oder in einer Gruppe, mit oder ohne Kobudo-Waffen.

Oberflächlich unterrichtet oder trainiert kann man jedoch nur wenig aus den Kata ziehen, da sie in diesem Fall zu einer mehr oder weniger athletischen Sportübung wird. Die angewandten Bewegungsprinzipien einer Kata sollten nicht sehr von den im freien Kampf benötigten Bewegungsmustern abweichen. Sie sollte leicht und natürlich sein, ohne unnötige Anspannung, sich aber dennoch durch technische Effektivität auszeichnen. Arm- und Beinbewegungen sollten eng mit der Arbeit des Oberkörpers, beispielsweise dessen Ausdehnen und Zusammenziehen verbunden sein und möglichst »verborgen« ausgeführt werden. Dieses Grundprinzip steht im Gegensatz zum modernen Wettkampfkarate, wo gerade Arm- und Beinbewegungen für die bewertenden Kampfrichter gut sichtbar ausgeführt werden müssen. Ein großer Teil der Katabewegungen besteht aus Mitteldistanz- und Nahkampftechniken, deren Anwendungsmöglichkeiten aufgrund der Distanzvergrößerung des modernen Freikampfes, dem »Randori« oder »Kumite« nahzu völlig verloren gingen. So entwickelten sich in wettkampfgeprägten Stilen Kampf und Kata weit auseinander zu eigenständigen Dispziplinen des Wettkampfes und verloren ihre Einheit. Mehr zum Thema Kata ist hier zu entdecken. Welche Kata wir trainieren, seht ihr hier für das Karate und hier für das Kobudo.


Kihon, Kata, Kumite, Bunkai.
Neben den Kata gibt es eine Vielzahl von weiteren Trainingsarten. Wohl dosierte Abhärtungsübungen und die kontrollierte Anwendung der Techniken (Bunkai) in Partnerübungen (Kumite) und an Schlagpolstern gehören ebenso zum Training, wie die gezielte Entwicklung der Beweglichkeit von Gelenken sowie der Koordinationsfähigkeit und Muskulatur. Das Training der Kobudowaffen wirkt dabei, wie ein perfekt angepasstes Gerätetraining. Wir lernen unseren Körper besser kennen und Muskelgruppen, Gelenke und Knochen gezielt einzusetzen. Die antrainierten Prinzipien gehen auf positive Weise auch in das alltägliche Körpergefühl über. Mehr Informationen zu den Trainingsgrundlagen befinden sich hier.

 

Training im Park

Einfach mitmachen, Trainigskalender. Wir trainieren nicht nur in Hallen sondern auch im Freien, um diese positive Erfahrung unseren Schülern von Anfang an nahe zu bringen und sie zu motivieren, diese Praxis in ihr Leben zu integrieren. Denn draussen auf unebenen und unterschiedlichen Bodenarten muss man eine gute Fussarbeit entwickeln, um sich ähnlich fliessend und sicher wie auf Turnhallenboden bewegen zu können.

Kostenloses Probetraining ist jederzeit und ohne Anmeldung möglich. Als Sparte der HTBU in Hamburg-Barmbek können wir das Training zu einem günstigen Mitgliedsbeitrag von ca 17€ monatlich anbieten. Es besteht auch die Möglichkeit, »nur« an den Karate- bzw. Kobudoeinheiten teil zu nehmen, falls euch beides zusammen als zu viel auf einmal erscheint. Ansonsten werden Anfänger zunächst neben dem Karate zunächst nur mit dem Bo beschäftigt. Wenn sie mit dem Bo vetraut werden, geht es an die Sai und noch später auf Wunsch auch an die Tonfa (Tuifa). Klickt hier für den Trainingskalender sowie weitere Informationen über uns.

Bei Fragen, sprecht uns an und nutzt das »Kontaktformular«
Mehr zu Verein, Trainingszeiten und uns hier: »Verein«

In unserer Gruppe lernen wir voneinander und miteinander. Jeder übt im Rahmen seiner körperlichen Fähigkeiten und seiner verfügbaren Trainingszeit. Jeder ist aufgerufen, dem anderen weiter zu helfen. Konkurrenzkampf gibt es nicht, wir wachsen miteinander und unterstützen uns beim Vorwärtskommen. Durch das regelmäßige Training entwickelt sich bald ein natürliches Gefühl, wie man Körper und Technik effektiv einsetzt. Das Training integriert sich spürbar in den Alltag. Im Kobudo genügt zunächst das Training mit dem Langstock »Bo«.
Später kommen auf Wunsch auch noch Sai und Tunfa (Tuifa) dazu.


Kampfkunst und Gesundheit
. Kampfkunst vereint die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit, Alltagsausgleich und Spaß an der kämpferischen Bewegung. Dies geschieht am besten innerhalb einer sympathischen Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern.

Angesichts der Ansprüche des modernen Alltags ist die Aneignung und dauerhafte Erhaltung effektiver Kampftechniken, sowie die Ausbildung eines beweglichen, kräftigen und gesunden Körpers von unschätzbarem Wert. Dazu gehören auf die Kampfkunst vorbereitende Aufwärmübungen, die sich teils in erstaunlicher Weise von herkömmlicher Gymnastik unterscheiden. Sie helfen uns dabei, das Zusammenspiel aller Muskelgruppen zu optimieren und festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und gegebenenfalls neu auszurichten. So können wir unsere innere Körperarbeit und Motorik optimieren, was zu effektiven Techniken führt, welche die Kampfkünste ausmachen. Übungen aus den Breichen Yoga und Qi Gong setzen wir ebenfalls ein.

Ganz gleich, ob es nun darum geht, nach einem hektischen Tag wieder runter zu kommen oder um beruflich bedingte, mangelnde körperliche Tätigkeit auszugleichen. Das alte und durchdachte Wissen fernöstlicher Kampfkunst kann zur ganzkörperlichen Gesunderhaltung und der Steigerung des eigenen Potentials hervorragend genutzt werden. Es ist ausserdem bekannt dafür, einen konzentrierten und ausgeglichenen mentalen Zustand zu entwickeln.
Im Alltag sind wir vielen Gelegenheiten ausgesetzt, die uns nachhaltig gedanklich belasten oder ablenken können. Aus der Aggressionsforschung weiß man, dass zur effektiven Ablenkung und Neutralisierung negativer Nachwirkungen von Ereignissen solche Sportarten am besten geeignet sind, die gleichzeitig körperlich und geistig fordern.